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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 182

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 182 (sequence 22)
Language
German
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182 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Stücke auf seine Beredsamkeit einbildete, drängte diesmal seine Ermahnung in die Worte zusammen: „Thu — Thn — Thu dich in Wie — Wie — Wien gu — gu — gut au — fführen!" Schloime Klatschkopf aber sagte: „Was wirst du werden in Wien, auch ein Buchhalter. Das Buch wirst du verlieren, wirst-du bleiben ein «Halter» (Hirt). Als er zu Bärl Lederer eintrat, wurde er leichenblaß. Bärl Lederer sagte: „Feiwele, in Wien kann man leicht ein Goi werden; und wie du das erste mal Schabbes schreibst, geh' gleich hin und laß dich «koifer» sein (taufen), denn das ist mir alles eins." Felix war keines Wortes mächtig und war froh, als er wieder draußen war, um mit zitternden Knieen seinen Rundgang fortzusetzen; Rösele aber, Bärl Ledercr's Töchterchen, ward über die Aeußerung ihres Vaters so erschrocken, als ob der Blitz in das Haus eingeschlagen hätte. Felix kam nach Hause. Der Wagen stand schon vor der Thüre; der Rabbiner und der Lehrer kamen heran. „Jetzt b'urlaub' dich noch mit der Mutter", sagte Lob /wank, der mit dein Knaben den Wagen besteigen sollte, um ihn nach der Stadt zu bringen. Felix umarmte seiue Mutter und küßte sic und beide weinten; da trat Rösele ein. „Was bringst du, mein Kind?" fragte Löb Frank. Sie konnte aber bei dem Anblick) der sich ihr bot, den Auftrag, welchen ihr Bärl Lederer gegeben hatte, nicht ausrichten, sondern fing ebenfalls an zu weinen. Felix, hierüber gerührt, streckte ihr fast willenlos die Hand zum Abschied hin; Rösele ergriff sie feurig und sagte zu Felix leise: „Mein Natter ist ein Unmensch! Er hat dir weh gethan! Mir auch!" In demselben Moment kam auch Gumpel gelaufen; denn er wollte, obwol sie sich schon verabschiedet hatten, seinen Genossen noch einmal sehen. Man riß sich endlich los. Löb Frank und Felix bestiegen den Wagen. Die Mutter und der Rabbiner, der Lehrer und mehrere andere, die ebenfalls herbeigekommen waren, blickten demselben nach, solange) sie ihn im Auge behielten; der Rabbiner sprach den Segen: „Jeworechecho" — und nachdem alles vorüber war, führte Gumpel das weinende Rösele nach Hause. (Fortsetzung folgt.) UuMtta.* **)) Non IN . Alois Müller. Samuel David Luzzatto ward Freitag den 22. Aug. 1800 zu Triest im ersten Stocke des Hauses Nr. 060 auf der Corsostraße geboren. Mündlicher Ueberlieferung zufolge stammt die Familie der schon seit guten drei Jahrhunderten in der jüdischen Literatur gekannten Luzzatto'") aus der Lausitz, welches Land lateinisch ImMtia heißt. Samuel David's Vater, ein Drechsler, hieß Chiskia, die Mutter Mirjam Malka (Regina). Sie war eine geborene Cormons. Der Großvater, fromm, redlich in seinem Handel und voll Gottvertrauens, hieß Baruch. Er starb im hohen Alter und hinterließ vier Töchter, die eine zahlreiche Nachkommenschaft hatten, einen Sohn, der unverheirathet im Alter von 00 Jahren starb, und Chiskia. Nach Triest aber war Chiskia erst eingewandert und zwar aus San-Daniele, einer kleinen Stadt Friauls. Doch war diese Uebersiedelung eine unfreiwillige. Mittels Decretes vom 22. Febr. 1776 >und 23. Aug. 1777, welche Doge Alois Mocenigo am 27. Sept. desselben Jahres bestätigte, erneuerte nämlich der venetianische Senat die Ausweisung der Juden aus Stadt und Staat für die Dauer von zehn Jahren und beauftragte die Behörden binnen sechs Monaten die Juden aus allen Städten und Dörfern ihrer Juris- *) Geboren in Triest am 22. Aug. 1800, gestorben in Padua beim Eingang des Versöhnungsfestes, am 29. Sept. 1865. **) Die Familie hat als Wappen drei Sterne, einen Halbmond, einen Hahn und eine Gerstenähre.

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