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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 181

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 181 (sequence 21)
Language
German
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Der Schlüssel. 181 lüg an Ermahnungen als all Gaben. Für ein armes Kind waren die letztem oft von großem Werth; für Felix waren sie nur ein Zeichen der Aufmerksamkeit; denn was hatte er es nöthig, wenn ihm Jachedel Brumerin eine Stoppleber, oder Bune Kreißerin ein Tellerl Grieben in Papier eingewickelt in die Tasche steckte. Seine Aeltern konnten ihn so versorgen, daß er keinen Hunger leiden wird, nichtsdestoweniger nahm er diese Liebesgaben an, weil es einmal so Sitte war. Der Schames und die Schamestin, lwi denen er den Anfang machte, sagten ihm ein einfaches: Bleib' gesund! — Desto länger hatte er mit Gumpel zn redeil, mit dem er am letzten Tage noch ein halbes Stündchen beisammensein wollte. Kreßele Kezinetin konnte den armen Felix nicht genug bedauern. „Du bist mir ein groß «Nachmoncs» (bedauerlich)" sagte sie ihm, „ein Kind von so reichen Aeltern hätt' es auch nicht nöthig in die Fremd' zu gehn; und eh' ich mein Josseph-Leben fortgehn ließe, nlvcht' ich mich lieber gleich in die Erd' hineinlegen." Reb Selke Morene war aus andren Motiven gegen die Fahrt; er bezweifelte nämlich, ob der Junge, in der Stadt sich selbst überlassen, genug fleißig sein werde. Deshalb sagte er: „Lern' fleißig, denn sonst — was brauchst du auf Wien, um in Wien nichts zu lernen; bleib du hier, wirst du «e Wade» (gewiß) in Wien nichts lernen." Mechol Pradeuik ermahnte den Knaben ebenfalls zum Fleiß, aber wieder in ganz anderer Absicht. „Tracht'", sagte er, „daß etwas aus dir wird, und daß dll einmal der ganzen Gemeinde Ehre machst." Wenn Ore Geizkrogen in ähnlicher Weise begann, so schwebte ihm doch wieder etwas ganz anderes vor, das bezeugt die Wendung, die seine Ermahnung nahm, denn er sagte: „Sieh', daß etwas Rechts aus dir wird, daß deine Aeltern das schwere Geld nicht umsonst hinauswerfen, und thu' dich «genieten» (entbehren) in der Fremd', denn in der Fremd' kann man nicht alles so haben wie zu Haus." I)r. Berger, der diese ganze Entwickelung der Dinge einzig als sein Werk ansah, freute sich herzlich, den jungen Studenten seinem Ziel entgegenschreiten zu sehen; er sagte zum Schluß einer lüngern Abschiedsrede, in der er ihn auf die verschiedenen Wissenschaften aufmerksam gemacht hatte: „Und wenn du einmal etwas geworden sein wirst, dann kannst du deine Mutter fragen, was ich während deiner Krankheit mit ihr gesprochen habe." Die lange Jittel war für das geistige Wohl des Knaben weniger besorgt, desto mehr lag ihr sein leibliches Wohl am Herzen, deshalb ermahnte sie: „Geb' nur Obacht, Felix-Leben, daß du dich in der Fremd' nit verkühlst, daß du keinen jächen Trunk machst, wenn du erhitzt bist, daß du dich nicht verderbst und daß du chaßwescholem nit krank wirst und nit zu doctern brauchst; denn sie kennen alle nix, die Doctoren, wie sie sind, verstehen sie eine Kränk." Der Rabbiner, der es selbstverständlich an Ermahnungen nicht fehlen ließ, sagte beim Abschied: „Wirf nur über die lateinische Sprache nicht gleich die Gemoreh weg; ich bin schon neugierig auf die Sugjeh (Inhalt), die du ausgeben, wirst, wenn du einmal wieder nach Haus kommst; ich versprech dir die Morene und ich hoffe, du wirst sie verdienen." Am meisten freute den Knaben das, was ihm sein Lehrer sagte. Hat ihm dieser schon durch die Mittheilung jenes geheimnißvollen Buchs einen Beweis großen Vertrauens gegeben, so drückte sich dieses Vertrauen jetzt noch mehr aus in den Worten: „Was soll ich dir sagen, mein Felix? Am besten, ich sag' dir gar nichts; denn was ich dir auch sagen könnt, es wär' nie genug und doch immer schon zn viel. Ich weiß, du hast ein gutes Herz und bist unfähig, etwas Schlechtes zn thun. Das ist mein Trost, wenn ich dich von mir scheiden sehe." Schmule Kaketzer, der sich verpflichtet fühlte, auch sein Scherflein beizutragen, und der sich noch dazu große

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