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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 178

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 178 (sequence 18)
Language
German
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178 Jllustr. Monatsh. für die gef. düng war gar nicht nöthig. Auch wenn der Herr Blumenthal sich anders ausgesprochen hätte, ich hätte doch nur gethan, was du willst; dein Wille ist mir genug. Nur Eins muß ich dich bitten, und dagegen wirst du nichts einzuwenden haben: Ich möchte die Barmizweh von Felix noch hier in meinem Hause haben; denn wenn ein Kind einmal aus dem Hause geht, dann kann man sich» mehr unter keinen Glaskasten stellen wie das Silbergeschirr, und es geht dann seinen eigenen Weg. Gott soll geben, cs soll alles zum Guten ausschlagen." Schweigend umarmten sich die Eheleute, und Löb Frank drückte Jentel mit einer Inbrunst an das Herz, wie er es gethan hatte, als er sie zum ersten mal in sein Haus eingeführt. Die Vorbereitungen für die Barmizweh und für den Eintritt ins Gymnasium wurden jetzt mit gleichem Eifer betrieben. Felix lernte „Tfillin" (die Gebetriemen) legen und nahm beim christlichen Schullehrer Unterricht in der dritten Elaste, weil er vor dem Eintritt ins Gymnasium aus dieser Elaste die Prüfung machen mußte. ^,,Der «Bocher» ist ein ganz braver Mensch", hatte sich Jentel Frank gesagt, „und alles, was zum Jüdischen gehört, hat er meinem Kind sehr gut beigebracht; aber vom Deutschen versteht er «nebech» (leider) selbst nichts und ein Schelm, der mehr gibt, als er hat." Darum hat sie dem Felix beim christlichen Schullehrer eine Privatstunde genommen. Felix hatte seine Hände voll zu thun. Vor allem mußte er täglich eine ganze Menge Aufgaben ausarbeiten, etwas ganz Neues für ihn, da er früher, außer bei der Schreibstunde in der Schule, niemals eine Feder angerührt hatte. Dann mußte er wieder beim jüdischen Lehrer eine „Barmizweh- Drofcheh" (Confirmationsrede) lernen, denn Löb Frank wollte sein Kind, bevor es in die Fremd' geht, noch „darschenen" (predigen) Höven. Ueberdies setzte Felix mit größtem Eifer seine geheime Lektüre des Neuen Testaments fort und verweilte oft länger dabei, als er sich gestatten durste, und endlich waren jetzt auch seine Zusammen¬ Jnteressen des Judenthums. künfte mit Gumpel wieder erneuert worden, und er hätte lieber noch etwas anderes versäumt, als seinen Freund Gumpel zu vernachlässigen. Daß den beiden Knaben nach längerer Trennung jetzt nichts im Wege stand und sie allen Bärl Lederers der Welt trotzen konnten, das ist so gekommen. Erstlich hatte der Schames, da Löb Frank für ihn ein' sehr einträgliches Haus war, sich der von Jentel Frank ausdrücklich gewünschten Annäherung nicht schnurstracks widersetzeu können. Dann mußte Gumpel ja auch lernen, „Tsillin" legen, da er sogar etwas älter war als Felix, und die beiden Knaben, die hierin zugleich unterrichtet wurden, hatten schon dadurch wieder Gelegenheit täglich zusammenznkommen. Endlich tröstete der Schumes sich und sein Weib damit, daß das Ganze nur noch kurze Zeit dauern wird, denn Felix wird studiren und wird daher bald abreiseu. So ging alles trefflich von statten, und mit Ausnahme von Bärl Lederer war alles zufrieden. Blos der Lehrer hätte zur Unzufriedenheit einige Ursache gehabt, da Felix außer ihm noch einen zweiten Lehrer hatte; aber er war nicht empfindlich und fühlte sich hierüber auch nicht beleidigt. Er war so vernünftig, sich zu sagen: „Wenn Felix wirklich studiren soll, so muß er einmal damit den Anfang machen", und daß er selbst ihm in dieser Richtung nicht viel leisten konnte, das wußte er nicht nur, sondern er gestand es sich auch, im Gegensatz zu jenen Lehrern, welche nur immer darauf los unterrichten, auch wenn sie von dem Gegenstände gar keine Kenntnis) haben; ja der Lehrer war sogar innerlich froh, daß ihm die Last der Sprachlehre, welche Jentel Frank ihm aufgebürdet hatte, nun wieder abgenommen war. Nur Eins machte ihm geheimen Kummer. Er fürchtete, Felix könne in der Folge von den Studenten verdorben werden. Felix hat fein Versprechen, vom Lesen des geheimnißvollen Buchs niemand zu sagen, so getreu erfüllt, daß er selbst gegen feinen Lehrer hierüber das tiefste Stillschweigen beobachtete, und die-

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