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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 177

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 177 (sequence 17)
Language
German
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Der Schlüssel. 177 menthal, welcher schon fürchtete, daß der Lehrer dem Knaben auch das Rechenbuch zum Memoriren übergeben habe. Er sollte sich aber sogleich überzeugen, daß seine Furcht in diesem Punkte ganz unbegründet war, denn mit seltener Naivetät fragte Felix: „Lernt man denn auch rechnen, wenn man Deutsch lernt?" „Weißt du das nicht, mein Kind?" sagte Herr Blumenthal, „Rechnen ist einer der nothwendigsten und nützlichsten Gegenstände in jeder Lage des Lebens. Was würde ich sein, wenn ich nicht rechnen gelernt hätte! Du weißt vielleicht nicht, wie viel zwei mal zwei auSmacht." ,,O ja, das weiß ich schon", sagte Felir, „aber wer braucht das zu lernen? Das weiß man ja ohnehin." „Mir scheint", sagte die lange Jittel, die ihren Mund nicht länger im Zaum halten konnte, „er kann nix und sein Lehrer kann auch nix", worauf ihr Jentel wieder einen vorwurfsvollen Blick zuwarf mit der Bemerkung: „Sein Lehrer sagt, er hat einen Kopf wie Aristotel." „Ja", begann jetzt Herr Blumenthal, „das läßt sich nicht leugnen, das Kind hat einen merkwürdigen Kopf, aber es ist in geistiger Beziehung ganz verwahrlost. Es liegt in ihm ein reicher Schatz vergraben, aber man muß denselben zu "heben verstehen. In dem Knaben steckt ein großer Mann, aber — wenn man ein Schloß aufsperren soll, so braucht man dazu einen passenden Schlüssel." „Wenzels Chochmeh (Weisheit)", lachte die lange Jittel, „da dazu brauch' einer erst extra von Wien herauszukommcn; das wissen wir hier auch. Mit was soll man das Schloß denn sonst aufsperren als wie mit einem Schlüssel." Es gehörte viel Muth dazu, das zu sagen, was sich die lange Jittel soeben unterfangen hatte. Den geehrten Gast im Hause von Löb Frank so zu beleidigen, das ist keine Kleinigkeit, und wenn sie es dennoch wagte, so that sie es nur in der sichern Ueberzeugung, daß sie sich hier etwas mehr herausnehmen darf als Hilberg's Jllustrirte Monatshefte. II, 3. — Tecembcr! jeder andere — hatte sie doch Felix vom Fieber curirt. Jentel Frank, welche über Jittel's Aeußerung sehr in Nerlegenheit versetzt wurde, sagte rasch: „Das versteht Ihr nicht; der Herr Blumenthal hat das ganz anders gemeint." „Was hat er gemeint?" fragte Felix. „Mein Kind", sagte Herr Blumenthal, „deine Acltern wissen schon, was ich gemeint habe, und einmal wirst du es auch wissen. Es gibt verschiedene Sachen, die für uns versperrt sind, und zu jedem Schloß gehört ein anderer Schlüssel!" So endigte dieses merkwürdige Examen, bei welchem Felix Proben seines Talents abgelegt und wonach über seine Zukunft entschieden wurde. Gumpel, der hei der ganzen Sache mit weitaufgerissenen Äugen dagestanden hatte, weil er gar nichts verstand von dem, was hier verhandelt wurde, war über die maßen froh, als die Prüfung ein Ende hatte, denn nun konnte er mit Felix wieder in dessen Stube zurückkehreu. Als die beiden Knaben sich entfernt hatten und wieder allein waren, sagte Felix zu Gumpel: „Wenn ich nur wissen könnt', was er mit dem Schlüssel gemeint hat?" Gumpel, der den Schlüssel ebenso nahm wie die lange Jittel, konnte ihm hierüber freilich keine Aufklärung geben; aber Felix wußte nicht, daß er selbst bereits seit längerer Zeit bemüht sei, den Schlüssel zu einem tief versiegelten Geheimniß zu finden. VI. Das B'nrlauben. Nachdem der Herr Blumenthal abgereist war, hatte Löb und Jentel Frank eine' wichtige Unterredung. Am Schluß derselben sagte Löb Frank zu seinem Weib: „Weißt du was, mein Kind, du brauchst über die Sach' kein Wort mehr zu verlieren. Ich Hab' dich nur nicht unterbrecheil wollen, und darum Hab' ich so ruhig alles angehört, was du gesagt hast. Du mllßt aber nicht meinen, daß ich dagegen bin, und deine ganze Begrünses. 12

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