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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 175

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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Der Schlüssel. 175 (die fünf Bücher Moses), ohne „Posseck" (die übrigen Theile-der Bibel)? Kennst du das alles answendig?" Diese Frage hätte Felix in der That in keine Verlegenheit gebracht, denn er wäre im Stande gewesen, sie zu bejahen, wenn nicht Jentel Frank nun wieder für ihn die Antwort übernommen hätte. „Weißt dn-was, mein Kind", sagte sie zu ihren: Manne, „ich mein', wir sollen Herrn Blumenthal nicht gar zu laug belästigen; auch ist es uns ja nicht um die Parade zu thun, sondern wir wollen wissen, wie wir mit dem Kind daran sind. Daß er «Gemoreh», «Chumesch» und ->Poßek» kann, daß hat dir der »Row» bisjetzt noch immer bestätigt; ich möcht' gern wissen, wie es mit den andern Gegenständen der Fall ist, die für die Welt gehören." „Wissen Sie was, mein Freund!* sagte Lob Frank, „ich misch' mich schon gar nicht hinein, prüfen Sie ihn, was Sie wollen." „Ihre Frau Gemahlin", sagte Herr Blumenthal, „hat ganz recht. Zwar was mich betrifft, so fällt es mir keineswegs zur Last, auch wenn ich einige Stunden zubriuge; denn erstens bin ich im allgemeinen ein Kinderfreund, besonders wenn die Kinder lebhaften Geistes sind; — Sie wissen ja, daß ich bei Schauenstein Erzieher gewesen, bevor ich Buchhalter wurde — und zweitens würde ich Ihnen gegenüber das gar nicht als Last empfinden, was mir unter andern Umständen auch eine solche wäre. Aber da Sie über die jüdischen Gegenstände vollkommen dem Urtheil des hiesigen Rabbiners vertrauen können, der, wie ich gestern gesehen halbe, ein sehr vernünftiger Mann ist, so wollen wir gleich sehen, wie es mit den deutschen Gegenständen steht. Sag' nur, mein Kind", wendete er sich hierauf an Felix, „was hast du gelernt?" „Sprachlehre und Rechtschreibung", erwiderte dieser. - . „Du weißt also, daß es in der Rechtschreibung Grundsätze gibt, und wie viele?" sagte Herr Blumenthal, um mit dieser Voraussetzung dem Knaben Muth zu machen. „Es sind drei Grundsätze", sagte Felix. „Erster Grundsatz . . " „Sage mir gleich den dritten", fiel ihm Herr Blumenthal ins Wort, „denn in dem einen sind eigentlich alle drei enthalten." Felix wunderte sich über diese merkwürdige Manier, die ihm ganz verkehrt schien; denn sein Lehrer hatte ihn die Sachen immer in der Ordnung, wie sie im Buche stehen, aufsagen lassen. Er zögerte eine Weile, während welcher er sich die zwei ersten Grundsätze in Gedanken aufsagte, und als Lob Frank, seinem Versprechen, sich nicht hineinzumischen, untreu, die Geduld verlor und fragte: „Was «präppelst» (flüsterst t du da in dir hinein wie Bärl Lederer, wenn er «Thillim» (Psalmen) sagt", war Felix gerade beim dritten Grundsatz angelangt; deshalb sagte er, anstatt die Frage des Vaters zu beantworten: „Dritter Grundsatz. Was man weder aus der guten Aussprache, noch aus der nächsten Abstammung erkennen kann, dabei richte man sich nach dein allgemeinen Schreibgebrauch." Herr Blumenthal nickte beifällig, und als Jentel, welche wie auf glühenden Kohlei: dagestanden, dies bemerkt hatte, sagte sie zu ihrem Manne: „Tu thust das Kind mit deinen Fragen nur abschrecken. Er weiß seine Sachen ganz feii: und muß sich nur eii: bissel besinnen, weil er das Prüfen nicht gewohnt ist." „Verstehst du den Grundsatz auch", fragte nun Herr Blumenthal weiter, „den du so hübsch aufgesagt hast?" „Warum soll ich ihn nicht verstehen?" fragte Felix entgegen. „Run sage mir", versetzte der Prüfende, „was verstehst du unter der guten Aussprache." „So wie Sie sprechen", antwortete Felix rasch. Herr Blumenthal lächelte über diese kindliche Schmeichelei und sagte: „Der Junge wird in der Welt gut fortkommen, denn er hat einen raschen Geist und weiß sich zu helfen." Jentel war über die maßen froh, und Löb Frank konnte ebenfalls sich nicht enthalten zu sagen: „Von dem

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