Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Bonim" (vier Söhne) hineinzustellen. Mechol Pradenik behauptete, das „Pschätel" ist Werth, daß man es im „Erez Jißrol" (Palästina) sagen darf. Mittlerweile waren die Nachmittagsstunden bedeutend vorwärts gerückt, und Bärl Lederer, der bis zu diesem Moment nur durch die negative Tugend des Schweigens geglänzt und während der Rede des Rabbiners, da er kein „Thillimel" (die Psalmen) bei sich hatte, selig geträumt hatte, fand es für gut, die Versammlung zu erinnern, daß es bereits „Sman minche" (Zeit zum Abendgebet) sei. Da fast die ganze „Khille" (Gemeinde) anwesend war, so wurde der Vorschlag des Hausherrn, anstatt in Schul zu gehen, hier im Hause „Minje" zu machen, als selbstverständlich angenommen. Nach „Minche" setzte man die Unterhaltung fort; Gawriele Stuffer und Reb Machel Weinfaß thaten wieder das Ihrige und man blieb in fröhlichster Stimmung beisammen, bis es dunkel wurde und man sich zerstreuen mußte, um die „Hawdoleh" zu machen, d. i. jener Segensspruch, den man dem scheidenden Sabbat nachsendet und womit man ihn in seiner Heiligkeit von der neubeginncnden Woche trennt. Während der allgemeinen Lustigkeit, die den ganzen Nachmittag hindurch währte, saßen zwei Knaben in einem abgesonderten Zimmer und schwelgten in der Freude des Wiederbeisammenseins nach langer Trennung. Sie schieden nicht früher, als bis die Dunkelheit hereinbrach und die ganze Gesellschaft auseinanderging, und Gumpel mußte das Versprechen geben, am nächsten Tage wiederzukommen, was er denn auch gern zusagte und ebenso gern des andern Tags erfüllte. Es war der Sonntag kaum herangebrochen, so waren die beiden Knaben schon wieder beisammen und unterhielten sich in derselben Stube, in der sie den gestrigen Nachmittag so freudig verlebt hatten. Was ihre Unterhaltung betraf, so war sie von der frühem Art und Weise freilich ganz verschieden. Da wurde nicht gesprungen, geklettert, in die Wette gelaufen oder gekämpft und gerungen, die Knaben hatten sich eben sehr verändert; sondern sie brachten die Zeit mit Gesprächen zu, wobei der Herr mit dein Augenglas den ergiebigsten Stoff lieferte. Jentel Frank hatte dem Tage vergnügt entgegengesehen, denn er sollte über ihre tiefste Herzensneigung entscheiden, deshalb traf sie so rasch als möglich schon am Vormittag zu der von ihrem Manne auf den Sonntag anberaumten Prüfling alle Anstalten. Nachdem Löb Frank und Herr Blumenthal gefrühstückt und einige geschäftliche Angelegenheiten besprochen und geordnet hatten, sagte Jentel: „Soll ich ihn jetzt Hereinrufen?" und als die beiden Männer dies bejahten, öffnete sie die Thüre zu dem Zimmer, in welchem die Knaben sich befanden, und rief: „Felix! Komm' herein, der Herr Blumenthal wird jetzt sehen, was dli gelernt hast." „Darf Gumpel auch dabei sein?" fragte Felix, und da die Mutter nichts dagegen einzuwenden hatte, gingen beide Knaben mit ihr hinüber in den improvisirten Prüfungssaal, wo die Prüfungscommission bereits versammelt war. „Willst du dich auch «verhören« (prüfen) lassen, Gumpel?" fragte Löb Frank. Gumpel wurde feuerrotst; die Frage verwirrte ihn so sehr, daß er im Augenblick den Sonntag Vormittag mit einem Donnerstag Nachmittag verwechselte, und wenn er noch etwas Besinnung behielt, so mußte er sie dazu verwendeil, um sich zu verwundern, daß der Mann mit der goldnen Brill' ihn „verhören" wolle ohne „Staberl" in der Hand; die Methode seines Lehrers hatte in ihm einen Begriff vom „Verhören" entwickelt, nach welchem das „Staberl" ein nothwendiger Bestandtheil desselben war. Er konnte auch Löb Frank's Frage vor Verwirrung gar nicht beantworten, aber Felix hat ihn auch dieser Mühe überhoben, indem er sagte: „Vater-Leben, die Mutter hat gesagt, Gumpel darf zuhören." „Nu", sagte Löb Frank, „schon gut; aber was kommst du herein ohne „Gemoreh" (Talmud), ohne „Chumesch"