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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 173

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 173 (sequence 13)
Language
German
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Der Schlüssel. 173 von dem geschrieben steht: «We-Jaikew isch tamm, joschev oholim» (und Jakob war ein einfältiger Mann, ein Zeltenbewohner). Es gibt zwar noch eine andere Art von «Tamm», und zwar den Tamm im gewöhnlichen Sinne, den einfältigen, d. h. dummen Menschen. Aber auch auf ihn paßt die gegenwärtige Erklärung ganz gut; denn auch er arbeitet wie ein «Chammer« (Esel) auf Befehl feines Herrn und macht somit nichts aus freier Wahl. Es bleibt ihm keine «Brereh» (Willensfreiheit), also hat auch er selbst keinen Genuß von seiner Arbeit, sondern nur sein Herr. In den «Medines» (Ländern), wo man die Menschen, weil sie z. B. eine schwarze Hautfarbe haben, als Sklaven behandelt, begeht man daher das größte Unrecht. Die «Awleh« (Unrecht), die man begeht, besteht darin, daß man diese Menschen zwingt, ihrer Bestimmung zuwider zu handeln, sowie wir «Awodim» (Knechte) waren in «Mizraim«, wo auch wir unsere Bestimmung nicht erfüllen gekonnt haben, weil wir von unsrer Arbeit keinen Genuß gehabt haben. Warum ich aber einen solchen «Ewed« (Sklaven) einen «Tamm« nenne, das geschieht darum: wären diese Sklaven nicht einfältig, so würden sie gegen ihre Dränger aufstehen und sich gegen sie erheben. Sie sind aber in diesem Unrecht erzogen und sind so einfältig, daß sie meinen, es muß so sein; sie sehen es selbst gar nicht ein, daß sie als Menschen eben solche Rechte haben wie ihre Herren." Während dieser Digression über die Sklavenfrage ließ sich jenes eigenthümliche Geräusch vernehmen, welches von schlafenden Personen herrührt. Die lange Jittel schien sich um die Bestimmung des Menschen und um die Sklaven ebenso wenig zu kümmern als Bärl Lederer, und beide trafen stillschweigend das Uebereinkommen, auf den zwei nebeneinanderstehenden Sesseln ruhige Nachbarschaft zu halten. Wahrscheinlich schien das Schnarchen der langen Jittel über jenes Maß von Ruhe hinauszugehen; gewiß war solches die Auffassung von Reb Machet Weinfaß, denn als der Rabbiner von dem Rechte sprach, welches mit dem Menschen geboren wird, rief Machel Weinfaß: „Schnarcht nicht so stark, Jittel! Reb Bär kann nicht schlafen über euch, ihr weckt ihn ja aus dem Schlaf auf." Nach diesem kleinen Intermezzo setzte der Rabbiner seine Erklärung fort: „Ich Hab' nur noch eine Mentchenklasse zu bezeichnen, die vierte nämlich, und diese entspricht, wenn man ihre Arbeit betrachtet, dem «Schenejedeolischol» (dem, der gar nicht zu fragen weiß). Wenn einer arbeitet, aber dasjenige, was er macht, sind lauter «Deworim betelim» (eitle Dinge), Narreschkeiten, die keinen Werth und keinen Genuß haben, weder für ihn selbst, noch für die andern Menschen, z. B. einer schnitzelt, oder er «täntelt» (tändelt) oder dergleichen, der ist von dem «Poil botel« (Müßiggänger) nicht viel verschieden, nur darin, daß er mit seiner «Melocheh» in einem fort «oiwer» ist (das Verbot Übertritt) auf «Bal tasch'chis» (du sollst nichts muthwillig verderben). Warum ich aber einen solchen Menschen einen «Schenejedeolischol» heiße, das geschieht darum, weil ein solcher Mensch über seine eigene Bestimmung gar nie nachgedacht hat, er hat sich die Frage nach der Bestimmung des Menschen gar nicht gestellt, er weiß nicht, um was es sich handelt, kurz er ist einer, der gar nicht zu fragen weiß. Die Moral von diesem «Pschat» (Erklärung) ist folgende. Der «Tamm« in dem Sinne von «Jaikew owine», das ist ein seltener Charakter-, das ist der wahre «Zadik, choßid weonow» (der Gerechte, Fromme und Demüthige). Trachtet daher, «Reboiße» (meine Herren), eure Beschäftigung so einzurichten, daß ihr selbst und die Welt davon eine «Noch» (Genuß) habt, und ihr werdet wahre «Chachomim» (Weise) sein." Ein drittes donnerndes „Schekoich" bewies dem Rabbiner, mit welchem Beifall seine Auseinandersetzung ausgenommen wurde. Hr. Blumenthal drückte ihm seine Hochachtung aus und bewunderte die geistreiche Manier, mit welcher es dem Rabbiner gelungen sei, die Nationalökonomie in die „Arboe

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