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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 171

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 171 (sequence 11)
Language
German
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Der Schlüssel. 171 sich bedanken, Herr Blumenthal", sagte Jentel Frank gegen ihren Gast gewendet. „Man kommt aus dein Lachen gar nicht heraus", sagte Herr Blumenthal, „die Herren sind wirklich sehr witzig!" „Sie werden sich aber im Theater in der Stadt doch besser unterhalten!" wars Reb Maier Wollhändler ein, der oft nach der Stadt kam und zeigen wollte, daß er von der Cultur beleckt sei. Als aber Herr Blumenthal versicherte, daß er sich hier ebenso gut und noch besser unterhalte, als wenn er den besten Komiker im Theater sähe, stieg der Werth von Gawriele Stuffer und Reb Machet Weinfaß, der ohnedies nicht gering angeschlagen wurde, gleich noch einmal so hoch. Für die beiden Männer selbst aber .war das schmeichelhafte Urtheil eines solchen Kenners Sporn genug, um ihrer Laune alle Zügel schießen zu lassen. Plötzlich rief Mechol Pradenik mit einer Stimme, die sich durch das lärmende Gewoge hindurch kräftig Bahn brach: „Schah! Der Row und die Nebezzin kommen!" Alles erhob sich vom Sitze, inan wich ehrerbietig zu beiden Seiten aus und bildete Spalier. Die Ankommenden wurden von Lob und Jentel Frank, sowie von Herrn Blumenthal, die ihnen entgegengingen, bewillkommt, und die üblichen Grüße, die wir bereits kennen, wurden gewechselt. Als der Rabbiner sah, daß durch seine Ankunft eine Art von Spannung in der Gesellschaft hervorgerufen worden, stand er von seinem Sitze, auf den ihn Lob Frank genöthigt hatte, auf und sagte: „Meine lieben Freunde! Ich bin sehr unzufrieden darüber, daß ihr euch meinethalben Gewalt anthun wollt. Die Lustigkeit war hier so groß, daß man sie in der ganzen Gasse bis zu meiner »Direh« (Wohnung) hinunter hören konnte, und jetzt bei meinem Eintritt ist es plötzlich still geworden. Ihr meint mir dadurch euere Achtung zu beweisen und «Umvock» (Ehre) anzuthun, und da ihr es gut meint, so danke ich euch dafür; ich bin aber nicht gekommen, um die allgemeine Unterhaltung zu stören, sondern an ihr theilzunehmen. Darum bitt' ich euch, seht mich ganz für euresgleichen an und fahrt in euerer Unterhaltung fort; ich bin von einem guten Spaß, wie ihn Reb Gawriele Stuffer zum besten gibt, auch ein «Bal Nene» (Liebhaber)." Ein allgemeines „Schekoich" (deine Kraft werde gestärkt) war der Dank der Versammlung für diese Anrede, und es war mindestens ebenso herzlich gemeint, wie wenn der „Row" eine gute „Droscheh" (Predigt) gehalten hätte. Gawriele Stuffer sagte: „Vor allem muß ich mich beim Rebbe für den unentgeltlichen «Chower» (Titel) bedanken, den ich jetzt bekommen Hab'; dafür werd' ich aber der »Rebbezin» drei Töpp Smete verehren! Mit diesen kann sich der „Ferscht" (Fürst) sein Kaffee machen lassen." „Das ist gar nicht nöthig, Reb Gawriel", sagte der Rabbiner, „Sie verdienen den «Cbower» ebenso gut wie jeder, der ihn hat; die Gabe, die Ihnen Gott gegeben hat, die Menschen nämlich bei allgemeinen „Simches" (freudigen Anlässen) zu unterhalten und zu belustigen, ist eine wahre Gottesgabe, um die der Mensch, der sie hat, wahrhaft zu beneiden ist; denn der Mensch bedarf auch der Freude. Ernst und Sorgen hat er im Jahr genug. Reb Gawriel, mein Wort, Sie haben den Chower!" Ein abermaliges „Schekoich" war der JubelauSbruch der ganzen Gesellschaft. Die Unterhaltung hatte aber trotz der einladenden Aufforderung des Rabbiners doch eine etwas ernstere Richtung genommen, denn da der Rabbiner mit Herrn Blumenthal sich unterhielt, so hörten die meisten dem Gespräch der beiden Männer aufmerksam zu, und nur wenige zogen es vor, ihre Privatplaudereien im Flüsterton fortzusetzen. Herr Blumenthal freute sich, in dem Rabbiner einen Mann kennen zu lernen, der auch dem Weltlichen nicht abgeneigt sei und der sich bei seinen Gemeindegliedern als ihresgleichen betrachte. Dadurch kam die Rede auf die Allsgleichung von Arbeit und Ge-

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