Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Jllustr. Monatsh. für die ges. So machten denn auch hier lechowed dem Oirech die beiden ihre Späße und Witze und versetzten die ganze Gesellschaft in die heiterste Stimmung. „Du bist heut' ganz besonders aufgeräumt", sagte der fröhliche Hauswirth, „du mußt diese Woch' ganz gute Geschäfte gemacht haben." „Ich tausch' mit Ihne, Reb Lob- Leben", erwiderte Gawriele, „ich bin übrigens zufrieden; wenigstens Hab' ich bei meinem Geschäft einen Tag in der Woch', wo ich immer gute Geschäfte' machen muß. Jeden Dienstag ist «Kitow», d. h. dock) nix anderes, als Dienstag sind die Kuh gut." „Sie trinken ja gar nicht", wendete sich die vergnügte Hausfrau an Reb Machet und hielt ihm einladend ein volles Glas hin. „Das werd' ich nicht ausschlagen", sagte Reb Machel, indem er sie von der Last des vollen Glases befreite, „ein Glas Wein verschmäh' ich nicht." „Das brauchst du nicht erst zu sagen, das weiß man so", ließen sich lachend mehrere Stimmen vernehmen; er aber versetzte darauf: „Ihr wißt aber nicht, warum? Es steht geschrieben: »ckajiu jLssaineeb l6>vnrv» (der Wein erfreut das Herz). Wieso erfreut der Wein das Herz? Das Herz ist eine Flamme, das weiß nur der, der eins hat. Ore Geizkrogen versteht das nicht. Eine Flamme muß man löschen. Zum Löschen braucht man aber" — „Wasser!" riefen mehrere Stimmen. „Falsch", berichtigte Reb Machet, „mit Wasser löscht man das gemeine Feuer, das Feuer aber, welches im Menschen brennt, muß man löschen mit Wein." „Was meinst du, Gawriele?" fragte der Hausherr wieder. „Ich mach' auch lieber die „Broche" (Segen) «Loire pri lmtzot'en» (dem Schöpfer des Weinstocks), als wie: «sebelmkel nibejeb bickn oroi» (dem Schöpfer, auf dessen Wort alles entstanden)." „Da sieht man, wie die Männer nix verstehen", kritisirte Estherl Scholetsetzerin, „und wie sie sich um nix wei- Interessen des Judenthums. ter bekümmern, wie um «sehre« (ihre) Mägen. Da dran aber denken sie nit, daß man ohne Wasser nit kochen kann, und daß sie ohne Wasser am Schabbes kein «Schotet» (eine Speise) hätten." „Wenn man Estherlen zuhört", versetzte Gawriele Stuffer, den Angriff abwehrend, „möcht' man meinen, sie macht das Schotet und die Kugel, und es hängt nur von ihr ab, ob die Kugel gerathen soll oder nicht?" „Und was denn?" fragte diese hierüber beleidigt, „efscher (vielleicht) nit? efscher machst du gar das Schotet?" „Das Schotet und die Kugel", erwiderte Gawriele Stuffer, „machen die «Melochem» (Engel), was herausgeh'n am «Roschheschoneh» (Neujahrstag) aus dem «Schoifer« (eine Art Posaune)." „Das Hab' ich auch noch nit gehört", sagte Estherl, „daß die Melochim das Schotet machen." Reb Löb Frank aber fragte: „Von wannen weißt dn das, Gawriele, daß die Melochim das Schotet und die Kugel machen?" „Weil geschrieben steht:" entgegnete dieser, „Lu luuleoü oebeci oisse iwbtsst 8cii6lieli68 (ein Engel macht keine zwei Verrichtungen)." „Und was ist noch da mehr?" fragte Mechol Pradenik. „Jetzt wirst du wissen, Mechol", antwortete Gawriele, wenn du willst dein' .Kopf aufinachen, und wenn dich einer wird fragen, warum und aus welchem Grund man nicht thut Schoifer blasen, wenn «Roschheschoneh» auf Schabbes «gefallt« (fällt); denn die Melochim, was von «Uizzebeiuborebliu« (der Name, gelobt sei er) sind bestimmt, das Schotet und die Kugel am Schabbes gerathen zu machen, haben an diesem Tag nicht Zeit, aus dem Schoifer herauszugehn." „Die Kugel gerath nach dem Oirech", sagte Estherl, welche mit der gehörten Argumentation nicht einverstanden war, und auf Herrn Blumenthal verstohlen hinüberblinzelnd, fragte sie die freundliche Hausfrau: „Nit wahr, Madame Jentel-Leben, Ihre Kugel ist dasmal nach Ihrem Oirech gerathen?" „Für dieses Compliment müssen Sie