Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judcnthums. War, um ein Verschwender zu sein, so wußte er doch sehr wohl, was sich gebührt und wann es Zeit ist, loszuschlagen. Um so mehr waren sie gespannt, den Gast von Lob Frank zu Hause von der weltlichen Seite kennen zu lernen. Ein Mensch, der so viel für Gott thut, sieht nicht danach aus, daß man seine Bekanntschaft nicht en möchte. -öb Frank hatte sich mit seinem Gast und seiner Familie kaum zu Tische gesetzt, und schon konnte die Thüre nicht still stehen, denn jeden Augenblick wurde ein anderes Geschenk gebracht. Der eine schickte eine Flasche Wein, der andere eine Torte, ein dritter schickte einen Teller mit presburger „Kücheln", ein vierter Zwieback, ein fünfter sehr fchönes Obst, der dies und jener jenes, wie es jedem am passendsten schien, aber alle „lechowed dem Oirech", d. h. dem Gast zu Ehren, worauf Jentel Frank, welche, weil sie sämmtliche Geschenke in Empfang nehmen mußte, nicht Zett, fand, ruhig bei Tische zu bleiben, regelmäßig mit den freundlichen Worten erwiderte: „Ich laß mich bedanken; die Aeltern oder die Herrenleut sollen zusprechen!" Diese Variation war nämlich darum nothwendig, weil manche Leute, entweder, weil sie zu arm waren, Dienstboten zu halten, oder weil sie hierdurch den Gast desto mehr zu ehren glaubten, die Geschenke durch die eigenen Kinder schickten. Auch der „Schames" und die „Schamestin" hatten ein Geschenk gesendet, und der es überbrachte, wer sollte es anders sein als Gumpel? Der Schames hielt sich keinen Dienstboten. Gumpel trat schüchtern ein und hielt den mit der Serviette zugedeckten Teller in den zitternden Händen. Er brachte das übliche: „das schicken die Aeltern «lechowed dem Oirech«" fast gar nicht heraus; fo ängstlich und beklommen war er, da er in die Stube eintrat, wo Löb Frank mit seinem Gast und Felix zu Tische saßen. Kaum hatte dieser ihn erblickt, so sprang er rasch vom Tische auf, eilte auf Gumpel zu und wollte statt der Mutter den Teller abnehmen. Hierbei traf es sich aber, daß die beiden Knaben in ihrer Aufregung sich ungeschickt benahmen und den Teller fallen ließen, der denn auch zu Scherben zerbrochen nebst einigen Stücken Bäckerei am Boden lag. Die beiden Knaben fingen an jämmerlich zu weinen. „Narren, was ihr seid", sagte Jentel Frank, „was weint ihr? Weil der Teller zerbrochen ist? Da hast du einen andern Teller, Gumpel, und sag', ich laß mich bedanken, die Aeltern sollen zusprechen." Gumpel nahm zwar mechanisch den ihm dargereichten Teller, der viel schöner war als der zerbrochene; aber die Knaben hörten doch nicht auf zu weinen und boten in diesem Meer von Freuden einen sonderbaren Contrast, aber für Jentel — ein wunderbar rührendes Bild; denn sie hatte mit schnellem Verstände die Situation überblickt; sie wußte jetzt auch, wie es kam, daß der Teller zu Boden gefallen, und indem sie die Knaben zu begütigen suchte, sagte sie: „Warum kommt ihr zwei jetzt so selten zusammen, ihr habt doch früher den ganzen Tag beieinander gesteckt?" Sie sagte absichtlich „selten" anstatt „gar nicht", was eigentlich viel richtiger gewesen wäre, um die Knaben glauben zu machen, sie wisse gar nichts von der gänzlichen Trennung. In Felix leuchtete es bei dieser Frage der Mutter auf, wie wenn nach einem heftigen Gewitter plötzlich der erste Sonnenstrahl wieder freundlich vom Himmel herunterlächelt. Nun gegen Gumpel gewendet, wiederholte Jentel ihre frühem Worte vom Zusprechen, fügte diesmal aber ausdrücklich hinzu: „Du kannst deinen Aeltern auch ausrichten, daß sie dich mitbringen sollen. Hörst du? Du komm' auch mit." Das Zusprechen ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Bald waren mehrere Zimmer, deren Flügelthüren weit geöffnet wurden, von Männern und Frauen, Jünglingen und Mädchen überfüllt. Jeder Ankommende begrüßte vor allem den Gast. Die Männer, welche dies am Vormittag in der Schul noch nicht erledigt hatten, gaben ihm die Hand mit dem üblichen