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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 167

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 Der Schlüssel. gut auch ein Goi (Christ) sein! ein Zweifel, welcher von Berech Krupp — der, wenn man ihm seine kurze Gestalt vorwarf, meinte, es sei besser, man habe ein Stücket Fuß zu wenig als ein Stücket Kopf — damit zurückgeschlagen wurde, daß ein Fremder, der in ein jüdisches Haus über Schabbes auf Besuch kommt, offenbar doch nur ein „Esrelit" sein kann. So ging das Kreuzfeuer der Vermnthungen und Meinungen hin und her, lind alles war gespannt auf den Schabbes, an welchem ihnen die nähere Bekanntschaft des Fremden bevorstand; denn bei den Juden besteht, namentlich in kleinern Gemeinden, noch die schöne Litte der Gastfreundschaft, daß ein Fremder gleichsam der ganzen Gemeinde als Gast angchört und als solcher von arm und reich und jung und alt begrüßt wird. Herzlicher Gruß, der sich in den schönen Worten:, „Scholem alechem!" d. h. Friede mit Euch! und in einem ehrlicheil Händedruck offenbart, wurde denn auch Herrn Blumenthal allenthalben zntheil, als er am Sabbat-Vormittag, nachdem man in Schul gerufen hatte, mit Köb Frank in die Synagoge eintrat und von diesem an seineil Sitz geleitet wurde, der ganz obenan gleich neben dem des Rabbiners war. Herr Blumenthal wurde init allen Ehren, die inan am Sabbat in der Synagoge ertheilt, in wahrhaft verschwenderischer Weise überhäuft. Vorerst verehrte man ihm die „Zoewehachnoße", d. i. das Herausheben und Wiedereinstellen der Thorarolle aus der und in die Bundeslade. Dann hatte er eine „Lie", d. i. eine Einladung, über die Thora, aus der ihm ein Abschnitt vorgelesen wurde, den Segen zu sprechen. Außerdem hatte man ihm die „Hagbeh", d. i. das Aufheben der Thorarolle, zuertheilt; dabei muß man sich mit der weit geöffneten Rolle so wenden, daß alle ihre Blicke auf die beschriebene Seite richten können, und Felir hatte die „Gelile", d. i. das Zusammenrollen lind Bekleiden der Thora. Endlich wurde Herrn Blumenthal auch die .„Psiche" zutheil, d. i. das Oeffnen der Bundeslade beim Schlußgesang: „Anim Semiroth", eine Hymne zum Kobe der Gottheit. Solche Auszeichnungen widerfahren nicht einem jeden; denn schon eine derselben reicht eigentlich hin, um einem Fremden die gebührende Achtung zu beweisen; aber Moische „Gabeh" (Kassirer) ist fürwahr kein Narr und weiß, was er thut. Wenn er die genannten Auszeichnungen gar nicht ausrusen ließ, so wußte er bei sich ganz gut, warum. Dieser Herr Blumenthal, dachte er, ist reich und er wird mit seinem „Schnodern" (Geschenken) der „Zdokekasse" mehr eintragen, als wenn ich ausrusen lasse. Darin hat er sich auch wirklich nicht getäuscht. Wie der „Chasen" (Schulsänger) sein „Jaimod" gerufen hat, sagt Schloime Klatschkopf: „Das heißt sich einen Riß gegeben!" Mechol Pradenik aber sagt dagegen: „Der Chasen darf sich anstrengen, der «Mechliten» (Schwieger) wird wirklich auch kein Hund sein. Gebt Obacht aus die ^Mischeberechen» (die Segenssprüche, bei denen die Geschenke gemacht werden)." „Nu, hast du gehört den Trenn?" sagt er jetzt, nachdem der erste Achtzehnpsünder in die Luft geflogen. „Das war eine Bombe, solche «Chat sehnwim kesses» (achtzehn Gulden Silber) auf einmal, die geben gleich was aus"; als aber diese Kanonade mit lauter festem Geschütz von dem genannten Kaliber sich sortsetzte, da schwur Löbele Rekrüt — so genannt, weil er zum Militär abgeführt, bisher aber immer noch auf Urlaub zu Hause geblieben war — daß dieser Buchhalter der tüchtigste „Artollerie-General" sei, den er in der ganzen Armee kenne, und daß einer solchen Kanonade gewiß keine belagerte Festung widerstehen könnte. Er sagte dies mit jenem imponirenden Ton, welchen in der Regel ein Fachmann dem Kaien gegenüber anschlügt, weil dieser mit seinem beschränkten llnterthanenverstande doch von der Sache eigentlich nichts versteht. So hatten sie alle den Hrn. Blumentbal in ^-chul gleich von seiner besten Seite kennen gelernt, denn er 'war kein Knauser; und wenn er auch ein viel zu praktischer Geschäftsmann

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