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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 162

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 Jllustr. Monatsh. für die gef. thätigkeit wegen, dann auch, weil er ein großer „Takif" (von großem Einfluß) war, allgemeine Achtung, und er hätte die Stelle auch angenommen, wenn ihn seine großen Handelsbeziehungen, die si weit hinaus erstreckten und die ihn oft wochenlang vom Hause fern hielten, an der Annahme nicht gehindert haben würden. „Ich kann mich persönlich mit den Gemeindeangelegenheiten wenig befassen", sagte er, „die Gemeinde würde nur darunter leiden, wenn ich die Würde annehme. Wählt einen andern, der mehr Zeit hat, und wenn Geld oder sonst etwas beim Amt zu richten nöthig ist, werdet ihr mich immer bereit finden, und es ist ganz gleichgültig, ob ich «Roschhekohl« (Vorsteher) bin, oder nicht." Dieselben Angelegenheiten, welche ihn hinderten, die ihm angebotene Ehrenstelle anzunehmen, bestimmten ihn auch, in seinem eignen Hause die oberste Leitung seiner Frau Jentel unumschränkt zu überlassen, und er that dies mit um so größerer Beruhigung, als er wußte, was Jentel für ein feiner Kopf ist, und wie er sich in allen Stücken aus sie verlassen kann. Das Haus von Löb Frank war denn auch ein Muster von Ordnung, und drinnen blühte das schönste Glück der Aeltern, Felix, der einzige Sohn, der auf dieser Welt ihre größte Freude ausmachte. Auffallend ist hierbei der " Umstand, daß die Aeltern, welche doch, wenn Löb Frank z. B. von einer größer» Geschäftsreise zurückgekommen war, vieles miteinander zu verabreden hatten, über dieses höchste Glück, das ihnen in ihrem Sohne erblühte, niemals ein Wort gewechselt, sondern daß jedes von ihnen dieses Glück für sich still genoß. Auffallend ist dies jedoch nur scheinbar; nur eilte oberflächliche Bcurtheilung hätte in diesem Schweigen etwa Gleichgültigkeit vermachen können; in Wahrheit aber war dieses Schweigen sehr beredt und hatte seine triftigen Gründe. Löb Frank seinerseits dachte als praktischer Mann also: Jeder Mensch ist so, wie ihn Gott gemacht hat, und was Gott nicht schon im Mutterleib in die künftige Geburt hineingelegt hat, Interessen des Judenthums. das liegt auch nicht drinnen und kommt in den Menschen sein ganzes Leben lang nicht hinein. Ich danke Gott, daß Felix ein aufgeweckter Geist ist, er wird sich in jeder Lage des Lebens zurechtfinden können; ich danke Gott aber noch mehr dafür, daß der Knabe ein gutes Herz hat, denn das gibt mir die Beruhigung, daß er seinen Kopf nicht dazu anwcnden wird, Schwindeleien und Betrügereien zu ersinnen, sondern daß er ein redlicher Mensch werden wird, wie Gott und die Welt es haben will. Was der Junge werden soll, darüber brauche ich mir gar -keine Sorgen zu machen. Im allgemeinen ist es ganz gleichgültig, was ein Mensch wird, denn es kommt immer darauf an, was er ist, bevor er etwas wird. Wären wir Juden hier emancipirt und könnte der Jude wählen, so stünd' meinem Felix die ganze Welt offen; das ist nun aber nicht der Fall, darum ist meine Ueberzeugung, daß der Jude am gescheitesten handelt, wenn er etwas Praktisches ergreift, wobei ihm seine Religion nicht im Wege steht. Wenn Felix dasselbe wird, was ich bin, wäre das Beste; er sollte eigentlich dasselbe werden, was sein Vater ist; ich lebe glücklich und vergnügt, und will's Gott, könnt' er das Geschäft einmal ebenso groß oder noch größer führen, .als ich es führe. Seine Mutter meint aber, er soll studircn. Ich seh' zwar nicht ein, was ihm als Juden offen steht? Ein Advocat, ein Beamter, ein Professor und alles das — kann er nicht werden, bleibt also die Mcdicin. Und was bringt er mit der Medicin heraus? Was braucht er sich zu plagen für andre? Das ist aber nur meine Meinung. Jentel indessen ist gescheiter, als ich bin, und wenn sie will, daß Felix durchaus studiren soll, so werd' ich ihn studiren lassen. Dies war wirklich Jentel's Lieblingswunsch. Nicht daß sie über Erziehung von Löb Frank's Ansichten wesentlich verschiedene gehabt hätte, nein, sie wollte aber: Felix soll etwas anderes werden als!die andern. Sie hat sich damals, als!es sich um den deutschen Namen handelte, über diesen Punkt etwas schroff.

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