Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 150 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Die Judenfrage in Ungarn im allgemeinen hat bereits eine ziemlich beträchtliche Literatur aufzuweisen. Wir wünschten, es fände dieselbe in diesen Briefen ihren endgiltigen Abschluß! Raab, im Oct. 1865. Erster Brief. Bihar, 15. Aug. 1865. Ein hell leuchtender Lichtstrahl durchzuckt mächtig den seit lange dichtumwölkten politischen Horizont unserer geliebten Heimat. Die Wiedereinberufung des ungarischen Landtags ist für die nächste Zukunft schon in bestimmte Aussicht gestellt. Die Nation erhält wieder den rechtmäßigen Boden konstitutioneller Thätigkeit, der ihr seit Jahren mangelte. Der Landtag des Jahres l8«il, dem mit so vieler Sehnsucht entgegengesehen wurde, er ist infolge der damaligen ungünstigen politischen Constellationen leider vollends rcsultatlos geblieben. Seitdem haben beide Theile der österreichischen Monarchie heiße, sehr heiße Tage durchlebt; rascher denn je haben die glühenden Sonnenstrahlen hier und dort Ideen zur Reife gelangen lassen, die allem Anschein nach auf eine glückliche, endgültige Lösung aller staatsrechtlichen Fragen dieses Kaiserthums in entschieden mistiger Weise einwirken dürften. Der evorstehende Landtag wird mithin sämmtliche streitende Parteien ziemlich vorbereitet finden; möge der praktische Erfolg unscrm aufrichtig patriotischen Willen in erwünschtem Maße entsprechen! . . Dies ungefähr der Hauptinhalt, die Quintessenz Ihrer geschätzten Zuschrift vom 8. d. M., mit der Sie mich gelegenheitlich der freundlichen Uebermittelung der Hierlands epochemachenden Eötvös'schen Schrift „Die Nation alitäten-Frage" erfreuet haben. Sie sehen, geschätzer Freund, anstatt Ihr Schreiben sofort zu beantworten, habe ich dasselbe gleichsam unbewußt fast wörtlich reproducirt; ein Beweis, wie sehr Ihr patriotischer Freudenruf in meinem Herzen mächtigen Widerhall gefunden. Sie ersuchen mich, über die in erwähnter Schrift geäußerten Ideen Ihnen meine bescheidene Ansicht unumwunden mitzutheilen. Ich komme Ihrem geehrten Verlangen um so bereitwilliger nach, da mir hierdurch Gelegenheit geboten wird, einen Gegenstand zu berühren, wichtig genug, jeden treuen Sohn Ungarns gründlich zu interessiren und auf dessen günstige Austragung nach Kräften einzuwirken. Wol hat die Last der Jahre meine Kräfte zu sehr lahmgelegt, als daß ich in mir noch ernstlich die Lust verspüren könnte, mit den mannichfachen, einander durchkreuzenden politischen Fragen unsers Vaterlandes in selbständig eingreifender Weise mich zu beschäftigen. Das Terrain bereitwilligst jünger n Kräften überlassend, habe ich mich in neuerer Zeit von jeder und aller Thätigkeit auf diesem Gebiet zurückgezogen. Trotzdem bin ich für das Wohl und Wehe unserer Heimat auch heute nicht minder empfänglich, als dies bei mir in früher» Jahren der Fall gewesen. Ich habe denn auch nie aufgehört, die Angelegenheiten des theuern Vaterlandes in allen Phasen seines Entwickelungsprocesses, in seinem Erheben und Fallen, in leinem Steigen und Sinken, mit aufmerksamem Auge zu verfolgen. Um so eher bin ich daher bereit, bei der dermaligen.günstiger» Strömung unserer politischen Verhältnisse diesen mein Augenmerk beurtheilend und prüfend zuzuwenden. Die Schrift „Die Nationalitäten- Frage" enthält im allgemeinen nicht sonderlich viel Neues. Dieser Umstand gehört indeß nicht zu den letzten Vorzügen einer politischen Arbeit, die eigentlich in erster Linie den Willen, die Wünsche, die Gesinnungen, die Entschlüsse der Landesmajorität zum Ausdruck gelangen lassen sollte, die, mit Einem Worte, die öffentliche Meinung treu und unverfälscht repräsentiren will. Neu in diesem Opus ist blos der unvergleichlich milde Ton, der aus die stürmisch aufgeregten Gemüther beschwichtigend, versöhnend einwirkt; neu ist ferner die genaue und bestimmte Präcision jener Prämissen, von deren Berücksichtigung und Würdigung die