Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 145 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefwechsel zwischen Rahel und David Veit. 145 ist verschwunden, aber nur der uninteressante, der gleichsam vorbereitende Theil; man verwundert sich nicht mehr über die seltsame Wendung, welche der AuSgang nimmt, aber wol über sich selbst, daß man diesen in der Sache gegründeten Ausgang nicht habe einsehen können, und mail wundert sich so lange bis man belehrt ist, bis man besser geworden ist." Das alles, was Veit hier sagt, ist so wahr, wie: zweimal zwei ist vier! und wäre dem nicht so, so hätte in der That die größte dichterische Composition kein anderes Interesse als ein Räthsel. Wenn man die Lösung einmal kennt, kümmert man sich weiter nicht darum. Wer möchte dann auch im Stande sein, ein Gedicht zweimal zu lesen? Das Interesse des Kunstwerks liegt aber in der Durchführung, in den Details, und diese kann man immer aufs neue bewundern. AnS Göttingen (1l. Nov.) entwirft Veit das Porträt einer Demoiselle Mendel und sagt unter anderm: „...weiß erstaunend viel, ist gar nicht stolz darauf, erstaunend lebhaft, übertrieben lustig ohne allen Witz, mit Geschmack für Witz und ohne die Begierde, witzig sein zu wollen; vollkommen unbefangen (sie hat nie mit Frauenzimmern ihres Alters Umgang gehabt), ungemein folgsam der Mutter, voll Risches; sie kann Nathan den Weisen nicht leiden, weil er ein Jude ist; das meint sie in vollem Ernst; sie hat einigermaßen" u. s. w. In seinein nächsten Briefe (27. Nov.) findet sich eine köstliche Bemerkung: „... denn wahrhaftig, die Menschen, welche volles Vertrauen in uns setzen, sind einem nicht darum so viel Werth, weil sie der Eitelkeit schmeicheln, weit sie politisch nützlich werden, o nein! Hauptsächlich wol, weil das Vergnügen der Menschen, sich mitzntheilen, nur da seine eigentliche Kraft äußern kann, wo man sich ganz mittheilt; nur wo man der Wirkung eines jeden seiner Worte gewiß ist, da spricht man gewiß auch kein Wort vergebens aus." Nach einer Reise von Hannover zurückgekehrt, entwirft er in einem Briefe aus Göttingen (16. Jan. 1794) eine Hilberg's JUustrirte Monatshefte. II, 2. — November Schilderung der Hannoveraner Juden und gibt ein äußerst ergötzliches Porträt von Philippsohn: „... Der Philippsohn, von welchem Sie vielleicht schon einmal gehört haben, ist eine für mich lächerliche, für Sie ganz unausstehliche Creatur; ein Mensch, der mich mit der Reformation der Juden in Berlin und mit Friedländer unterhielt, sehr häßlich ist, beständig über drückende Geschäfte klagt, einen jüdischen, belehrenden, affeetirten Ton im Munde führt. Griechisch und Lateinisch, vielleicht auch drei neuere Sprachen zu wissen scheint, mit Phrasen aus „Nathan dein Weisen" um sich wirft vor Verzweiflung über den Tod seiner Braut, die schnell an der galoppirenden Schwindsucht starb, durchaus nicht mehr heirathen wollte und kurze Zeit darauf eine junge Person geheirathet hat, die kokettirt, ohne hübsch zu sein, die er von Jugend auf kennt, und die mir viel von «Don Carlos oder dem steinernen Gast » erzählt hat, ungeachtet man täglich in ihrer Stube einen Mann findet, der Geographie, Geschichte und Physik zugleich lehrt. Soll ich den Beschluß recht glänzend machen? In der Stube selbst sieht es schmiericht aus. Auf jedem Schreibespint dicker Staub, sonst hat Hannover den Ruf für sehr reinlich, und die dortigen Frauenzimmer schelten die Berlinerinnen schmuzig." In einem Briefe aus Göttingen (7. Febr.) findet sich eine Stelle, welche als eines von Veit's sittlichen Principien Interesse hat. Wir erfahren daraus, wie Veit sich zu dem biblischen Satze: „Du sollst dich nicht rächen", lind zu der evangelischen Potenzirung dieses Gebots: „Gibt dir jemand einen Schlag auf die eine Wange, so halte die andere auch hin", verhält. Er schreibt: „Handelt jemand in irgendeiner Sache feindselig gegen mich, so suche ich das Nebel abzuwenden. Sagt mir einer in einer Gesellschaft: «das war dumm«, so verdrießt es mich, insofern ich dadurch von der allgemeinen Achtung, also Vortheil und Vergnügen verliere, und der kann sicher sein, daß ich mich grimmig räche; ich warte, bis ich kalten Bluts bin, und dann brate ich 1865. 10