Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 144 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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144 Jllustr. Monatsh. für die gef. großes Compliment gemacht als Herder." Schon aus dieser einen Wendung sieht man den originellen Geist. Ganz frei von Schwächen ist er freilich nicht. Von Leipzig aus (9. Oct. 1793) übersendet er der Rahel ein Gedicht unter dem Titel „Liebe und Ruhe", welches, gelinde gesagt, eine Lappalie ist. Veit kann aber dem Kitzel nicht widerstehen, von der Nahe! als Dichter anerkannt zu werden. Er schreibt: „Sie glauben mir, wenn ich Ihnen sage, daß ich über meine eigenen Sachen nicht urtheilen kann. Vor der Hand halte ich die Verse für fließend, und ich glaube nun einen Begriff von dem zu haben, was in einen: Menschen vorgeht, der ein Gedicht macht." Wie pompös, wie aufgebläht über ein Schuljungenproduct! Als ich die Stelle las, freute ich mich schon aus die Antwort der Rahel, denn ich erwartete, daß sie ihm tüchtig den Text lesen würde, um ihn von solcher Albernheit zu befreien; aber siehe da, gleich am nächsten Tage (10. Oct.) schreibt sie ihm Antwort: „Ihre kleine «Ruhe und Liebe» hat mir überaus und über alle Maßen gefallen," und nun läßt sich die gute Person in eine Analyse des Gedichtchcns ein, als ob es sich in Wahrheit um ein Kunstproduct handelte. Hier ist sie ganz weibisch. Noch eher verzeihe ich Veit die Eitelkeit, sich für einen Dichter zu halten, als der Rahel den Umstand, ihn darin zu bestärken. Wenn wir ihr aber dies übel nehmen, so können wir doch nicht verschweigen, daß ihre Anmerkungen über das Gedicht jedenfalls mehr Werth sind als das Gedicht selbst, und wenn hinwiederum etwas im Stande ist, uns mit Veit's Dichtereitelkeit zu versöhnen, so ist es dies, daß sein sogenanntes Gedicht einem scharfen Kopfe zu allerlei geistreichen Bemerkungen Veranlassung gibt. So schreibt sie z. B.: „Welchen Wustes —!! — von Erklärungen, Jnconsequenzen, Misverständnissen, Nichtverstehungen, falsch beurtheilen, langsam-verstehen, und vorauszusetzender Voraussetzungen, bin ich bei Ihnen überhoben! WelcherLangeweile, welcher Geduld, welcher Verschweigungen aller nur ungemeinen Ideen! Sie können! Interessen des Judenthums. schließen, das denk ich, also kann ich doch unmöglich nicht auch dies denken; aber solche Art von Gedanken scheint den unangegriffenen Gehirnen der andern ganz unverdaulich, und sie thun wirklich nichts, als mich immer sehr ermüden. Wenn man bei mir nicht rathen kann (oder nennen Sie's schließen), so bin ich immer verloren." Diese Anmerkung allein ist Entschädigung genug. Veit weiß aber diese Dinge auch zu schätzen. In seinem Schreiben aus Göttingen (24. Oct.) lesen wir: „Ihre Anmerkungen beweisen, vielmehr bestätigen nur eine große Menge großer Sachen; unter andern, daß Sie in der Kunst des Homer und Goethe ein Raphael (klingt komisch) ohne Hände geboren sind; denn was ist dem Dichter die Sprachkenntniß, oder vielmehr die Sprachfertigkeit, denn diese mangelt Ihnen eigentlich, anders als dem "Maler die Hand?" Hier haben wir zugleich ein schönes Beispiel seiner Offenheit, denn in der That ist der Stil der Rahel ebenso holperig als originell und ebenso ungrammatikalisch als geistreich. Eine Stelle über das Wesen der Ueder rasch ung aus diesem Briefe können wir unfern Lesern nicht vorenthalten. Sie lautet: „Ist die Ueberraschung nur von der Art, daß wir statt der erwarteten Sache, aus ebenso wahrscheinlichen Gründen, eine andere erfolgen sehen, so macht sie uns blos das Vergnügen, welches der Contrast, oder höchstens, welches die Entdeckung eines Talents gewährt; dieses Vergnügen verschwindet bei wiederholter Durchlesung. Wenn mir aber die Ueberraschung zeigt, daß mein gewohnter Jdeengang ein oberflächliches Reisen, ein übereiltes Lausen war, daß hier langsame Schritte zu machen sind, dann ist das Vergnügen von Nutzen, von Bedeutung. Zum zweiten mal liest man den Dichter (ich rede ganz allgemein*) präparirt und nachdenkend; ein Theil der Ueberraschung Merkt der Leser, wie hier Veit in diese Allgemeinheit sich selbst als speciellen Fall > klug hineinversteckt?