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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 143

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 143 (sequence 63)
Language
German
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Briefwechsel zwischen Rahel und David Veit. 143 Dies mußte freilich später mit der zunehmenden ärztlichen Thätigkeit aufhören. Sein eifriger Besuch der französischen Krankenhäuser während der russischen Belagerung brachte ihm den frühzeitigen Tod. Durch ein bösartiges Fieber angesteckt, starb er am 15. Febr. 1814. Die Korrespondenz beginnt also mit dem Jahre, wo er, von Berlin Abschied nehmend, die Universität Göttingen bezieht, und dauert bis kurz vor seinem Tode. Wenn man die Skizze, die wir vom Leben David Veit's gegeben, überblickt, so fragt man sich vielleicht, was ist an dem Manne Außerordentliches? Was, das ihn unserer nähern Betrachtung Werth machte? Mit Recht sagt aber Varnhagen: „Gäbe es in der Welt blos diejenigen Talente und Bedeutsamkeiten, welche sich unmittelbar im Glanz der Oeffentlichkeit darstellen und hier zn Namen und Ruf gelangen, so wäre der Lebensinhalt auch der Zeiten, die scheinbar die reichsten sind, doch nur für genug und armselig zu halten. Wenn wir aber betrachten, wie sehr in jenem Betreff das Spiel des Zufalls zn walten scheint und ganz achtlos bald Geringeres an das Licht hebt, bald das Werthvollste im Dunkel hält, so gewinnen wir die tröstliche Ueberzeugung, daß die Welt viel reicher ist, als ihre jedesmalige Außenseite zu erkennen gibt. Nichts kann uns wehren, sogar vorauszusetzen, daß neben dem Größten und Besten, welches wir sehen, noch ebendergleichen zahlreicher im Verborgenen weilt und uns darum nicht minder zum Gewinn lebt. Tritt nun früh oder spät aus dieser unbekannten Größe als Zeugniß ihrer Wirklichkeit irgendein neues Bild hervor mit dein erkennbaren Gepräge aller der Möglichkeiten, in welchen dasselbe hätte gelten können, so drängt sich uns ein Gefühl heiterer und erhebender Befriedigung auf, dem vergleichbar, welches ein Reicher empfindet, der seine zu Tage geförderten Schätze doch nur als einen Theil derer weiß, die unerforscht und unberechenbar im Dunkel liegen." Das sind goldene Worte, und der Leser wird bereits errathen haben, daß der Name David Veit es war, welcher dem scharfblickenden Manne zu dieser Betrachtung Anlaß gab, denn in der Thal, das äußere Leben Veit's bietet nichts Besonderes. Wir sehen ihn als Studenten auf mehreren deutschen Universitäten, dann einige Zeit in Paris und endlich in Hamburg als sich aufopfernden Arzt. Aber welche innere Welt in dem Gemüth dieses Mannes lebte, welche Gedanken, Anschauungen und Urtheile über Welt und Menschen, über Kunst und Wissenschaft sich in ihm entwickelten, und wie er, seine Beobachtungen immer selbständig verarbeitend, sich seine Gedanken- und Gemüthswelt aufbaut, das ersehen wir aus dem vorliegenden Briefwechsel mit der Rahel. Vom ersten bis zum letzten Briefe, welche Entwickelung, welche Klärung und Läuterung! Wir können uns das Vergnügen nicht versagen, einzelne Proben aus diesem, der reinsten Unbefangenheit und Wahrheitsliebe entspringenden Gedankenaustausch hierherzusetzen, möchten aber unsere Leser, wenn wir mit unserer Mahnung nicht überhaupt schon zu spät kommen, erinnern, sich mit diesen Fragmenten keineswegs zu begnügen, da wir nur sehr sparsam auswühlen können, und den interessanten Briefwechsel lieber gleich selbst zur Hand zu nehmen. Aus Gotha (20. März 1793) schildert er seinen Besuch bei Goethe. Unter anderm sagt er: „Der Mann hat nicht unrecht, wenn ihm mies ist." — „Sie (die Aufnahme) war ganz so, wie ich sie erwartet hätte, wenn mir noch kein Mensch von Goethe erzählt Hütte." Bei diesem originellen Urtheil hat der Briefschreiber Zeit, den saloppen Stil zu bemerken, und schließt deshalb folgende Worte in Klammern ein: „Ich sehe eben die doppelten hätte; Sie müssen das nicht übel nehmen, ich bin" u. s. w. An einer weitern Stelle heißt es: „Goethe hat jetzt keine juristischen Geschäfte mehr; als Amt hat er das Departement der Gnadenerzeigung (keine emzoe, der wirkliche Name) sich selbst gewählt." Ueber Herder schreibt er in demselben Briefe: „Noch hat kein Mensch meinen Vorurtheilen ein so

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