Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 142 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Judenthum zu einer neuen Stufe gelangt. „Es war ein Leben von gediegenem Kern, wenn auch hier und da der Stoff als spröde erscheint." In Babylonien hatte sich viel Neues entwickelt, selbst in den gesetzlichen Discussionen zeigt sich ein scharfer zersetzender Verstand, sodaß durch deren Sammlung, die sich unter dem Namen Gemara, d. h. Lernen, Erschließen, an die Mischna anschloß, das Judenthum eine neue Lebenskraft erhielt. Unterdeß brach das Römische Reich immer mehr zusammen, das Christenthum hob sich empor, aber auch dieses konnte ihm keine neue Stütze bieten; die Fluten der Völkerwanderung schwemmten es weg, und die Kirche war nun die Trägerin der kümmerlichen Bildung. Jetzt brach für das Judenthum eine traurige Zeit ein; die Kirchenversammlungen organisirten die völlige Abschließung von den Juden. Es „paarte sich die Roheit der Völker mit der raffinirtesten Gehässigkeit einer Religion, die es einer andern nicht verzeihen konnte, daß sie noch immer existirte und unter den Lebenden weilte, während sie behauptete, sie längst aufgezehrt zu haben. So schien es, als sollte die Menschheit der Barbarei gänzlich verfallen. Doch der Geist der Menschheit schläft nie ganz, wenn auch ein Theil derselben erschlafft; wenn er hier mühsam einherkeucht unter den riesenhoch aufgethürmten Schwierigkeiten, rafft er sich anderswo auf mit einer ungeahnten Energie. Da tagt es denn mit einem mal in einem Volk, auf dem der Blick noch nie geruht, das man bisher unbeachtet gelassen hat. Ein neuer Factor trat in die Menscheit ein, der mehrere Jahrhunderte lang die Leuchte vorantrug: es war das Araberthum." Nehemias Brüll. MettmchM zwischen Nahes und David Veit. (Aus dem Nachlaß Varnhagen's von Ense, 2 Bde., Leipzig, Brockhaus, 1861.) Wie am Sternenhimmel, so gibt es in der Menschenwelt Sonnen, Planeten, Kometen u. s. w., Menschen, welche, im Mittelpunkt eines Kreises stehend, alles um sich her durch das Gesetz der Gedankengravitation anziehen und beherrschen und durch den Glanz und da-ch Feuer ihres Gemüths beleuchten und erwärmen. Rahel war eine solche Menschensonne. In der „Galerie von Bildnissen aus Rahel's Umgang und Briefwechsel" hat ihr Gatte, der geistvolle und stilistisch musterhafte Varnhagen von Ense, die Planeten gezeichnet, welche in engern und weitern Kreisen um dieselbe ihre Rotationen vollendeten. David Veit war einer von diesen Planeten, und sein geistiges Verhältniß zur Rahel drückt sich am schönsten und klarsten aus in dem hier angezeigten Briefwechsel, der wol schon vor vier Jahren heransgegeben wurde und heute keineswegs mehr als eine literarische Novität betrachtet werden kann, auf den wir aber seiner Bedeutung halber zurückzukommen nicht vernachlässigen wollen, besonders in diesen Blättern, da dieselben, erst seit April 1805 bestehend, das Buch zur Zeit des Erscheinens im Buchhandel aus leicht begreiflichen Gründen nicht berücksichtigen konnten. Der Briefwechsel beginnt den 20. März 1793 und währt bis zum 20. April 1811, umfaßt also einen Zeitraum von mehr als achtzehn Jahren. Veit, welcher den 8. Nov. 1771 zu Breslau geboren war, bezog im Jahre 1793 die Universität Göttingen, besuchte dann Jena, wurde in Halle Doctor der Medicin, machte dann mit Abraham Mendelssohn eine Reise nach Paris, wo er mit Rodrigues, dem Vater der Saint-Simonisten Olinde Nodrigues, vertrauten Umgang pflog. Später ließ er sich, durch zufällige Umstände bestimmt, in Hamburg nieder, wo er nach Besiegung manchen Vorurtheils gegen seine Religion zum Armenarzt erwählt wurde. Hier hielt Veit vor einem Kreise gewählter Zuhörer Vorlesungen über Anthropologie, schrieb Aufsätze, welche, trotzdem sie seinem eigentlichen Berus fernab lagen, wie Theaterkritiken, von Varnhagen als vorzüglich erklärt werden. „Es waren oft Meisterstücke darunter."