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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 139

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 139 (sequence 59)
Language
German
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Das Judenthum und seine Geschichte. 139 und geduldet, svuderu was es geschaffen und gefördert hat, das bildet hier den Vordergrund und die Glanzseite seiner Geschichte; wie seine Führer, die Träger seiner Lehre im Dienst der Nation und der Menschheit gewirkt, was sie für die Läuterung und Wahrung ihrer Lehre, für die Förderung der Cultur, der Wahrheit und der Freiheit, für die Vertiefung des Denkens und Fühlens geleistet haben, darin liegt nach Geiger, dem sein glücklicher Scharfblick die verborgensten Tiefen der geistigen Strömungen aufdeckt, die geschichtliche Bedeutsamkeit der Juden im Mittelalter. Gehen wir nun näher in den Inhalt des Buchs ein. Die zweite Vorlesung hat die Ueberschrift: Auslösung des jüdischen Staats und deren Folgen. Gottesdienst. Volksthum und Glaube. Akiba. Die Folgen, die auS der Zerstörung des Tempels und der Vernichtung des Staatswesens hervvrgingeu, reduciren sich im wesentlichen auf zwei Punkte. Erstens verdrängte der shnagogale Gottesdienst, der schon früher in den pharisäischen Genossenschaften sich gebildet hatte, den Opfercultus, den von seiner Einführung die Opposition begleitete, völlig; hatte dieser bisjetzt, weil die Bedingungen vorhanden waren, fortbestanden, so tritt bald, nachdem dies erfolgt ist, das Gebet an die Stelle der Opfer, die Synagoge wird das Herz des gottesdienstlichen Lebens. Dadurch hatte das Judenthum sich einer drückenden Fessel entschlagen, der Menschheit aber eine wichtige Lehre entgegengebracht. Die Gottesverehrung ist unklar lind unselbstständig, wenn erst ein bestirnmter Ort ihr die Weihe gibt, wenn Wallfahrten und symbolische Handlungen ihr Wesen ausmachen. Erst wenn der Mensch danach ringt, sein Verhältuiß zu Gott zu erfassen und in klaren Worten wiedcrzugeben, dann ist er wahrhaft religiös und die Religion hat die gezeitigte Frucht hervorgebracht. Die zweite Folge war die engere Knüpfung des nationalen Bandes. Das Volk war Träger des religiösen Glaubens, und war dieser auch nicht an das Volksthum gebunden, machte sie selbst keinen Untestschied zwischen Einheimischen und Fremden, machte wol nicht die Abstammung, sondern der Glaube den Juden aus, jo waren doch die religiösen Gesetze dadurch, daß sie die StaatSeinrichtungen völlig durchdrungen hatten, zur Sitte des Volks geworden. Jetzt war aber das Gefäß zerbrochen, und es war, da inan die geschichtliche Erfahrung noch nicht befragen konnte, jetzt eine Lebensfrage für das Judenthum, ob es wol dieser Stütze entbehren könne, ob der Jude als Glied desjenigen Volks, unter dein er jetzt leben, als Angehöriger des Staats, dem er jetzt angehöreu werde, auch die Ausgaben seiner Religion verfolgen könne; ist die Aufgabe des Judenthums schon erschöpft, oder wird jetzt die Lehre die Volksbande sprengen und Gemeingut der Menschheit werden? Diese Frage trat jetzt, nachdem die Bande des Staats gesprengt, das Volk heimatsios geworden, aber doch die Lehre, der Mittelpunkt, der es zusammenhielt, nicht vernichtet war, „mit einer gewissen Ueberstürzung" an das Judenthum heran. Das Volk wird, solange noch die Lebenskraft in ihm fortzuckt, in dem Triebe der Selbsterhaltung sich zusammenrasfen; die Hoffnung auf die Wiederaufhebung muß es vielmehr mit mächtigerem Drang danach beseelen. Jamnia wurde der neue Sammelort, dort stellte man eine neue Gerichtsbehörde auf, die alten Satzungen wurden bewahrt, zeitgemäße Anordnungen getroffen. Alle diese zielen aber dahin, die Hoffnung auf Jerusalems Wiederaufbau zu nähren; die Auflösung wurde nur als ein vorübergehendes Ereigniß betrachtet, als ein Gewitter, nach dessen Entladung der blaue Himmel wieder erscheint. Damit hängen die Aufruhrversuche, die heldenmüthige Erhebung Ben-Kosiba's zusammen. Nach der Vereitelung dieses Befreiungsversuchs trat eine traurige Zeit ein; die Römer erblickten in der Ausübung des Gesetzes eine Demonstration gegen ihre Herrschaft, und diese wurde nun unter Androhung der härtesten Strafen untersagt, aber um desto inniger klammerten sich die Juden jetzt an dasselbe. So

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