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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 138

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 138 (sequence 58)
Language
German
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138 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. ten und Vorurtheilen bestimmen oder behandelt geschichtliche Personen wie Wachsfiguren, die man färbt und formt, wie man es eben für gut findet. Befremden wird es daher nicht, wenn von der an ängstlicher Gläubigkeit kränkelnden Kritik, bei der niedrigen Tendenzforfchung, das Judenthum und seine Geschichte unkenntlich verunstaltet, misdeutet nnd verkannt wurde, wenn man von der einen Seite es gar nicht geschichtlich erkennen, sein Wesen von seiner Hülle nicht sondern, seine Unveränderlichkeit erklärend ihm alle Entwickelung in der Zeit absprechen will, wenn man von der andern Seite es als ausgemachte Wahrheit in den Kreis der allgemeinen Anschauung hineinschmuggeln möchte, daß der Beruf des jüdischen Volks schon längst erfüllt, seine Bestimmung schon vollendet, der Zweck seines Daseins schon erreicht sei, daß, weil und seitdem es keinen selbständigen Staat und kein geschlossenes Volksthum bildet, es auch keine Geschichte habe, daß man das Volk, das den Beruf hat, religiöse Grundlehren in ihrer Reinheit zu erhalten, das heilige Licht der Wahrheit zu hüten und zum Gemeingut der Menschheit zu machen, seit seiner Zerstreuung als Factor in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit streichen möchte. Man will in dem jüdischen Alterthum nur die Vorstufe zu einem Ereigniß sehen, mit dessen Eintritt es seine Bedeutung verloren hatte, und dieser Absicht zu Liebe soll die Wirksamkeit der Juden im Mittelalter todtgeschwiegen, ihre geistige Thätigkeit ungewürdigt bleiben, ihr zu Liebe soll die Geschichte der menschlichen Culturentwickelung die Namen so zahlreicher und theilweise hoch hervorragender Denker, Dichter, Lehrer und Forscher, die an derselben den regsten und wärmsten Antheil genommen haben, aus ihrem Kreise bannen. Die Widerlegung dieser Ansicht, die Verbreitung richtigerer Ansichten über das Judenthum und seine Geschichte ist die in der Zeitgeschichte liegende und durch dieselbe berechtigte, ja gebotene Veranlassung zu dem Werke des durch seine grundlegenden Forschungen auf dem Gebiet der jüdischen Literatur hochverdienten und vielberühmten Verfassers. Er verharrt auf streng objektivem Standpunkte, weicht nicht ein Haar breit von der geschichtlichen Treue ab, und dem, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht, wird es nicht entgehen, daß die so glatt dahinfließende Darstellung nur aus den Urquellen der jüdischen Literatur sich herleitet; doch weiß es der Verfasser, daß man seine Tendenz nicht verkennen wird, und gesteht sie gern zu. „Von mancher Seite her", sagt er, „wird man wol ein solches Verfahren wieder mit dem Namen der Apologetik belegen und daran eine Nerurtheilung knüpfen. Gegen das Wort habe ich nichts einzuwenden. Das verkannte Gute in sein Recht, das ihm entzogen war, einsetzen, die Vertheidigung einer mit Unrecht geschmähten Person oder Sache übernehmen mag Apologetik heißen, wie auch Plato und Renophon Apologien ihres Meisters Sokrates geschrieben. Allein solche Apologetik ist ein Verdienst, kein tadelnswerthes Verdrehen, keine Fechterkunst des schlechten Anwalts. Mag man daher unser Bemühen immerhin ein apologetisches nennen; wir wollen uns durch das Wort nicht abschrecken lassen, uns solcher Apologetik vielmehr rühmen." (S. 5) Und doch sehen wir nicht der Tendenz zn Liebe erkünstelte Beweise, an sich rühmliche aber sonst bedeutungslose Facten herbeiziehen, nur Persönlichkeiten, in denen der Geist ihrer Zeit gipfelt, die, über ihre Situation herausblickend, neue Ideen und geistige Gestaltungen in die Welt setzen; hier erscheinen uns nicht abgerissene Thatsachen, die mit trübem Phrasenkitt aneinander gelöthet werden, hier wird uns die innere Entfaltung des Judenthums, wie es nach den in ihm ruhenden Triebkeimen und Lebenskräften von seiner Wurzel in seinen verschiedenen Abzweigungen und Verflechtungen mit den jeweiligen socialen und literarischen Zuständen, wie es bei den verschiedenen zeitgeistigen Bewegungen sich verhielt und gestaltete, vorgeführt und in ihrem natürlichen Verlauf aufgezeigt. Nicht was das jüdische Volk im Mittelalter erlitten

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