Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 124 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Jndenthums. „Dieser Grabstein ist zu Häupten der ehrbaren Jungfrau Rebecca, Tochter Rabbi Mosche, des Leviten, gesetzet worden, welche in die Ewigkeit eingegangen am sechsten Tage des Monats Adar, im Jahre (da man zählt) 5068 (1308 n. Ehr.). Ihre Seele sei eingebunden in das Bündelein der Lebendigen im Paradiese. Amen! Amen! Sela!" Die gegen das „Spittlerthor" zustehende Mauer des „Weißen Thurmes" ist allem Anschein nach zum größten Theil aus jüdischen Grabsteinen aufgeführt worden, denn man bemerkt noch deutlich auf den härtern Steinen, besonders auf denjenigen, in welche die Angeln der großen Läden eingekittet sind, hebräische Schriftzeichen ausgehauem Wenn und infolge welcher Ereignisse jene Steine zum Bau des genannten Thurmes verwendet wurden, darüber habe ich nirgends eine Notiz auffinden können, vermuthe aber, daß man, als einst der Weiße Thurm einer Ausbesserung bedurfte und die Juden zeitweise, was öfters vorkam, die Stadt verlassen hatten, Grabsteine vom „Leichenhofe" abholen und sie zur Erbauung verschiedener öffentlicher Gebäude verwenden ließ. In dem alten „Kreß'schen Stiftungshause", dem ehemaligen „jüdischen Gymnasium", finden sich auch noch zwei jüdische Grabsteine, ziemlich wohl erhalten, vor. Der ältere trägt folgende Aufschrift: 2P2- 22^1 71222 'l271 ':i:>N 171117 ->2N 712 ^2^2 781212 772^1:'? 121717 2^2' 7i": 71:12 2212 7122:11 'p 2127 2'dr „Jacob hat dieses Grabmal aufgerichtet zu Häupten seiner Ehefrau, der ehrbaren Frau Schön cl, einer Tochter Rabbi Samuel's, welche da zur Ewigkeit cingegangen. Dieser Stein ist gesetzt worden am sechsten Tage der Woche, am Schebath Montag, im Jahre 55 nach der kleinern Zahl (^.uno Obristi 1295). Ihre Seele sei gebunden ins Bündelein der Lebendigen. Amen! Sela!" Dieser alte Grabstein wurde aufgefunden, als der Besitzer Wilhelm Kreß im Jahre 1617 einen Bau in seinem Hause vornehmen ließ, und zwar entdeckte man ihn im Pferdestall. Derselbe wurde hierauf zur ersten Stufe der Hoftreppe verwendet. Der andere obenerwähnte Grabstein, welchen man gleichfalls in diesem Kreß'schen Majoratshause gefunden, fällt sogleich beim Eingänge rechts an der Wand in die Augen. Die ganze Inschrift lautet. - 71:122 712 71112 71:1:71 Tiis: ^112 '1712 712 kC >2 z7l27l 2"i ii:i2 i-l'-rvD ^1212^1 '2b 7122:71 „Hier ist verborgen worden die ehrbare JungfrauSara (ihr Gedächtniß verbleibe in gutem Andenken), eine Tochter unsers Lehrers, des Rabbi Baruch, des Priesters, am ersten Wochentag, den 13. Kißlev, im 209. Jahr (1449 n. Ehr.). Ihre Seele sei gebunden in das Bündelein der Lebendigen!" Es dürfte hier auch nicht uninteressant sein, zwei Urkunden beizusetzen, welche König Maximilian an Schultheiß und Rath der Stadt Nürnberg richtete. Durch Urkunde vom 5. Juli 1498 hatte der König seinem und des Reichs Schultheißen in Nürnberg, Wolfgang von Parßberg, von Freiburg aus den Befehl ertheilt, die Häuser der Juden, die Synagoge nebst dem „Leichenhof" als „königliche Kammergüter" einzuziehen. Am 6. Juli 1499 erging an den Stadtrath der Befehl, daß derselbe dem Schultheiß alle mögliche Hülfe gewähren und allen nöthigen Beistand leisten solle, im Fall die Juden sich der Vollziehung der königlichen Verordnung widersetzen sollten, worüber wir noch folgende Urkunde besitzen.