Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 122 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. statte (Stadt) nutzen kommen sein, avch haben wir demtzetben fritzen behaim die frevntschaft getan, ob wir den Juden oder hmanten anders dertzelben hovcstat iht mer zu kaufen geben, da; wir in dan aber acht schuch geben füllen nach markzal, altz wir im die vordern geben haben on gevcrde, vnd daz zv vrkunte u. s. w. ckatum ldriu v ante martini anno I)ni,1668." Welche Urkunde, in die heutige Umgangssprache übertragen, lautet: „Wir, die Bürger (als Mitglieder) des Stadtraths zu Nürnberg erklären hiermit öffentlich, daß unser Bürger Fritz Behaim in der Rathssitzung mit dem Gesuch vor uns getreten ist, ihm eine Einfahrt zwischen dem Judenkirchhof und seinem am Lauferthor gelegenen Hause und Garten zu bewilligen. Wir haben seine geziemend vorgcbrachte Bitte in Betracht gezogen und ihm alsdann einen Raum von acht Schuh zu einer andern Einfahrt (Eingang) zugestanden, welche unverbaut bleiben soll, jetzt und für ewige Zeiten. Dafür hat er uns zwanzig Pfund Heller gezahlt, welche der Stadtkasse zufließen. Außerdem haben wir dem obengenannteil Fritz Behaim noch versprochen, daß wir im Fall weitern Verkaufs der umliegenden Grundstücke an Juden oder Andere acht Schuh zugestehen wollen. Dies zur Urkunde." Als im Jahre 1499 die Juden für immer aus Nürnberg gewiesen wurden, hat man sämmtliche auf dem Leichenhofe befindliche Gebäude iu Asche gelegt. Die entstehenden leeren Bauplätze wurden sodann an die Bürger verkauft, welche sie in der Folge überbauten, wodurch verschiedene neue Straßen entstanden, so z. B. die Vordere und Hintere Beckschlagergaffe. Mit den angetroffenen Grabsteinen wurde der Grund zu dem damals in der Nähe des Frauenthors aufzuführenden „Salzhause" und der gegenüberliegenden sogenannten „Steinhütte" gelegt. Wie beträchtlich übrigens die Anzahl jener Steine gewesen sein muß, mag man ermessen, wenn man erfährt, daß das „Salzhaus", oder wie es auch genannt wurde, die „Große Wage", welche 279 F. lang und 65 F. breit ist, sowie das „Alte Steinhaus", ein 106 F. langes Gebäude, auf lauter Grabsteinen aus dem ehemaligen „Leichenhofe" ruhen. Wagenseil, ein alter nürnberger Gelehrter, spricht in seiner „Oomnnmtatio cko Oivitato liorimb." e. VIII, p. 69, sein tiefes Bedauern aus, daß von den ehemaligen Privat- und öffentlichen Gebäuden, welche die Juden innegehabt, nichts weiter übrig geblieben sei als die bloßen Benennungen der „Judengasse", des „Judenhvfleins" und „Judenkirchhofs" und von diesem selbst nur ein kleiner, noch dazu halb zerbrochener Grabstein. Aber Wagcnscil irrte, denn man bewahrt in Nürnberg noch verschiedene ziemlich wohl erhaltene Grabsteine, welche ich da, wo dieselben in Augenschein genommen werden können, nachstehend verzeichne und deren mehr oder weniger leserlicher, in hebräischerSprache abgefaßtcr Aufschrift ich die deutsche Uebersetzung beifügen will. Der Stein, dessen Wagenseil Erwähnung thut, findet sich beim Eingang des Sebalder Pfarrhofes, gegenüber der „königlichen Gemäldegalerie in der Moritzkapelle" an der Mauerseite rechts eingefügt, und vermag man auf demselben noch Folgendes zu unterscheiden und zu entziffern: zi'2722 ri2 2"2 r--22p: was auf deutsch heißt: „Dieser Hanfe ist ein Erinnerungszeichen an die ehrbare Gut lein, eine Tochter Rabbi Simson, welche begraben worden den 29. Tag des Monats Thebet, am Montag." Wagenseil hegt die Vermuthung, es sei jener Stein wegen seiner geringen Größe bei Erbauung des „Salz-" oder „Kornhauses" unbeachtet liegen geblieben, später von jemand weggeführt und zur Ausfüllung eines Lochs in jener Mauer verwendet worden. Aus den verschiedenen nürnberger Chroniken