Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 121 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der ehemalige Leichenhof der Juden in Nürnberg. 121 Das im fünften Verse genannte Rom ist eigentlich die Stadt Cäsarea in Palästina; der Spruch sollte wahrscheinlich eine kernige Anleitung zum Leben für einen Jüngling sein, der des Vaters Geschäft treibt. Bar-Kappara's Schärfe bestand darin, daß er das scheinbar Unzusammenhängende aneinander fügte. So lautet ein Spruch, der in den ersten Versen mit dem eben vorgeführten sinnverwandt ist, folgendermaßen : Steht schöne Waare wol dir seil. Dann kaufe und sammle viel. Wo keiner steuert männlich zum Ziel, Da steh du auf und schaffe Heil. Bar-Kappara stand;u Rabbi Jehuda, dein Fürsten, solange er lebte, in einem freundschaftlichen Verhältniß; wir finden ihn auch in guteil Beziehungen zu seinem Schwiegersohn, dem reichen Eleasar. Es werden noch manche scherzhafte Schwänke von ihm erzählt, die von untergeordneter Bedeutung sind. Die Muse verstummt von da an, alle Thätigkeit concentrirt sich in dein Gesetzesstudium. Erst nachdem das Werk des Talmuds abgeschlossen war und der kaum ein Jahrhundert danach entstehende Islam neue Saaten ausstreute, erkräftigte sich die Judenheit zu einem neueil Aufschwung; mit der Entstehung einer gründlichem, unbefangenem Bibelerklürung, mit dem Studium der Grammatik erwacht die Dichtkunst wieder; ihre Sonne leuchtet aber erst hoch am Himmel der jüdischeil Literatur unter den Salomo Gabirol, Jehuda Halevi, Mose und Abraham Jbn Esra, nach deren Hintritt sie sich wieder gen Westen senkt. Nehemias Brüll. Der cheiMltze „Mchmhol der Juden" in Nürnberg. Von H. C. B. Briegleb, königl. baierscher Custos. Der ehemalige Leichenhof der Juden in Nürnberg lag jedenfalls in demjenigen Theil der Stadt, welcher noch jetzt der Judenkirchhof heißt. Anfangs befand sich derselbe außerhalb der Stadt; nach der Erweiterung dieser letztem;aber kam er mit innerhalb der Ringmauern zu liegen. Jener Leichenhof war sehr geräumig, denn er umschloß nicht nur einen großen Theil des jetzigen „Lauferplatzes", sondern auch den sogenannten „Manghof" spwie die „Vordere und Hintere Beckschlagergasse". Heutzutage ist freilich keine Spur mehr von der ehemaligen Begräbnißstätte zu entdecken, denn das ganze Terrain, welches dieselbe einnahin, wurde nach und nach mit Häusern überbaut. Bis zum Jahre 1367 war der „Leichenhof" von weit geringerm Umfang als später, aber nach diesem Jahre und besonders in der Zeit von 1407— 37 wurde derselbe bedeutend erweitert, da in jener Zeit ungewöhnlich viele Israeliten den herrschenden epidemischen Krankheiten zum Opfer fielen. Schon 1360 hatte er an Raum so zugenommen, daß verschiedenen, am Lauferthor gelegenen Gärten nürnberger Bürger der zum Eingang in dieselben führende Weg verbaut und abgeschnitten worden war. Ein gewisser Fritz Behaim, welchem in solcher Weise sein Eigenthum unzugänglich gemacht worden, suchte um jene Zeit (1367) bei dem Rath der Stadt um eine andere Einfahrt (Eingang) nach, welche ihm im nächstfolgenden Jahre auch zugestanden wurde, worüber wir noch folgende Urkunde besitzen: „Herr Fritz Behaim erhält zwischen der Juden Kirchhof und seinem Garten, vor dem Lauferthor gelegen, eine neue Einfahrt: 1368." „Wir, di burger des rats der stat zu Nürnberg, verjehen offenlichen mit dizen Brif, daz für (vor) vnz kam in vnzern rat fritz behaim vntzer burger vnd pat untz vmb ein einvart tzwischen den Judenkhrchov vnd seinen hewsern vnd garten vor dem lavfer tor gelegen, Vnd daz haben wir angeseen sein ziemlich bet v haben im geben acht schuch weht datzelbst zv einer einvart, altzo daz die vnverpawt füllen bleiben ewiclichen, vnd darumb hat er vntz geben tzweintzig Pfunt Haller, die an der