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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 111

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 111 (sequence 31)
Language
German
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Der Talmud. 111 seiner Übersetzung der Schriften Sueton's, S. 33 fg., diese Behauptung betonen zu müssen glaubt, gibt selbst zu, daß der Name Chrestus ein damals ziemlich gewöhnlicher war. Ich theile daher die Meinung, daß dieser hier erzählte Aufstand von einem gewöhnlichen Juden angezettelt, obwol sehr unbedeutend, dennoch dem grausamen Kaiser zu seiner gewaltsamen Maßregel eine günstige Gelegenheit geboten habe. Doch auch die Lage der Juden in Palästina wurde eine schlimmere. Die Macht der Kaiser war gesunken, sie mußten sich bequemen, die Provinzen an römische Ritter zur Verwaltung zu übergeben. Antonius Felix, trotz seines Beinamens „der Glückliche" ein schrecklicher, unheilverkündender Name, erhielt Palästina. Es war ein furchtbarer Zustand unter seiner Gewaltherrschaft. Selbst Tacitus, der nüchterne Geschichtschreiber, weiß keine Worte zu finden für die Willkür und Zügellosigkeit, mit der er das Land drückte. Durch Quadratus, der Felix und seinen um nichts bessern Genossen Ventidius Cumanus der Gerechtigkeit überlieferte, wurde die Ruhe der Provinz wiederhergestellt. Es folgte nun eine lange Zeit des Schreckens der Gewalt, unter Gessius Florus kam es zum Ausbruch. Vespasian rückte heran, sein Sohn Titus befehligte nach seines Vaters Thronbesteigung das Heer, die Mauern Jerusalems wurden zerstört, der Tempel verbrannt, das Volk zerstreut. Wir haben über diese Zeit die ausführlichsten Berichte. Tacitus, Dio Cassius, Plutarch sprechen als getreue Berichterstatter, — die Geschichte ist zu bekannt, als daß wir hier näher darauf eingehen sollten. Und nun wieder weite Steppen, unfruchtbare Oede, langes Schweigen bis zu dem letzten Aufstand der Juden unter Benkosiba. Sein Name ist nirgends erwähnt, doch die Gewaltigkeit und Gefahr für die Römer vielleicht stärker noch, als es in Wirklichkeit war, geschildert. Damit ist die Erzählung der Hauptschriftsteller zu Ende. Weniges bleibt uns noch nachzuholen. So erzählt uns Orosius (11b. VII, e. XVII), daß Septimius Severus die Juden, die einen Aufstand zu machen wagten, unterworfen habe, und Ammianus Marcellinns (11b. XXII, e. 1 und ü) berichtet uns einiges Bemerkenswerthe von Julian. Dieser Kaiser soll, um das Andenken an seine Herrschaft durch die Pracht seiner Werke zu erhöhen, einem gewissen Alypius aufgetragen haben, den Tempel zu Jerusalem neu zu erbauen. Dockheiße, auS der Erde emporsteigende Dünste hinderten das Unternehmen. Derselbe Kaiser soll, nach' dem Bericht dieses Schriftstellers, als er einst auf dem Wege nach Aegypten durch Palüstina zog, in Jerusalem das schmuzige, unruhige Volk der Juden geschaut uud ausgerufen haben: „O Markomannen, o Suaden, o Sarmaten, endlich habe ich unruhigere als euch gefunden." So haben wir denn die weite Bahn durchlaufen, so sind wir zum Ziel, das uns vorgesteckt war, gelangt. Es war kein Rosengarten, kein lachendes Gefilde, durch das wir unsere Schritte lenkten; es hinderte manches Dorngehege den Fuß, es hielt manche Schlinge den eilenden Schritt zurück. Aber eine vollständigeZusammenftellung der Berichte der alten Schriftsteller ist namentlich in unserer Zeit nöthig, damit wir uns freuen können, daß jene Zeiten vorüber sind, uns aber doch gern in dieselben versenken und sie mit Liebe betrachten. Möge eine solche zu liefern mir gelungen sein! Der TlllmnL. Ein Vortrag*) von vr. Tobias Cohn, Rabbiner zu Potsdam. Hochverehrte Anwesende! Als ein halbes Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung ein Heide Vorbemerkung. Dieser Vortrag wurde im März 1864 in der „Literarischen Gesellschaft" zu Potsdam vor einem ausschließlich christlichen Publikum gehalten.

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