Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 110 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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110 JlLustr. Monatsh. für die gef. nun aber noch inehr, da jenes Volk mit den Waffen zeigte, was es von unserer Herrschaft dächte, zugleich aber lehrte, wie theuer es den unsterblichen Göttern wäre, dadurch, daß es geschlagen, besiegt, unterjocht ist." Hyrkan wurde zum Ethnarchen eingesetzt, Aristobul nach Rom geführt, er zierte den Triumphzug des Siegers Pompejus. Antipater, der Freund des schwachen Hhrkan, misbrauchte das Recht seiner Freundschaft gar bald; sein Sohn Herodes zeichnete sich durch Muth und Entschlossenheit, bald durch zügellose Frechheit aus. So standen die Sachen, als Antonius in Judäa einbrach. Der Partherkönig Pakorus bemächtigte sich Judäas, er wurde von P. Ventidius getödtet, die Parther auf das Land jenseit des Euphrat beschränkt; die Juden unterwarf C. Sofias (lac. Hwt,., V, 9). Herodes ward König. Doch holen wir die Verhältnisse der Juden in Rom nach. Die Juden kamen, (s. Prof. M. A. Levy: Epigra-, phische Beiträge zur Geschichte der Juden, S. 277 fg.) nicht erst durch Pompejus nach Rom, sie befanden sich zu seiner Zeit schon zahlreich daselbst. Cäsar kam ihnen freundlich und mild entgegen, sie bejammerten und beweinten seinen Tod aufs bitterste (Lust. Oass., c. 84). Unter seinem Nachfolger Augustus lebten sie durch ihn und Agrippa geschützt, in Ruhe und Frieden. Josephus erzählt (Alterth., XVI, 6), daß sie eine Gesandtschaft ihrer Brüder in Palästina, die nach Rom kam, um Befreiung von dem Joch der Herrschaft des Herodes zu erflehen, kräftig unterstützten. Doch ihre Lage blieb nicht lange eine so günstige. Unter Tiberius baten die Provinzen Syrien und Judäa, durch Lasten gedrückt, um Verminderung des Tributs. (Tacitus, Annal., II, 42.) Unter seiner Regierung, erzählt Josephus (Xnt., XVIII, 4 und 5), habe ein wegen Gesetzesübertretung flüchtiger Jude zu Rom eine vornehme Frau, Fulvia, welche Jüdin geworden und seinen Unterricht im mosaischen Gesetz gesucht habe, überredet, ihm reiche Geschenke für den Tempel zu Jerusalem anzu¬ Jnteressen des Judsnthums. vertrauen. Diese Geschenke habe er dann mit drei andern Juden unterschlagen und vergeudet. Der Gatte jener Frau, Saturninus, habe den Betrug dem Kaiser angezeigt, worauf Tiberius befohlen habe, alle Juden aus Rom zu verjagen. Sueton berichtet das letztere. „Der Einführung fremder Religionsgebräuche", sagt er, (Tib., e. 36), „zumal der ägyptischen und jüdischen, that er Einhalt, indem er diejenigen, welche sich zu solchem Aberglauben bekannten, zwang, die dazu gehörigen gottesdienstlichen Kleider sammt allen übrigen Gerätschaften zu verbrennen. Die Jugend dieses Volks ließ er als Soldaten ausheben und in Provinzen von rauherm Klima vertheilen (vgl. auch Tacitus, Ann., II, 85, der ihnen Sardinien als Wohnsitz angewiesen werden läßt). Die übrigen Genossen dieses Volks und die, welche einem ähnlichen Glauben anhingen (unter dieser Bezeichnung sollen nach einigen die Christen verstanden sein, die häufig von den alten Schriftstellern ganz mit den Juden verwechselt oder als eine ihrer Sekten betrachtet werden), wies er aus Rom aus und setzte die Strafe ewiger Sklaverei für jeden fest, der etwa dem Befehl nicht gehorchen würde." Unter C. Caligula besserte sich ihre Lage nicht sehr. Er wollte sich als Gott verehrt wissen, seine Bildsäule in allen Tempeln aufgestellt sehen. „Die Juden ergriffen", sagt Tacitus, „lieber die Waffen, ehe sie diesem Befehl, der ihr Heiligstes mit Füßen trat, sich beugten." Der Tod des Kaisers beseitigte diese Bewegung. Doch der eigentliche Druck begann unter Claudius. Auch er soll, sagt Sueton, die Juden, da sie sich unter einein Anstifter Chrestus stets aufrührerisch zeigten, aus Rom vertrieben haben. Wie man diese Stelle auf Christus hat beziehen wollen, ist mir unbegreiflich. Man wollte, um dies zu erreichen, unter den Juden Judenchristen verstehen. In dieser Zeit lebten aber gewiß noch nicht so viele in Rom, als daß sie einen Streit mit den wirklichen Juden hätten beginnen können, der den Römern gefährlich schien. Adolf Stahr, der in der Einleitung zu