Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 108 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417815--626-2418467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
108 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Machtcntwickelung des jüdischen Volks unter selbständigen Regenten umflort sich der Blick des sonst so edcln und vornrtheilsfreien Geschichtsforschers, und er bricht, nachdem er den Beginn des Kriegs von Antiochus Epiphanes gegen die Juden und dessen Verhinderung durch den Abfall des Partherkönigs Arsaces erzählt hat, in die Worte aus: „Jetzt gaben die Juden sich selbst Könige, welche dann, durch veränderte Stimmung der Menge verjagt, bei gewaltsamer Wiedererobcrung der Herrschaft Vcrbannungsurtheile über Bürger, Vernichtungen ganzer Städte, Mord an Brüdern, Gattinnen, Vätern und andere Acte dcS Despotismus Vornahmen, aber den religiösen Wahn pflegten, weil das Oberpricsteramt zur Stütze der persönlichen Gewalt herbcigczogeu wurde," (llist. lib. V, 8). Das ist eine ungerechte Beurtheilung, eine einseitige Geschichtsauffassung. Noch eine andere Erzählung aus dieser Zeit wird mehrmals berichtet. Es ist das Verfahren Antiochus' VII., so genannt von der Stadt Sida in Pamphylien, wo er erzogen war, gegen Jerusalem, gegen die Juden. Er wird als ein Mann von milder Sinnesart, von edler DenkungSweise geschildert. Er war mit seinen Forderungen an den jüdischen Fürsten Simon bei diesem nicht durchgedrungen; besser gelang es ihm, dieselben bei dessen Sohn und Nachfolger durchzusetzen, der später sogar den König auf seinem Zug gegen die Parther begleitet haben soll. Als dieser König Jerusalem belagerte, erzählt Divdor (Lolog., 34), widerstanden ihm die Juden einige Zeit; nach Aufzehrung der Vebensmittel mußten sie mit ihm unterhandeln. Seine Freunde riethen ihm, das Volk zu vernichten, denn sie seien ein unzugängliches, allen feindseliges, frevelhaftes Volk, er solle verfahren wie sein glorreicher Vorfahr Antiochus Epiphanes. (Hier erzählt er die Geschichte von dessen Eintritt in den Tempel und dem Erblicken des Mosesbildes.) Die Freunde drangen weiter in ihn, er solle, wenn er der vollständigen Ausrottung des Volks abgeneigt sei, wenigstens seine Gesetze aufheben und es zwingen, seine Gebräuche zu ändern. Der König aber, der grvßmüthig und von sanfter Natur war, hörte nicht darauf, sondern nahm nur Geiseln, legte den Schuldigen Tribut auf und zerstörte die Mauern Jerusalems.*) Nach anderen Berichten soll er in seiner Milde und Schonung noch weiter gegangen sein. Plutarch erzählt in der Sentenzensammlung von Königen und Feldherren, daß Antiochus bei der Belagerung Jerusalems den Juden, die wegen ihres größten Festes (vielleicht, was auch Jvsephns berichtet, eine Andeutung des Hüttenfestes, das aber unser Gewährsmann nach seiner Verwirrung und Verwechselung aller jüdischen Feste für das heiligste Fest erklärt^ möglicherweise verleitet durch den kurz vorher gefeierten Versöhnungstag) ihn um einen Waffenstillstand von sieben Tagen baten, nicht nur diesen bewilligte, sondern auch ihnen Stiere und Näucherwerk zum Opfer schenkte und selbst den Priestern überreichte. Die Juden, durch diese Milde gerührt, ergaben sich ihm gleich nach dem Feste. Auch Justinus erzählt von diesem König und seiner Beziehung zu den Juden; doch entkleidet er ihn aller zarten Milde und Schonung, die die andern an ihm rühmen. „Antiochus", sagt er, „unterterjochtc die Juden, die sich unter sei- *> Frankel fügt in seiner ttebersetzung dieser Stelle (Monatsschrift, 5. Jahrg., S. 85), was unsere Wiedergabe derselben durchaus nicht sein soll — sie ist vielmehr ein kurzer Auszug des für unfern Zweck Notlügen — noch hinzu: Antiochus verzieh den Juden. Ich gestehe offen, diese Worte nicht zu verstehen. Das wäre ein sonderbares Verfahren, einein Menschen zu verzeihen und ihm dann Strafen aufzuerlcgen, die ihn doch tief schmerzlich berühren. Und dann, was hatte der König den Juden zu verzeihen? In dem griechischen Text steht auch davon gar nichts. Die Worte: die Frankel im Auge gehabt zu haben scheint, heißen gar nicht: „er verzieh den Juden", sondern ganz einfach: „er befreite die Juden von den Beschuldigungen und den Vorwürfen, die ihnen von seinen Freunden gemacht worden waren." Auch scheint die Bezeichnung dieses Antiochus mit eoo-stß: (fromm) (s. Jos. jüd. Alt. XIII, 83) mit der geschichtlichen Richtigkeit nicht übereinzustimmen. (Real- Enchklopädie von Paullh, I, 545.)