Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 106 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Jllustr. Monatsh. für die ges. habe also, so meinen sie, die Finsternis; überwältigt, ihre Erstgeborenen seien geschlagen, ihr Vieh getödtet und endlich sie selbst mit dem Aussatz behaftet worden. Warum aber gerade diese Plage, die in der Bibel nicht als die stärkste und furchtbarste angesehen wird, so nachdrücklich von ihnen hervorgehoben wird, läßt sich vielleicht daraus erklären, daß ihnen die große Rolle, die der Aussatz in den fünf Büchern Moses spielt, bekannt gewesen sein mag. Mirjam wird von ihm befallen, als sie sich gegen Moses Befehl auflehnt; eines der Wunder, die Moses vor Pharao macht, um seine göttliche Sendung zu beweisen und dadurch die Erlaubnis;, das Land verlassen zu dürfen, zu erwirken, ist, daß er seine Hand mit weißem Aussatz bedeckt aus dem Busen herauszieht u. a. m. Doch fahren wir in der Erzählung fort. Memphta kam bald von feinen grausamen Planen ab; um aber doch eine Befleckung der Seinigen, eine Ansteckung durch die Unreinen zu verhüten, entfernte er sie aus dem Innern des Landes und wies ihnen die Stadt Abaris zum Wohnsitz an. Dort lebten sie nun lange Zeit ohne Führer, bis sie sich endlich den Osarsiph, einen abgefallenen Priester aus Heliopolis, der sich später Moses nannte, zum Führer wählten. — Diese von Manethon, wie es scheint, erfundene Geschichte hat in den Augen Apion's und anderer solchen Glauben gefunden, daß auch sie sich nicht scheuen, dieselbe als vollkommen richtige Thatsache hinzustellen. Woher sie entstanden, möge Folgendes erklären: Die Gründung des Tempels zu Heliopolis durch Anias scheint kurz vor, die Blüte desselben ungefähr zu der Zeit, wo Manethon lebte und schrieb, stattgefunden zu haben, und es ist dadurch leicht erklärlich, daß er die Heiligkeit, die damals der Stadt von den ägyptischen Juden gezollt wurde, als eine längst bestehende auch auf viel frühere Zeiten übertrug und Moses als einen Priester hinstellte, der aus diesem Tempel hervorgegangen fei. Warum man aber gerade Moses zu einem abgefallenen Priester stempelte, möchte sich aus der Erfahrung Her- Interessen des Judenthums. leiten lassen, die wahrscheinlich auch den Alten nicht unbekannt war, daß derjenige, der seine väterliche Religion verläßt, mit dem neuen Kleid, das er anzieht, eine Verachtung, einen wüthenden Haß gegen das alte Gewand, wie er (s. u.) dem Moses gegen die Aegypter besonders zugeschrieben wird, in sich aufnimmt, — eine traurige Erfahrung, die wir noch heutzutage gar oft zu machen leider Gelegenheit haben. Dieser selbstgewählte Führer nun, so fährt der Bericht, dem wir noch etwas weiter durch seine Jrrgänge folgen wollen, fort, zog mit den Juden, die wol, um ihren Aussatz loszuwerden, ein anderes Klima aufsuchen wollten, aus Aegypten. Das könnte wol als das Schema der Erzählung aller ägyptischen Schriftsteller über diese Zeit bezeichnet werden.*) Die Juden sind nach ihnen ein unreiner Theil der Aegypter; sie werden aus dem Lande vertrieben; Moses führt sie.**) Wir wollen dabei nicht unerwähnt lassen, daß ein anderer Schriftsteller, Lysimachus, dessen Worte ebenso wie die der übrigen Schriftsteller uns Josephus in seiner Gegenschrift gegen Apion aufbewahrt hat, den Aus- Auch die griechischen Schriftsteller folgen ihnen meist. Diodor, der, wie er selbst sagt, seine Erzählung aus dem Bericht des Hekatäus von Abdera schöpft, theilt die aus Aegypten zu jener Zeit fortziehenden Haufen in zwei Theile, von denen der eine sich Moses anschlietzt, um schließlich Jerusalem zu erbauen, der andere mit Danaus und Kadmus an der Spitze nach Griechenland zieht. (!) **) In Moses wollen uns die alten Schriftsteller gleichsam ein Bild des ganzen israelitischen Volks geben. Sie stellen aus diesem Grunde, damit der zu vergleichende Gegenstand auch Aehnlichkeit mit dem verglichenen habe, Moses' Charakter gerade nicht ins beste Licht, wie sie, wie wir bereits im ersten Artikel zu bemerken Gelegenheit hatten, auch dem ganzen Volk häßliche und niedrige Charaktereigenschaften zuschreiben. Moses, der Sohn Joseph's, wie Justinus naiv bemerkt, ist ein abtrünniger Priester, der die äghtischen Heiligthümer gestohlen, ein Magier in Gemeinschaft mit Jannes und Jambres und Consorten, Moses, ein Genosse Joseph's, wie der noch treuere Chäremon erzählt, gibt dem Volk Gesetze, die feindselig, streng abgesondert von denen alter andern Völker, und namentlich von denen der Aegypter sind.