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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 104

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 104 (sequence 24)
Language
German
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104 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. geht und Wie mit einem Zauberschlag dann die Blüte vor uns hintritt in ihrer Schönheit und Herrlichkeit. Und gerade in solchen Zeiten gibt die Zähigkeit der Erhaltung ein Zeugniß von der ewigen Jugendlichkeit, von der lebendigen Frische des Volks, das sich wach erhalten und nicht dem Schlummer hingegeben, der die Genossen überwältigte. Scheuen wir uns nicht vor diesem trägen Volk, betrachten wir genauer das Volk und seine Geschichte! Freilich eine Geschichte im strengen Sinne des Worts geben uns diese Berichte nicht; es scheint, als wenn die Berichterstatter die unwichtigem Ereignisse als bekannt voraussetzten und nur bei den bedeutendem verweilten; die wahre Ursache mag allerdings ihre eigene Unbekanntschaft mit den Gegenständen gewesen sein. Es sind eigentlich nur die Hauptabschnitte, von denen uns ausführlichere Mittheilungen vorliegen, nämlich 1) der Auszug aus Aegypten, 2) die Zeit der Makkabäer und Z) die Verhältnisse der Juden unter römischer Herrschaft von Pompejus an fast ununterbrochen bis Zum 4. christlichen Jahrhundert. Aber auch diese spärlichen Notizen können wir nicht auf Treu und Glauben als wahrhaft historische Berichte annehmen; sie sind getrübt und gefärbt; wir wollen sie prüfen und das Rechte aus ihnen ziehen. Vor dem ernsten Sinne, vor dem prüfenden Auge werden die Wolken sich zerstreuen, die auch um diese Erzählungen sich lagern, werden die Nebel weichen, die auch hier die Wahrheit zu verhüllen trachten, und aus dem trüben Schleier, aus der Finsterniß wird in Hellem Licht das Volk hervorstrahlen in seinem furchtlosen, kraftvollen Ringen, das der Sieg zuletzt doch krönt. Das Volk der Juden — doch wir schreiben diesen Namen so gedankenlos hin, ohne zu wissen, woher er stammt, wovon er abgeleitet ist, ohne überlegt zu haben, was er bedeutet. Nun freilich, wir glaubten, das Volk der Juden benenne sich nach Juda, dem kraftvollen, starken Sohn Jakob's, von dem schon der Vater in seinem Segen gesagt hatte: vor dir werden sich bücken die Söhne deines Vaters, dessen Nachkommen später als Reich Juda sich eine schöne Stellung auch nach dem Sturz des andern Reichs bewahrt hatten. Wir glaubten ferner in Betreff der Geschichte dieses Volks, sie seien aus dem Lande Kanaan, in dem sie lange gelebt, gezogen und hätten eine geraume Zeit in Aegypten gelebt, zuerst in Glück und Frieden, dann in strenger Knechtschaft, unter bittern Leiden, bis sie endlich Moses auf Gottes Befehl herausgeführt aus der Knechtschaft zur Freiheit. *) Ein verzeihlicher Jrrthum! Aber wir hätten ihn doch so gut vermeiden können, wenn wir uns nur früher bei den richtigen Quellen Raths erholt, wenn wir uns früher ohne Zagen und Bangigkeit in das Getümmel der alten Schriftsteller gewagt hätten! Doch es ist noch Zeit, das Versäumte nachzuholen. Die Juden kommen aus Damaskus, ruft der eine aus; was Juden, Judäer! das ist gar nicht ihr Name, entgegnet ein anderer, das ist nur eine barbarische Dehnung ihrer wirklichen Bezeichnung: Jdäer. Denn, so führt er seine Bezeichnung weiter aus, ihr Name stammt zwar nicht von dem Lande Judäa, das sie ihrerseits fälschlich als ihren alten, ererbten Wohnsitz 2) Ich beginne meine Schilderung erst mit dem Auszug aus Aegypten. Die Nachrichten bis dahin sind spärlich; Manethon und Justinus wissen freilich auch von der Vorgeschichte und versuchen uns einige Märchen über dieselbe auszutischen. So zähltz.B. letzterer fünf Könige der Vorzeit auf, die er Damascenus, Apetus, Adores, Abraham und Israel nennt; ersterer will sogar sechs feststellen; doch außer dieser Fabel, die uns eine historische Aufklärung zu geben gerade nicht im Stande ist, wird nur noch die Geschichte Joseph's, insofern sie mit Aegypten zusammenhängt, von Justinus und bei weitem später im 5. Jahrhundert noch ausführlicher von Orosius nach den Worten der Bibel erzählt. Diese mangelhafte Kenntniß der Uranfänge der biblischen Geschichte von seiten der alten Schriftsteller darf uns nicht wundernehmen. Grst durch die Berührung des israelitischen Volks mit dem ägyptischen wurde die Bekanntschaft mit unserm Volk durch die Schriftsteller des letztern allgemeiner. Daß freilich die alten Sriststeller, die aus dieser trüben Quelle fischten, meist Schlamm und Koth hervorbrachten, ist leicht erklärlich.

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