Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 102 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417815--620-2418461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

102 Jllustr. Monatsh. für die gef. Jntereffen des Judenthums. ihm seine Wohlbeleibtheit herzlich gönnen) das Costüm damals sehr gut stand, so war er, was man von einem Mann selten sagen kann, reizend. Die sinnliche Glut des armen, bis zur Verrücktheit aufgeregten Jungen in der Scene, wo er im Dunkeln bei Adelheid ist, war meisterhaft, und außerordentlich die Qualen der Reue, wie sein Herr stirbt. Die Worte: „Gift, Gift von eurem Weib — ich", worauf der arme Kerl hinausstürzt und sich ersäuft, haben mancher sonst nicht eben thränenseligen Dame Thränen wirklicher Rührung ins Auge gelockt. Da er dieses Fach gauz aufgegeben hat, so bleibt uns nichts übrig, als hierüber unser Bedauern auszusprechen; den Künstler aber haben wir noch in jenem Rollenfach zu charakterisiren, in welchem er gegenwärtig am ineisten excellirt, in dem schon früher genannten Conversations-Lustspiel. In aller Kürze am meisten gesagt wird wol dann sein, wenn wir behaupten, daß er an Eleganz den Franzosen sehr nahe steht. Da er vom Tragischen in dieses Gebiet herübergekommen, so hat er in Bezug auf Sprachbildung vor andern Darstellern des Conversationstones vieles voraus; daß er für die Fälle, wo Feuer im Lustspiel nöthig ist, dessen mehr als ausreichend besitzt, darf nach dem früher Gesagten nicht erst besonders betont werden. Auch versteht er es vortrefflich, das gebrochene, blasirte Element, das vielen unserer modernen Lustspielfiguren innewohnt, zur Darstellung zu bringen. Im ganzen genommen, ist Sonnenthal ein schönes und liebenswürdiges Talent, nicht genial, aber dennoch oft packend. Sein größter Vorzug aber ist: Nicht mehr sein zu wollen als das, was er vermöge seiner Begabung wirklich ist — maßvolle Beschränkung, die in der Kunst ebenso wohlthuend wirkt wie im Leben. K. I>. Men und Judentum Mch der AMZ- MU der SchrWeUer des Mertjmm. Von Ludwig Geiger. II. Geschichte. Bossuet geht in seinem „Diseaur» sur Illüstoiro univsrLellö", dem ersten Versuch einer allgemeinen wissenschaftlichen Geschichtsbetrachtung, von dem Grundgedanken aus, daß nur das Volk ein geschichtliches zu nennen, nur der Nation eine historische Bedeutung zuzuschreiben sei, die die Plane, die das Christenthum einst verwirklichen sollte, einstweilen möglich, als ausführbar der Welt zeigte, die die Ideen, mit denen diese Religion die Welt beglücken sollte, von fern andeutete. Und aus diesem Grunde nennt er das jüdische Volk das einzige geschichtliche des ganzen AlterthumS. Wir theilen seine Meinung mit einiger Beschränkung. Das Volk, sagen wir, das stets das Panier der Humanität geschwungen, das mit der Fackel der Freiheit in der Hand allen übrigen vorangeleuchtet, das die Gedanken der Einheit, der Verbrüderung in die Herzen aller Menschen pflanzen wollte, das nennen wir ein geschichtliches, ihm räumen wir eine historische Bedeutung ein. Wir gelangen aber zu demselben Resultat: das jüdische Volk ist das einzige geschichtliche des ganzen Alterthums. Denn was heißt Leben, was heißt Geschichte? Heißt Leben, aus dem Stein Funken auf Funken zu schlagen, die, statt daß sie erleuchten, den einen tödten, den andern des Lichts berauben? Heißt Leben das unablässige Ringen und Streiten mit bewaffneter Hand, das Kämpfen und Verwunden mit roher Faust? Heißt Leben das Getriebenwerden von Genuß- und Gewinnsucht, sich selbst alles Schöne und Angenehme verschaffen zu wollen und andern nichts zu gönnen? Oder heißt Leben stn Liebe mit den Menschen vereint zu wirken und beizutragen zur Veredelung und Vervollkommnung der Menschheit? Heißt Leben der Völker, heißt Geschichte, das Blut von Millionen auf den Schlacht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.