Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 101 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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10l Adolf So Uns handelt eS sich aber lim ein Bild, eine Zusammenfassung der Fähigkeiten sowie der Leistungen des Schauspielers zu liefern. Sonnenthal ist eine schöne, edle, bewegliche Gestalt, welche leider nur allzu umfangreich zu werden droht, weshalb ihm die Banting-Cur auf das entschiedenste anzurathen wäre. Sein Auge ist sprechend, seine Stimme wohlklingend, angenehm, aber nicht stark. Auch läßt sich bei gewissen Worten, vorzüglich bei solchen, in denen der Voeal a vorkommt, und solchen, die auf en endigen, ein Nasenton nicht verkennen. Wie schon auS der Darstellung des kurzen Lebcnsabrisses hervorgegangen, hat Svnncnthal von seinen frühesten Anfängen bis herauf auf die Gegenwart drei verschiedene Rollenfächer durchgemacht und zwar erste jugendliche Helden und Liebhaber, wie Romeo, Don Carlos, Ferdinand (Tabake und Liebe), Clavigo u. s. w., zweite jugendliche Liebhaber und dergleichen Jungen, wie Melchthal (im „Dell"), Franz (in „Götz"), Kosinsky („Räuber"), Brackenburg („Egmoiit") u. s. w. Dieses zweite Rollenfach hat er gänzlich verlassen und spielt gegenwärtig nur mehr noch erste Liebhaber und das dritte Rollenfach hauptsächlich in französischen Conversationsstücken, z. B. in der „Fialnina", im „Pelikan", in „Feenhände", „Letzter Brief" n. s. w. eine ganze Legion. Für das erste Heldenlind Liebhaberfach ist Sonnenthal nach den höchsten Forderungen der Kunst nicht ausreichend, theils weil sein Organ für das Tragische zu schwach klingt, ja im langandauernden Affeet sogar unschön wird, zum größern Theil aber — aus Mangel an großem innern, intensiven Feuer. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist unter seinen Darstellungen tragischer Helden sein Ferdinand besser als sein Romeo, Don Carlos noch besser als der Ferdinand, und endlich der Clavigo am besten von allen diesen. Alle diese Leistungen sind zwar, wenn man von den höchsten Forderungen absieht, gut, schon darum, weil sie ungezwungen n n e n L h a l. und nicht gewaltsam sind; wir glauben diesem Künstler aber die Ehre schuldig zu sein, ihn mit dem strengsten' ästhetischen Matzstab zu messen. Jammerschade, daß der geschätzte Künstler das Fach der zweiten jugendlichen Liebhaber an mehr oder welliger mittelmäßige Nachfolger preisgegeben; denn darin hat Sonnenthal entschieden Ausgezeichnetes geleistet. Jede derartige Darstellung seinerseits war ein kleines Meisterwerk. Erstens muß man ihm das Zngeständniß der Naturwahrheit machen, die er fast überall bekundet; zweitens reicht' sein Feuer für Episodenhelden nicht nur vollkommen aus, es erwärmt wirklich, und inan kann ans Ueberschuß eher als auf Mangel schließen; endlich drittens besitzt er ein chevalereskes Wesen, womit er derartige Rollen vortrefflich auszustatten wußte. Sein Kosinsky z. B. war eine der herrlichsten Leistungen, ja sie war geeignet, in den Augen manches Theaterfreundes die Leistung Wagner's als Karl Moor zu verdunkeln. Freilich hatte Sonnenthal zu jener Zeit ein so unendlich jugendliches Allssehen, daß ein Gedanke an Banting (auch wenn jenes Blich damals schon eristirt Hütte) gar nicht in den Sinn kommen konnte. Wie meisterhaft war sein Brackenburg. In der That, ließen sich mimische Darstellungen für die Nachwelt firiren, wir würden den Brackenburg Sonnenthal's als Muster hinstellen, lind wenn jemand den Charakter Brackenburg's studiren wollte, man brauchte dann einfach nur zu sagen: So, seht ihr so, wie ihn Sonnenthal gab. Desgleichen sein Arnold. Die Worte: „Blinder Vater, du kannst den Tag der Freiheit nicht mehr schauen, du sollst ihn hören" kann man nicht erschütternder geben, als er es gethan. Alles aber übertraf sein Franz (in „Götz von Berlichingen"). Allen verliebten Reiz, alle sinnliche Koketterie, welche in der Stelle liegt, wo der verliebte Junge sich ausschilt und sich vorsagt, was er der eben weggegangenen Adelheid hätte sagen können, das alles drückte er meisterlich aus, und da ihm (aus mehrfach erwähnter Ursache, wobei wir ausdrücklich bemerken, daß wir