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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 100

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 100 (sequence 20)
Language
German
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100 Jllustr. Monatsh. für die ges. und Ludwig Löwe, seinen nachmaligen Gönner, mit dem er später vereint ans Gastspiele reiste. Nach kaum einem Jahre erhielt Sonnenthal einen Ruf nach Königsberg in Preußen. Er folgte demselben und fand an dem neuen Orte, wohin er nach kurzem Besuch bei den Aeltern sich begeben hatte, die freundlichste Aufnahme. Ueber seine Kunst strebte er ins Klare zu kommen, und daß er die Vorgefundenen Zustände und Verhältnisse nicht immer in Uebereinstimmung fand mit den Idealen, wie sie in ihm lebten, darf nicht wundernehmen. Eine Stelle aus einem Brief aus Königsberg (16. Nov. 1856) an einen Freund in Berlin ist charakteristisch genug, um hier einen Platz zu finden. Sie lautet: „Glauben Sie mir, junger Freund, es ist in unserm Jahrhundert sehr schwer, ein guter Schauspieler unter solchen Menschen zu sein, und noch weit schwerer, ein guter Mensch unter solchen Schauspielern zu bleiben!" Bei Gelegenheit eines Gesammtgastspiels der königsbcrger Gesellschaft in Tilsit und Insterburg hatte Sonnenthal durch seine Darstellung des Romeo und des Uriel Acosta derartigen Erfolg, daß er diese zwei Rollen auch in Königsbergseinem Repertoire einverleiben mußte. Der eben anwesende Professor Marks empfahl ihn rasch der Aufmerksamkeit des Intendanten vom dresdener Hoftheater, und Sonnenthal erhielt infolge dieser Empfehlung einen Antrag auf drei Gastrollen mit Vorbehalt eines Engagements; aber Heinrich Marr, der inzwischen in Königsberg gastirte, schrieb an Laube, und so traf nun auch von Wien aus der Antrag zu einem auf Engagement abzielenden Gastspiel ein. Die Wahl ivar nicht schwer. Am 18. Mai 1856 betrat Sönnenthal die Bretcr des wiener Burgtheaters als Mortimer. Nach der zweiten Rolle in Hackländer's „Geheimem Agenten" wurde er sofort auf drei Jahre engagirt. Aber nach Ablauf dieser Zeit erhielt er das Deeret als wirklicher k. k. Hvfschauspieler mit 8000 Fl. Jahresgage und damit ver- Jnteressen des Judenthums. bundener Pensionsfähigkeit. Nun hatte er als fünfunbzwanzigjähriger Mann das Ziel erreicht, welches seine kühnsten Hoffnungen nnd seligsten Jugendträume überstieg und lebt seit jener Zeit treu seinem Perus als geachtetes und beliebtes Mitglied des ersten Kunstinstituin Deutschland. lieber seinen weitern Lebenslauf ist wenig zu sagen. Die Kämpfe hatten ein Ende; nun begannen für ihn die goldenen Früchte emsigen Fleißes und unerschütterlicher Ausdauer zu reifen. Im Juli 1858 unternahm er nach einem Gastspiel auf den Bühnen in Temesvar, Hermannstadt u. s. w., wo er sich die ersten Sporen verdiente, eine Reise nach Paris. Da Laube den jungen Künstler aus dem tragischen Fach in das Gebiet des Konversationsstücks hinüberleitete, so hatte dieser in Paris die beste Gelegenheit, den feinen, eleganten Conversationston an der Quelle zu studiren, und in diesem Betracht kann diese pariser Reise in der Erzählung seines Lebenslaufs nicht übergangen werden. Im Juli 1860 verheirathete er sich mit Fräulein Pauline Pappenheim. Das ist in unserer ehefeindlichen Zeit die letzte Heldenthat, die wir von seinem Leben außer der Bühne zu berichten haben. Die Quelle, der wir die hier mitgctheilten biographischen Daten entnommen haben, heißt: Lotll-bll (Ehrentempel verdienter ungarischer Israeliten. Von Ignaz Reich, Lehrer des hebräischen und ungarischen Fachs an der israelitischen Normalhauptschule zu Pesth. Viertes Heft.). Es erübrigt uns nur noch, eine Charakteristik des Schauspielers zu entwerfen. Was diesen Punkt betrifft, so versteht es sich von selbst, daß uns der Lehrer des Hebräischen und Ungarischen hierüber im Stich läßt. Soweit er ihn aus eigener Anschauung kennt, ist er (echt provinziell) eitel Bewunderung für den geliebten ehemaligen Schüler der pesther Normalhauptschule, und wo ihm die eigene Anschauung fehlt-, beruft er sich gern auf lobende kritische Notizen in der Tagespresse.

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