Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 95 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Sonnenthal. 95 den sie in der Welt alles viel milder und günstiger beurtheilen lind würden namentlich nicht so vieles lächerlich finden; denn vor einem höchsten Verstände ist das Treiben aller Menschen nichtig und eitel. Der Doctor war über die Veränderung des Knaben so erfreut, daß er sich nicht enthalten konnte, dem Lehrer gegenüber seine Freude auszudrücken. „Der Felix ist doch ein Wunderkind," sagte er, „wenn Sie aber wissen möchten, wer das alles bewirkt hat, würden Sie staunen." Bei diesen Worten erschrak der Lehrer heftig, denn er glaubte sich verrathen. Er hat dem Knaben wol in allem nachgegeben, weil er sich zu solcher Nachgiebigkeit gezwungen glauhte. Aber wohl war er sich der Verantwortlichkeit bewußt, die er mit seiner geheimen Handlungsweise auf sich geladen. Konnte er denn berechnen, was daraus hervorgehen werde? Konnte er wissen, ob er den Schritt, welchen er durch seine Nachgiebigkeit zu verhindern meinte, nicht eben durch dieselbe befördert? Dieser bange Zweifel drückte sein Gewissen sehr. Wenigstens habe ich einen plötzlichen Ausbruch verhindert, das war sein einziger Trost, und die Zeit, ineinte er, könne gar noch vieles mit sich führeil, was den Knaben vielleicht auf andere Gedanken bringt. Jetzt aber, wo er vom Doctor in solcher Weise angeredet wurde, glaubte er, es sei alles verloren; denn sobald die Sache bekannt würde, werde sie auch in einer Weise gelöst werden müssen, und er fürchtete die Lösung. Deshalb war er sprachlos und unfähig, dem Doctor eine Antwort zu geben. Der Doctor aber wußte nicht, ob der Lehrer, weil dieser das Verdienst keineswegs sich selbst zuschrieb, aus geziemender Bescheidenheit, oder aus Neid, weil er einem andern dieses Verdienst nicht gönnte, feine Zunge im Zaum hielt, deshalb fügte er hinzu: „Wenn Felix die Sprachlehre gut kennen wird, Herr Lehrer, Hab' ich daran ein ebenso großes und vielleicht ein größeres Verdienst als Sie! Denn ich Hab' Jentel Frank den Rath gegeben." „Ah so," sagte der Lehrer, der nun wieder frei athmete, da ihm bei diesen Worten eine Centnerlast vom Herzen gefallen war, „da muß ich mich extra bei Ihnen bedanken, Herr Doctor." „Sie werden an dem Jungen noch Wunder erleben," sagte dieser und empfahl sich in dem angenehmen Bewußtsein, sich beim Lehrer durch die gemachte Mittheilung in hohen Respect gesetzt zu haben. Der Lehrer aber sagte sich, als der Doctor fort war: „Er meint die Sprachlehre. Gott lob! Er weiß nichts vom «Neuen Testament»." (Fortsetzung folgt.) Advll SmiMthAl. Die gutmüthige und glattrasirte Wohlbeleibtheit, deren Porträt hiermit unfern Lesern vorgeführt werden soll, gehört einem Menschendarsteller an, dem einstmaligen Schneidergesellen und gegenwärtigen k. k. Hofschauspieler Adolf Sonnenthal. Er wurde in Pesth den 21. Dec. 18:12 geboren. Der erste Unterricht, den der Knabe genoß, beschränkte sich, wie dies bei jüdischen Kindern nicht selten der Fall ist, fast ganz allein auf die Bibel. Die Mutter war es, welche in dem Kinde mehr als gewöhnliche Anlagen wahrzunehmen glaubte, die denn auch wirklich früher, als man vermuthen möchte, zum Vorschein kamen. Als Schüler der pesther israelitischen Normalhauptschule hatte er Gelegenheit, der Aufführung kleiner Stücke beizuwohnen, welche von den erwachsenem Schülern bei den in Ungarn üblichen Maifesten (iUrrjalss) im Hain des „Eisenbades" zur Darstellung gelangten, und wenn etwas im Stande war, seine Freude an dieser Kinderspielerei zu trüben, so war es der Umstand, daß er nicht selbst groß genug befunden worden, um mit einer Rolle bedacht zu werden, oder daß nicht wenigstens einen von den andern der jugendlichen Darsteller der Schlag getroffen, wodurch er vielleicht als Ersatzmann noch willkommen geheißen worden wäre; er muß einen solchen