Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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was versteht, warum er ein Christ bleibt lind nicht lieber ein Jud' wird, wenn die jüdische Religion die bessere ist; da er das nicht thut, so hält er wahrscheinlich die christliche Religion für die bessere, und zwar nicht, weil er muß, sondern weil er's glaubt, ebenso, wie Sie glauben." „Nun, auch recht", sagte der Lehrer, „was soll dabei Herauskommeu?" „Was dabei herauskommeu soll", sagte Felix, „das Hab' ich ja eigentlich von Ihnen erfahren wollen. Ich Hab' mir nämlich die Sache so ausgedacht. Entweder beide Religionen sind gut, oder nur eine ist die richtige. In jedem Fall wär' dann Eine genug. Memonefschech! (Wie du es nimmst) Ist nur eine die wahre Religion, warum duldet Gott, daß auch die andere daneben fortbesteht? — Sind aber beide gleich gut, was hat es für einen Zweck, daß zwei gute Religionen nebeneinander bestehen? Hätte Gott dann nicht mit Einer Religion auskommcn können? Und die beiden Religionen machen doch nur, daß sich die Menschen anfeinden. Warum ist Gumpel's Vater neulich eingesperrt worden, und warum Hab' ich im Wald" — Bei diesem Worte wurde .Felix blaß und bebte an allen Gliedern. „Was hast du im Wald?" fragte der Lehrer, einerseits neugierig auf das, was Felix zurückzuhalten bestrebt schien, andererseits froh durch diesen Zwischenfall der eigentlichen Frage vielleicht aus dem Weg zu gehen. „Im Wald", sagte Felix wieder erröthend, „Hab ich von einem Bauernburschcn mit einem dicken Strick einen Schlag auf den Rücken bekommen, weil wir den Heiland Jesus Christus gekreuzigt haben. Haben wir den Heiland Jesus Christus gekreuzigt? davon weiß ich nichts. Wer ist der Heiland Jesus Christus? und was ist das mit dem Kreuzigen?" „Das ist der Stifter der christlichen Religion", sagte der Lehrer. „Und wer "war er?" fragte Felix. „Er war ein Jude", antwortete der der Lehrer. „Er war also ein Jude," sagte Felix, „und hat selber die christliche Religion gestiftet? Nun sehen Sie, daß ich recht habe mit meiner Frage. Wenn Jesus Christus ein Jude gewesen ist und doch die christliche Religion gestiftet hat, so muß er die jüdische Religion nicht für die bessere gehalten haben. Und was ist daS mit dem Kreuzigen?" „Du wirst mir init deinen unaufhörlichen Fragen doch schon zu zudringlich. Der Kopf thut mir schon weh," sagte der Lehrer, welcher dem ihm unliebsamen Thema gern ein Ende gemacht hätte. „Wenn ich Ihnen zudringlich scheine," sagte Felix plötzlich stolz aufgerichtet und den Lehrer bedeutsam anblickend, „so will ich gehen; ich habe gemeint, nur iin Beisein der andern Kinder Hab' ich die Pflicht zu schweigen, wenigstens Hab' ich Sie einmal so verstanden. Ich habe gemeint, wenn wir zwei allein sind, kann ich fragen, was ich will; aber zudringlich will ich nicht sein. Ich werde mir auf einem andern Platze die Antwort holen. Adieu, Herr Lehrer." Hiermit wollte Felix fort, lieber seine letzte Aeußerung aber erschrack der Lehrer so, daß er ihn schnell bei der Hand faßte und ihn zurückhielt. „Was willst du thun", fragte er in größter Bestürzung, „wo willst du dir die Antwort holen?" „Beim Dechant!" sagte Felix kurz und trocken. „Beim Dechant?" rief der Lehrer, indem er die Hände zusammenschlug. „Ich will sehen", sagte Felix, „ob der mir auch das Fragen verbieten oder ob er mir Antwort geben wird. Antwort muß ich haben." „Lemaneschem!" (Um Gottes willen) rief der Lehrer, „was muß mir alles zukommen. Felix, ich bitte dich, mach' keine meschugene Streich', du könntest sie einmal bitter bereuen; wenn er dich tauft, so bist du verloren für das Judenthum, verloren für deine Familie, und du kannst dann nicht mehr zurücktreten. Nur das nicht, Felix; ich will dir antworten, soviel ich weiß." „Wenn Sie mir antworten wollen", sagte Felix, „so füllt es mir nicht ein fortzugehen; ich wollt' nur nicht zu-