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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 88

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. „Aristoteles ist ein Hund gegen ihn", erwiderte der Lehrer. „Nun sagen Sie mir", fuhr die Mutter fort, „meinen Sic nicht, daß er in seinem Alter und bei feinem Kopf mehr lernen könnte, als er lernt. Zum Beispiel: Sprachlehre, Rechtschreibung, kurz die deutschen Gegenstände. Das Kind darf doch nicht so aufwachsen wie die andern Kinder; er muß doch auch etwas für die Welt lernen. Gemoreh ist recht, aber er muß doch etwas werden." „He", lachte der Lehrer, „seien Sie unbesorgt. In vier Wochen lernt Ihnen Felix zwanzig Sprachlehrers und dreißig Rechtschreibungen zusammen. Er braucht sie nur einmal durchzulescn, weiß er sic schon auswendig." „Nun", sagte Jentel Frank, „mir ist es recht. Fangen Sie aber bald an, je früher, desto besser, denn ich Hab' meinen Plan mit dem Kind, es wird nächstens von Wien ein Bekannter von meinem Mann herauskommen, und ich möcht' mit dem Kind keine Schande aufheben." In dieser Weise wußte die kluge Frau unter Vorschützung mütterlicher Eitelkeit ihre wahre Absicht zu verbergen; denn sie dachte, der Lehrer wird sich mehr Mühe geben, wenn er nicht weiß, daß Felix bald in die Fremde gehen und nur noch kurze Zeit sein Schüler bleiben soll. Was aber Felix selbst betrifft und was für Gedanken sich in ihm herumtummeltcn, das werden wir gleich erfahren, sowie er das erste mal nach seiner Krankheit das Haus verlassen wird. IV. Ein geheimuißvollcs Buch. Im Grunde hatte Felix zu seinem Lehrer eine recht herzliche Zuneigung. Blos von jener Furcht, welche die andern Kinder vor demselben hatten, war er frei; wenn die andern Kinder die muthwilligen Launen und Späße, die sich Felix erlaubte, nicht wagten, so geschah dies — ganz abgesehen von dem Unterschied des Temperaments — nur darum nicht, weil sie das „Staberl" (Stäbchen) fürchteten, mit welchem der Lehrer, wie sie aus Erfahrung wußten, trefflich umzugehen verstand. Von jener Ehrfurcht, die aus innerer Achtung entspringt, war bei ihnen keine Rede; der Lehrer verstand es eben nicht zu imponiren und sich schon durch sein bloßes Auftreten Achtung zu verschaffen. In der Güte, d. h. sin der Länge, Dicke und Biegsamkeit seines „Staberls" lag das jeweilige Maß der Achtung, das sie ihm zollten. Man kann sagen, das „Staberl" war seine rechte Hand, ja, man kann sagen, es war mehr als diese, denn gesetzt den Fall, der Lehrer hätte zufälligerweise gar keine rechte Hand gehabt, so konnte er das Erziehungsinstrument, in welchem seine ganze Kraft lag, noch immer mit der linken zur Genüge handhaben, und daß Leute, die in die Nothwendigkeit versetzt sind, sich der Linken statt der Rechten zu bedienen, mit der Zeit in der Linken eine enorme Geschicklichkeit entwickeln, ist bekannt; aber ohne „Staberl" wäre der Lehrer ein geschlagener Mann gewesen, wenigstens in Gefahr, ein „geschlagener" Mann zu' werden; denn mit der Hand allein konnte er unmöglich ausreichen, so viel „Pätsch" (Ohrfeigen) gibt es gar nicht in der ganzen Welt, als er an manchem Tage hätte austheilen müssen, und wo sollte er dazu die Hände hernehmen! Es steht zu befürchten, daß er solche eher bekommen hätte. Felix hingegen, der, wie gesagt, von solcher Furcht frei war, empfand für den Lehrer eine gewisse Neigung. Hinter seinem Rücken, wie die andern Kinder pflegten, hat Felix nie etwas unternommen; was er that, das that er frei. Diese Neigung bewirkte es auch, daß Felix gleich damals, als ihn im Wald jener Bauernbursche mishandelt hatte, sich vornahm, mit dem Lehrer eine wichtige Unterredung zu haben; er wollte sich nämlich über einige Fragen, die ihm infolge des erlebten Vorfalls aufgestoßen waren und die ihn quälten, Belehrung holen; und gewiß hätte er diese Unterredung, die er selbst eine wichtige nannte, nicht bisjetzt hinausgeschoben, wenn er durch Bär Lederer's Dazwischenkunft nicht

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