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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 86

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. „Gumpel!" sagt der Schames in ruhigem Tone, „sei kein Narr und thu', was ich dir sag'; das ist nicht deine Sprach, das ist eine Red von meschuge Feiwele." „Meschuge Feiwele?" schreit Gnnipel — „meschuge Feiwele ist juster, als wie ihr alle zusammen seid. Wenn du so meschuge wärst wie meschuge Feiwele, hätt' man dich nicht eingesperrt. Eine schöne Religion das, welche die Höflichkeit verbietet!" „Gumpel, hör' mich an, jetzt werd' ich dir was sagen. Das ist mein fester Entschluß", sagte Bär Schames; „ich will mir keinen Poschc Jisrol aufziehen; willst du gescheit sein, ist gut, wenn aber nicht, so kannst du geh'n, wohin du willst, und wir sind geschiedene Leut'. Entweder du mußt ein ehrlicher Jüd werden, wie's Gott und die Welt will .haben, oder sei ver-, schwärzt, und ich will weiter nichts von dir wißen." „Und zu Bärl Lederer geh' ich doch nicht!" sagte Gumpel und ging zur Thür hinaus. „Gott soll geben, er soll ein gerathener Mensch werden!" sagte Bär Schames, nachdem Gumpel fortgcgaugen war. „Der Jung' hat sich ganz verändert, oder ich Hab' ihn mein Leben nicht gekannt; ich fürcht', der Jung' wird uns noch viel Schiwrelew machen, und wer Schuld daran ist, — leider Gottes! das bist du!" „Ich weiß nicht, wie du mir vorkommst, Bärl", sägte die Schamestin. „Ihr Männer seid aber alle so; wenn Gott etwas zuschickt, nehmt ihr's nicht an wie wir; beständig muß noch ein anderer die Schuld haben, als ob Gott allein nicht genug wär', eine «Gesehre» (ein Leid) über den Menschen zu schicken. Und wenn du schon jemand brauchst, dem du Schuld gibst, so solltest du wenigstens bei dir selber den Anfang machen. Warum hast du den Jungen nicht besser erzogen? Hast du den Lehrer schon einmal gefragt, was Gumpel lernt?" „Das ist deine Sach", versetzte er. „Ich Hab' keine Zeit, mich auf den Jungen umzusehen." „Versteht sich! was hast du zu thun?" «Hoirejes!» (ungeheure Geschäfte)!" sagte das Weib ironisch. „Und du meinst", versetzte er, „wenn du eine Schüssel Poiwedelkräpplech kochst, du hast die ganze Welt zusammen gearbeit'." „Poiwedelkräpplech kochen," sagte sie, „ist doch noch immer etwas mehr Mühe als wie Poiwedelkräpplech essen." „Mirl!" sagte der Schames ergrimmt, „jetzt hör' auf, oder es werden dich morgen die Weiber «inewacker choile» sein!" (Kranken besuchen) „Du willst mich krank schlagen?" sagte sie, „auch gut; wer schreit, ist ungerecht. Wein: du Recht hätt'st, möchtest du kein solch Geschrei «rächen, und «reine Meinung ist, daß es jetzt gleich ist, wer die Schuld hat, ob ich oder du; ich an deiner Stell' «röcht jetzt lieber sehen, was zu thun ist. Was laßt du den Jungen fortlaufen und weißt nicht, wo er hin geht." „Und kann ich", versetzte der Schanres, „dich nicht dasselbe fragen? oder hat er dir's gesagt, daß du ganz ruhig warten kannst?" In dieser Weise stritten die Eheleute noch lange miteinander fort, jedes bestrebt, die Last auf die Schultern des andern zu wälzen, worüber sie dann freilich nicht dazu kamen, einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Die Vorwürfe wurden wie spitzige Pfeilgeschosse hinüber und herüber geworfen und hatten keine andere Wirkung, als die erbitterten Gemüther gegenseitig noch niehr zu verwunden. Ueber ihre eigenen Empfindlichkeiten kamen sie niemals zunr eigentlichen Zweck, und anstatt Gumpel aufznsuchen und nach Hause zu bringen, vergifteten sic einander im bittern Zank das Leben. Wo ist Gumpel aber eigentlich hingegangen? Wenn der maulfertige, aber thatenlose Schames oder seine Frau, die in diesen Eigenschaften ihrem Manne nicht nachstchen wollte, wenn eins von ihnen sich nur die Mühe genommen hätte, die Thüre zu öffnen, die Gumpel hinter sich zugemacht hatte, sie würden es mit Leichtigkeit erfahren haben, daß Gumpel sich noch nicht einmal ins Wasser gestürzt hat. Gumpel saß draußen

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