Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Jllustr. Monatsh. für die ges. hatte er hier keinen Widerstand zu finden, und zweitens mußte ihm der Umstand, daß Reb Bär wegen derselben Sache, die er zu rügen hatte, eingesperrt worden, sogar zu Hilfe kommen. „Ja, ja", sagte er zu der Schamestin, die eben damit beschäftigt war einen gekneteten Teig mit einem Walkholz auszudehnen, „wir leben in einer schönen Zeit — nicht gedacht soll es werden. Wo is er) Gumpelleben? — Ihr werdet an dem Jungen noch große Freud' erleben, er wird ein schöner --Posche Jisrol» (Sünder) werden." „Warum?" fragte Gumpel's Mutter, die sich durch diese Ansprache beleidigt fühlte, „warum, was hat er denn angestellt? ist er nicht genug lang «Schinone essre»*) gestanden?" „He!" höhnte Bär Lederer, „mir scheint. Sie wollen ihn gar verercusiren! der Vatter laßt sich einsperren, der Vatter ist ein Narr; die heutige Welt ist gescheiter, die Kinder verstehn's besser wie die Erwachsenen. Für was soll sich Gumpelleben einsperren lassen; er braucht ja vor dem Glöckl blos das Kappel herunterzunehmen!" „Das ist nicht wahr!" sagte die Schamestin, indem sie, ohne auf ihn Rücksicht zu nehmen, ihren Teig immer mehr ausdehnte. „Sie haben von mir schon viel «Schkorim» (Lügen) gehört, daß Sie mir nicht glauben wollen. Da kommt er ja! fragen Sie ihn selbst, ob er die Krasche (Courage) haben wird, es abzuleugnen!" „Was hast du gestern auf der Brucken gemacht?" fragte Bär Lederer den eben eintretenden Gumpel. Der Knabe wurde seuerroth und schaute ihn an, ohne zu antworten. In demselben Augenblick aber hatte er zwei über die Ohren gekriegt, die seinen Wangen eine noch größere Rothe verliehen hätten, wenn dies überhaupt möglich gewesen wäre. „Recht so", spendete Bär Lederer der Schamestin, die sich zu dieser Thathandlung ihrem Gumpel gegenüber emporgcrafft, seinen Beifall. „Recht so!" *j Ein Gebet, das man stehend verrichten muß. Interessen des Judenthums. «Helwaje» (Gott wollte!) „Jentel Frank hält' solche gebenschte Händ', wie Sie haben; eine Vermessenheit! — todt unter meine Händ' müßt mir ein Kind niederfallen, das mir solche Streiche spielt'"; und nun ließ Bär Lederer dem Strom seiner Rede vollen Lauf, während Gumpel weinend hinausgegangen war. „Wenn mein Bär das wüßte", sagte die Schamestin, „möcht' er ihn krank schlagen." „Er verdient es aber weniger wie der andere", begütigte jetzt Bär Lederer zufriedengestellt. „Ich weiß nicht, warum Sie Gumpel den ganzen Tag mit dem «Meschumed» (ebenfalls so viel als: Sünder) herumlaufen lassen. Grad mit dem; der wird ihn noch verderben in die Grundhöll' hinein." „Ich weiß viel, mit wein er herumlauft," versetzte die Schamestin, „keine andere Sorg' Hab' ich, als zu sehen, mit wem Gumpel herumlauft; ich inein', er sitzt im Cheder und lernt, derweil lauft er im Feld herum. Was soll ich dazu machen, ich bin zu schwach; wenn mein Bär dazu zufrieden ist, kann es mir auch recht sein." „Ich hab's Ihnen gesagt, thun Sie jetzt, was Sie wollen. Du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, steht in der heiligen «Thoire», ich hab's gethan. Bleiben Sie gesund." In dem Augenblick, da er Weggehen will, fangt die Glock' an zu läuten, und Bär Schames kommt zur Thür herein. -> Er hatte seine vierundzwanzig Stunden abgesessen und ist wieder in Freiheit gesetzt worden. „Was macht Ihr da, Reb Bär", fragte er, „und warum weint der Jung draußen?" — wendet er sich an sein Weib? — „was ist denn da vorgegangen? Man hat außer dem Haus -> Schiwrelew» (Verdruß) genug, ich möcht' wenigstens im Haus «Menuche » (Ruh) haben." „Macht Euerm Weib keine Vorwürfe", sagte Bär Lederer „sie hat's nicht verdient, und wenn Ihr verdrießlich seid, weil Ihr habt vierundzwanzig Stunden sitzen müssen, so könnt Ihr Euch damit trösten, daß Euerm Gum-