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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 83

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Der Schlüssel. 83 glaub' es schon mehr als einmal von ihm gehört zu haben: Mein Felix wird ein Student werden, denn meine Frau will es so haben." Bei diesen Worten des Arztes leuchtete es in den Augen der Frau wie Feuer. Sie hat diesen Wunsch seit der Geburt des Kindes bis auf diesen Tag fortwährend im Herzen getragen, ihn aber seit jener Stunde nicht über die Lippen gebracht. Sie machte sich im stillen Vorwürfe, in der Art und Weise, wie sie den deutschen Namen „Felix" verlangte, gegen ihren Mann heftig gewesen zu sein, und wollte durch kein Wort die Erinnerung daran wachrufen. Nun erfuhr sie plötzlich, daß ihr Mann die Sache ernstlich genommen und daß er der Erfüllung ihres "Lieblingswunsches nichts in den Weg lege. „Ja", sagte sie zum Doctor, „Felix soll studiren; es ist mein Wunsch, daß er etwas werden soll, und wenn er nur wieder gesund ist, so sollen Sie sehen, Herr Doctor, wie sich jetzt alles verändern wird." „So!" erwiderte der Arzt, „jetzt bin ich mit Ihnen zufrieden; seien Sie um die Krankheit unbekümmert. Sie sehen, er schläft ganz ruhig, das Fieber wird vergehen, dafür gibt es Mittel; aber ich glaube. Sie werden mir für die andere Cur, die ich so eben an Ihnen bewirkt habe, einmal noch dankbarer sein; demt Felix wird etwas werden." Im Hause von Bär Schames (Gemeindediener) ereignete sich hierauf eine Scene, welche auf die Erziehung Gumpel's von ähnlicher Wirkung war, wie auf Felix' Erziehung das Gespräch, das wir eben gehört haben. In jeder Küche kocht man anders; äußerlich betrachtet war bisher in der Erziehungsweise der beiden Knaben kein Unterschied; beide gingen in dieselbe Schule und beide genossen dieselbe Freiheit; der Unterschied lag nur in den Motiven der Methode. Jentel Frank war — wie wir von ihr selbst gehört haben — der Meinung, inan könne das Wachsen der Pflanze selbst überlassen, und sie enthielt sich aller nach ihrer Ansicht nicht nur überflüssigen, sondern sogar schädlichen Einwirkung mit vollem Bewußtsein. Ihre Passivität war Maxime, sie hatte ihre eigenen Grundsätze, welche bis zu dem Augenblick, wo ihr der Doctor die Haltlosigkeit derselben zu beweisen suchte, noch niemand zu erschüttern gewagt hat. Anders war es bei Gumpel. Er that auch, was er wollte, oder vielmehr, was Felix wollte. Seine Aeltern aber haben sich hierüber niemals Rechenschaft gegeöen. Bar Schames war ein Mensch, der gern in Frieden das verzehrte, was sein Weib gekocht hat, ohne sich weiter um andere Dinge viel zu kümmern als um die ihm obliegende Wartung der Synagoge. Er ließ, wie man zu sagen pflegt, fünse gerade sein, und was ihn nichts anging, das löschte er nicht; seinetwegen durfte die Welt rund oder viereckig sein, und sein Weib Mirl war ihm in diesem Punkte ähnlich wie ein Ei dem andern. Gumpel ging ins Chever, weil die anderen Knaben ins Cheder gingen und es Bär Schames in seinem Leben nicht eingefallen ist, in irgendwelcher Weise eine Ausnahme zu machen. Ob Gumpel beim Lehrer etwas lernt, oder ob er mit Felix auf dem Felde herumspringt, das konnte ihm ganz gleichgültig sein. Kann Felix herumspringen, kann Gumpel es ebenso gut, es wurde hiervon gar kein Aufhebens gemacht. Bär Lederer aber, welcher die beiden Knaben in der Ferne beobachtet hatte, als sie den Geistlichen mit dem Glöckel grüßten, fand sich in seinem Gewissen beunruhigt, so lange er hier nicht persönlich eingegrifsen. „Du sollst deinen Nächsten zurechtweisen!" — sagte er zu sich selber—so steht es in der heiligen „Thoire" (Schrift). Auf welche Weise er bei Felix seine Zurechtweisung angebracht, haben wir erfahren. Im Hause von Löb Frank mußte er so rasch als möglich fertig werden, denn er wollte sich mit Jentel „Petitekopf" (ein kluger, spitzfindiger Kopf) in keine langen Drscussionen einlassen. „Die ist im Stande und wirft mich hinaus — sagte er sich — wenn ich ihr den Felix nur schief anguck'." JmHause von Bär Schames konnte er mit mehr Sicherheit auftreten und seiner Mission größeren Nachdruck verleihen. Erstlich 6*

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