Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 74 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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74 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des'Judenthums. gistrat hat sich diesem Antrag angeschlossen, der zur behördlichen Genehmigung nach Dresden ging. Schweiz. Bekanntlich hat die Regierung von Baselland beim Bundesrath gegen die Bestimmung im Niederlassungsvertrag mit Frankreich, welche die französischen Juden einläßt, Protest eingelegt. Seit der Vertrag nun in Kraft ist, sind einige Juden mit Niederlassungsbegehren eingekommen. Als die Regierung ihnen nicht entsprechen wollte, wandten sie sich an die französische Gesandtschaft in Bern, und der Bundesrath hat der Regierung Bedenkzeit bis zum 27. Aug. gegeben, zu sagen, was sie zu machen gedenke. In dieser Klemme wendet sich die Regierung an den Landrath und möchte an diesem einen sichern Rücken haben oder womöglich die Last ganz auf seine Schultern laden. Es wurde weidlich über die Bundesversammlung wegen Verletzung der Bundesverfassung geschimpft. Aenishänsli gab den Rath, die Niederlassungen nur provisorisch zu ertheilen, bis die Bundesverfassung und dann auch die unserige revidirt sein werden. Kloß, Fiechter von B., Thürkauf, Gürtler, Thierarzt Meier, Häner sind gegen Ertheilung von Bewilligungen. Graf und Bußinger zeigen, daß der Landrath nicht zu entscheiden habe, ob die Bundesversammlung competent oder nicht competent gewesen sei, den Vertrag abzuschließen, ebenso wenig, ob es eine Verfassungsverletzung sei oder nicht; diese Frage sei entschieden und der Vertrag in Kraft. Frankreich verlange nun, daß man seinen Juden, die darum nachsuchen, die Niederlassung gewähre. Es kümmere sich nicht darum, ob dies mit unserer Verfassung im Widerspruch stehe. Weigern wir uns, so wird Frankreich Mittel haben, dem Vertrag Nachachtung zu verschaffen. Wir können bei unserer Renitenz nichts gewinnen, sondern uns nur blamiren. Hrn. Thürkauf, welcher gesagt hatte, auch unsere Nationalräthe hätten zur Annahme des Ver- . trags nntgeholfen, erwidert Graf, daß es nicht wahr sei, indem er dagegen gestimmt. personalnachrichten. Nekrolog. Hr. Sigmund Artom, Secretär der italienischen Gesandtschaft in Paris, ist zum italienischen Gesandten in Konstantinopel ernannt worden. Die Herren Gebrüder Pereire haben einen großen Theil der Kosten der jüngst enthüllten Statue Arago's in Cstagel bei Perpignan, wo sie Deputirte sind, bestritten. Herr Isaak Pereire war unter den Rednern. Ein k. k. österreichischer Oberarzt in Holstein ist in Hannover unter Assistenz des Hrn. Rabbiner Meyer zum Judenthum übergetreten. Vor dem letzten Neujahrsfeste ehrte die leipziger Cultusgemeinde die langjährigen wissenschaftlichen Verdienste des in ihrer Mitte lebenden Prof. vr. Julius Fürst dadurch, daß sie ihm in officiellem Schreiben ankündigte, es sei ihm für Lebzeiten der erste Platz der Synagoge als Ehrenplatz angeboten. In solenner Weise wurde er hierauf an den mit einem silbernen Namensschild gezierten Platz geleitet. Gestorben: Am 29. Sept. in Padua Prof. David Luzzatto am Oolle^ium raddinicuni. Im 3. Heft dieses Bandes werden wir das Leben des uns entrissenen großen Mannes verführen. Gemeinde-, Lnltns-, Schul- und Vereinsangelegenheiten. In Fünfkirchen (Ungarn) ist ein neuer prachtvoller Tempel (ohne Galeriegitter und mit Orgel) im Bau begriffen. Die Gemeinderepräsentanz jener Stadt, in der bis zum Jahre 1848 keine Juden wohnen durften, spendete zu diesem Bau 200000 Stück Ziegel. Hr. Todesco wurde von der israelitischen Gemeinde Prags zu ihrem Vorsteher gewählt. Eine eigentümliche Scene wurde den zahlreichen Besuchern des wiener Stadttempels Samstag den 9. Sept. geboten. Hr. Prediger I)r. Adolf Jellinek verbreitete sich nämlich in einer Predigt über die großen Verdienste, welche der selige Hr. Mannheimer sich um die Hebung des Gottesdienstes im österreichischen Judenthum erworben hat. Ein Thema, welches sicherlich sehr interessant, sehr erbaulich, aber durchaus nicht neu ist. Ebenso wenig dürfte der behandelte Gegenstand an der Spitze der Tagesordnung stehen. Das Publikum hat die zahlreichen, von Hrn. vr. Jellinek in den dem Ableben des seligen Hrn. Mannheimer gefolgten Tagen über ihn gehaltenen, sein Wirken allseitig beleuchtenden und anerkennenden Reden noch frisch im Gedächtnis;. Es konnte allerdings an und für sich auffällig sein, daß Hr. Dr. Jellinek, dessen Ideenreichtum mit Recht so sehr bewundert wird, kein anderes Thema finden konnte; aber daß hinter dieser Wahl des Sroffs eine tendenziöse Absichtlichkeit stecke, fiel nur Hrn. Obercantor Prof. Sulzer ein, indem er nach der Predigt vortrat, sich vor der Bundeslade verbeugte und mit tiefbewegter Stimme in einer Ansprache an das Publikum die Verdienste des Verstorbenen anerkannte, aber auch für sich, den Lebenden, die Anerkennung einer der Hebung des Gottesdienstes unermüdlich gewidmeten fünfzigjährigen Thätigkeit zu beanspruchen bemüßigt zu sein erklärte. Hr. Prediger 6r. Adolf Jellinek und die anwesenden Vertreter der Cultusge-