Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 66 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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66 Jllustr. Monatsh. für die gef. mit Unrecht als unfreiwillige Beiträge zur komischen Literatur bezeichnen. Die eine der beiden Broschüren ist zu haben — versteht sich für Geld und gute Worte — in H- L. Brönner's Verlagshandlung zu Frankfurt a. M. und führt den Titet: „Straßenverbindung des Mittelländischen mit dem Todten Meere und Damaskus über Jerusalem mit Heranziehung von Bethlehem, Hebron, Tiberias, Nazareth u. s. w. Mit einem Plane. Von Chas. F. Zimpel, Or. mkä. et xlnlos., früherer Eisenbahn-Baudirector verschiedener Eisenbahnen in Amerika und Europa". — So, Gott sei Dank! daß wir wenigstens mit diesem langathmigen Titel des Büchleins fertig sind, und wir rathen dem Leser freundschaftlich, denselben nicht in einem Athemzug zu lesen. Der Titel der andern Broschüre zeigt sich von dieser Seite wenigstens für den Athem unsers Lesers minder gefährlich; er lautet in bündigster Kürze: „Die Verjudung des christlichen Staats. Ein Wort zur Zeit", und ist erschienen bei dem Verleger musikalisch-ästhetischer Werke, Heinrich Mathes iu Leipzig. Den Verfasser dieser zweiten Broschüre können wir unfern Lesern nicht nennen, und zwar aus dem gewiß jedermann einleuchtenden Grunde, weil wir ihn selbst nicht kennen. Er ist als Ritter mit geschlossenem Visir auf dem Kampfplatz erschienen und hat wahrscheinlich nur vergessen, dasselbe zu öffnen. Aber das können wir unfern Lesern sagen: der Umschlag dieser Broschüre ist roth, und roth bedeutet die Liebe, während Zimpel's Broschüre in die Farbe der Hoffnung gekleidet uns entgegenlächelt. Betrachten wir diese zuerst und sehen, welche Hoffnung sich darin erfüllen soll. Um unsere verehrten und zum Theil sicherlich auch neugierigen Leser nicht lange im Unklaren zu lassen, wollen wir ihnen das Geheimniß, welches sich uns erst auf der 25. Seite der 47 Seifen starken Broschüre aufthat, sogleich verrathen. Es ist die Hoffnung der Rückkehr der Juden nach Jerusalem. „In imposanter, fast schwindelnder Höhe", sagt Herr Zimpel, „ragt die heilige Weltstadt Jerusalem Interessen des Judenthums. hervor. Es bildet in religiöser Beziehung für circa 600 Millionen, oder die Hälfte des ganzen, diese Erde bewohnenden Menschengeschlechts mehr oder weniger den Centralpunkt." Jerusalem rechtfertigt — nach allen von Herrn Zimpel zusammengetragenen Umständen — den Anspruch, die — mit fetter Schrift gedruckte — erste Stadt der Welt zu sein. Um aber nach Jerusalem zu kommen, braucht man eine Eisenbahn, und zwar eine Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem; denn die gegenwärtige Beförderungsmethode auf Eseln und Maulthieren ist nicht nur sehr kostspielig, sondern auch mit großen Gefahren, wenigstens mit außerordentlichen Mühseligkeiten verbunden. Daß aber namentlich die Juden auf Jerusalem als auf ein Asyl zu sehen haben, wohin sie sich flüchten könnten, beweist der Verfasser durch eine höchst geistreiche politische Conjectur, nach welcher „ganz Europa einem Vulkan gleicht, der durch sein unterirdisches, dumpfes Getöse jedem vorurtheilsfreien Menschen einen sehr verständlichen, bald zu erwartenden furchtbaren Ausbruch deutlich genug vorher verkündet, um durch seine Lava alles, was Jahrhunderte mühsam erbaut hatten, in kurzer Zeit für immer zu vernichten." Dabei wird es nach der Ansicht des Herrn Zimpel namentlich den Juden übel ergehen, man wird ihnen ihr Vermögen rauben und sie vertreiben. „Was", fragt Herr Zimpel, „wird solchen Juden, die heute nicht im entferntesten an eine Auswanderung, am wenigsten nach Palästina denken, übrigbleiben, als der' Einladung ihrer Brüder in Palästina zu folgen, mehr auf ihr, d. h. auf das Alte Testament und die darin von allen Propheten ihnen vorhergesagte Rückkehr ins Land ihrer Väter zu blicken, um die Verheißungen des alleinigen Gottes in Erfüllung zu bringen? Alle orthodoxen Juden wissen dies und warten nur auf die Zeichen der Zeit, um ins Land ihrer Väter zurückzukehren" u. s. w. Es ist daher von Jaffa nach Jerusalem unbedingt eine — mit fetter Schrift gedruckte — Eisenbahn anzulegen.