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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 62

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 62 (sequence 67)
Language
German
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62 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenhums. Epos, geeignet ist, es wäre denn Paulus, dessen Bekehrungsreisen und Erlebnisse allerdings einen großartigen und echt poetischen Charakter haben. Allein die Schicksale des Apostels Paulus stehen — was Wohl zu beachten ist — nur mehr in sehr losem Zusammenhang mit der Person des Messias selbst. Wie anders verhält es sich mit der Bibel der Juden! Welche reiche Fülle an imposanten Charakteren, an großartigeil Ereignissen, an wildbewegten Scenen! DerHhilosoph hat Recht, wenn er in gleichem Maße den Muth desjenigen preist, welcher als Held in der Schlacht, wie den Muth desjenigen, welcher als Märtyrer in einem Fasse siedenden Oels seinen Untergang findet. Aber der Dichter wendet sich nicht dem einfachgroßen, sondern dem großen und äußerlich glänzenden Schicksale zu, und voir diesem Standpunkte aus dürfen wir Wohl fragen: Was ist poetischer, das Schicksal des Königs Saul, oder das Schicksal des Apostels Petrus? das Leben des königlichen Sängers und Helden David, oder das Leben des milden und liebevollen Predigers Johannes? der Kampf der Makkabäer oder der Glaubenseifer des Philippus? So ist es denn leicht zu erklären, daß die schönsten Stellen der „Messiade" gerade die lyrischen sind, und daß — wie aus den folgenden Darstellungen des nähern sich ergeben wird — die deutschen Dichter zumeist nicht Klopstock's, sondern Milton's Beispiel gefolgt sind. Di-. Adolph Stamm. In Händen lrei. Roman von Rahel, Verfasserin von „Zwei Schwestern", „Rahel", „Wider die Natur", u. a. Berlin, Otto Janke, 1865. „In Banden frei" ist der Titel des Romans, den die rühmlichst bekannte Verfasserin genannter Romane in diesem Jahre veröffentlicht hat. Kaum dürfte ein Titel gefunden werden, der treffender den Inhalt des vorliegenden Werkes bezeichnte. „In Banden frei" kann ja nur das geistige und sittliche Wesen des Menschen sein, und daher ist es selbstverständlich, daß wir es hier in erster Reihe mit dem intellektuellen Wesen des Menschen, mit seiner ethischen Seite zu thun haben. Wenn die Verfasserin in ihrem Eingangswort richtig bemerkt, „daß man jetzt keine Pflanze untersucht, ohne den Boden zu prüfen, aus dem sie hervorgegangen ", so verfahren wir wol auch sachgemäß, wenn wir bei Prüfung des vorliegenden Buches, bei Betrachtung seines leitenden Gedankens den Boden untersuchen, aus dem beides hervorgegangen, und die innige Verbindung nachzuweisen uns bestreben, in der das Werk zu dem Boden steht, der es gezeitigt hat. Dieser Boden ist das Judenthum, das jüdisch-religiöse Leben. Denn auch hier ließe sich, falls man nach einem Schiboleth suchte, das das Dasein dieses Stammes kennzeichnete, das Wort setzen: „In Banden frei". Es gab zu allen Zeiten, unter dem entsetzlichsten Druck von außen für den Juden eine Region, wohin keine Gewalt, kein Zwang dringen konnte; es gab für ihn eine innere Ueberzeugung, die er weder fremdem Haß, noch fremder Liebe opferte. Diese innere, sittliche Ueberzeugung prägte sich in tausendfachen Formen aus, die, wenn sie auch der Außenwelt unverstanden blieben, doch an einem Grundzug erkannt und anerkannt wurden, an dem Grundzug eines reinen, sittlichen Familienlebens. Das jüdische Familienleben ist denn auch der Grund, auf dem Fr. Rahel ihr Werk aufgerichtet, und sie gibt ein echtes, unbefangenes Bild dieses Lebens. Es versteht sich sonach von selbst, daß wir es hier nicht mit spannenden Katastrophen, mit keinen von außen bewegenden Elementen zu thun haben. Und dennoch ist es nicht ohne Reiz, dieses Leben; dennoch schließt es so viel echt menschliches Empfinden ein, dennoch ist selbst das Fremdartige und Geheimnißvolle, das in manchen Formen sich ausspricht, so anziehend um eben dieser Elemente willen, daß die wahrheitsgetreue Schilderung desselben in dem genannten Buche der Verfasserin

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