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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 57

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 57 (sequence 62)
Language
German
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Der Messiasglaube. 57 ments). Außerdem sollen die kriegerischen Eroberungen damit ausgeschlossen werden, eine Mehrung der Herrschaft nach außen aber wird vielleicht in Aussicht gestellt selbst bei ständigem Frieden (z-p zvx virBii). Es ist in diesen Stellen von keiner moralischen Eroberung der Außenvölker durch Verbreitung der Gotteserkenntniß und -Lehre die Rede, sondern von einer Aufrichtung und Befestigung des Reichs durch eine „gerechte Regierung." Selbst 11, 10 ist nicht in diesem Sinne zu deuten, sondern will sagen, daß der König von den Außenvölkern gefürchtet und geehrt sein wird und diese ihm ihre Huldigung und Anerkennung entgegentragen werden, gleichwie es die Geschichte von König Salomo erzählt. Hierdurch wird er lind sein Land eine ehrenvolle Ruhe genießen (nirnn nn-'Ni 112!-). In Vers 9 bezeichnet darum auch wol nicht „Erde", sondern „Land". Zum Beweise dieser engern Beziehung auf Palästina und Israel fährt der Prophet Vers 11 fort und knüpft daran sofort die Weissagung von der hierdurch zu erhoffenden Wiedervereinigung der getrennten Stämme und Reiche in Israel. Wir bemerken auch hiervon denThierbildernin1l,6fg., daß sie durchaus nicht ungewöhnliche erträumte Zustände einer fernen messianischen Zukunft schildern, sondern eben mit Bezug auf die Trennung und Anfeindung der israelitischen Stämme und Reiche eine Darstellung dieser Anfeindung und Verfolgung nach ThiereSart, wie wenn sich die fremdesten lind gehässigsten Völkerstämme gegenüberständen, und eine Hindeutung auf den zu erhoffenden und erstrebenden Frieden zwischen ihnen enthalten. An eine Umgestaltung der physischen und animalischen Naturverhältniffe ist am wenigsten zu denken. Denn es ist unmöglich, die Einrichtung der göttlichen Naturverhältnisse als verfehlt und einer Verbesserung bedürftig zu denken und darzustellen, an unserer Stelle hier auch unbegreifbar. Nicht einmal von der thierischen Natur des Menschen überhaupt ist die Rede als der Veranlassung zur Sünde, sondern von der feindlichen und mörderischen Verfolgung der Menschen- und Bruderstämme — nach Thieresart. Auch der Bezeichnung des Löwen als wieder „Stroh (Heu) fressend gleich dem Stier" liegt nicht die Annahme einer animalischen Verderbtheit und einer Einlenkung in die etwa ursprünglich anders vorgeschriebenen Naturgesetze zu Grunde. Es scheint dem Propheten vielmehr die Idee vorgeschwebt zu haben, daß die fleischfressende Natur und Gewohnheit des Menschen eine Abweichung von dem ursprünglichen göttlichen ^Willen darstellen, eine Idee, die auch biblisch, Gen. 1, 29 im Gegensatz zu das. 9, 0, begründet erscheint. Der Nachweis bloßer Malmzähne und des gänzlichen Mangels an Schneidezähnen an allen ägyptischen Mumien läßt auch voraussetzen, daß die Nahrung der frühesten Generationen nur vegetabilisch gewesen sei. Der Prophet denkt ferner vielleicht an die aus dem Fleischgenuß entspringenden rohen und sündhaften Leidenschaften und thierischen Triebe, auf deren zukünftige Unterdrückung er zum Zweck des Friedens hinzielt. Uebrigens ist ja die Darstellung des Friedens unter dem Bild dieser Thiere ebenso wenig wie unter dem der früher«: „Wolf und Lamm u. s. w.", als dereinstig in der Natur wirklich vorzustellen. Diese Bilder sind die Phantasien des dichterischen Propheten. Nicht das Bild, sondern das unter ihm Dargestellte ist stets nur der Wirklichkeit entnommen und in ihr realisirbar zu denken, — und das ist hier der Friede zwischen den sich anfeindenden israelitischen Bruderstämmen und Reichen. Diese national-jüdische Beschränkung der Messiasidee ist nicht auffallend. Der Blick der Propheten erweiterte sich über diesen engen Raum der jüdischen Nation hinaus, als der jüdische Staat selbst zerfallen und die jüdische Nation zersprengt war. Daher sind die messianischen Anschauungen und Darstellungen des zweiten Jesaias viel universeller gehalten. Messianische Anschauungen und Darstellungen sind es jedenfalls auch beim ersten Jesaias, nur bewegen sie sich noch auf jüdisch-

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