Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 54 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Jllustr. Monatsh. für die gef. sias sind ihm fremd. Gott ist der Erlöser Israels und seinem Einfluß werden die Zeiten der Gerechtigkeit und der Wiedercrhebung zugeschrieben. Wir werden indes; erkennen, wie selbst der erste Jesaias nicht verfehlt, der nressianischen Erhebung seines Volks eine universelle Bedeutung und Ausdehnung auf alle Völker zu geben, zum deutlichen Beweise, daß die particularistischnationale Beschränkung der Messiasidee und die Hervorkehruug der „Persönlichkeit" und „dynastischen Abstammung" des Messias in solchem Sinne auf irrigen Anschauungen über die betreffenden Bibelstellen beruht. Gleich die ersten Kapitel des Jesaias sprechen von dem sündhaften, aber auch sich wieder bessernden, dem gefallenen, unglücklichen und gestraften, aber auch sich wieder erhebenden, glücklichen und versöhnten Israel. Dabei weist der Inhalt der Weissagung wie der einleitende Ausdruck: „in den zukünftigen Tagen" darauf hin, daß cs messianische Erwartungen sind. Denn da heißt es, „in den zukünftigen Tagen" werde der' Berg des Gottestempels — der Ort, von wo die Lehren des Judenthums ausgehcn, und somit bildliche Bezeichnung des letztern selbst — höher sein denn alle Berge, und es werden zu ihm Hinströmen alle Völker der Erde, um die Lehren Gottes, seine Wege und Pfade kennen zu lernen. Auch fehlen die übrigen Merkmale messianischer Zeiten nicht, wie: „allgemeiner Friede der Völker, gemeinsames Glück aller Menschen, Wohlstand lind ein Leben in ungestörtem Frieden durch Entfernung aller sittlichen Verderbnis; und materiellen Noth". (2,4—4, Ende). Aber nirgends geschieht der Erwartung eines rnLn specielle Erwähnung. Wir bemerken auch noch, daß nur unter NLL, 4, 2, den spätem Aufwuchs des Menschengeschlechts, zunächst natürlich in engerer Beziehung auf Israel verstehen, abweichend also von jener Ansicht, die darin hier wie anderswo den Ausdruck eines persönlichen Messias findet. Zur Unterstützung unsrer Deutung verweisen wir auf Jes. 60, 21, wo ebenfalls eine messianische Weissagung enthalten ist und das Interessen des Judenthums. Volk (-!::-) gleichfalls als eine Pflanzung Gottes bezeichnet ist. Auch Jbn Esra bemerkt im Einverständniß mit unserer Beutung zu n n::2: „Mir scheinen darunter die Frommen Jerusalems (also nicht: der Messias) verstanden zu sein, denen Rettung (Erlösung) wird." Auch aus Jes. 26, 19, wo der Prophet die in der Erde schlummernden- Todten durch einen befruchtenden Thau lebendig werden und aus der Erde auferstehen läßt, geht die Beliebtheit der aus der Pflanzenwelt entnommenen Bilder hierfür hervor. Das bekannte biblische --u „Same", für „Nachkommenschaft", „Nachwelt" gehört auch als unterstützendes Zeugniß für unsere Ansicht hierher. JesaiaS, Nur meinen den ersten, kannte überhaupt noch nicht die vollständige Auflösung des Volks und den Untergang der nationalen Selbständigkeit, wie den Sturz der Dynastie, wovon er deshalb auch nicht spricht, sondern nur von einer Bekricgung des Volks und einer Gefährdung des Davidischen Throns, welcher durch eine gerechte Regierung aber wieder fest werden und in Ewigkeit nicht wanken würde. Von diesem Gesichtspunkt aus sind seine mcffianischen Weissagungen für Volk und König zu verstehen, wobei an Israel anknüpfend sich sein Blick über die ganze Menschheit ausdehnt und seine Prophezeiungen und Erlvartungen sich verallgemeinern. So nahe also auch Jesaias dein Davidischen Königshause steht und von demselben und für dasselbe weissagt, so spricht er doch nicht von einem uru -,2 und thäte er cs, er könnte nicht von ihm, einer einzelnen Person und einem späten Sprößling des Davidischen Königshauses als dem einzigen Mittelpunkt des ganzen messiauischen Jdeenkreises reden. Es ist eine äußere Veranlassung, welche die weitern messiauischen Prophezeiungen des Jesaias hervorruft: die Verbindung Arams und Israels zur gemeinsamen Bekricgung Judas wovon König und Volk den Untergang fürchteten. Der Prophet hat ein doppeltes Recht, euren religiösen Standpunkt hierbei einzunehmen: einmal um