Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 53 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Messiasglaube. 53 Christus. Man erkennt aber, daß hier bei dieser Umdeutung auf Christus als Gott uird Opfer von ihm als Messias im jüdischen Sinne nicht mehr die Rede sein kann und der Begriff der jüdischen Messiasidee hierbei gänzlich alterirt erscheint. Da die Messiasidee in den ewigen Grundwahrheiten des Judenthums wurzelt und demselben prineipiell innewvhnt als der Glaube an den ewigen Bestand des Judenthums, wie dessen fortschreitende allgemeine Anerkennung und Verbreitung, so läßt es sich erklären, daß sich Aussprüche dafür schon in den Mosaischen Osfenbaruugsbüchern selbst finden. Es finden sich diese in der That in den berühmten Weissagungen der Zukunft Israels am Ende des dritten und vierten Buchs Mosis, die sich sozusagen wörtlich bis auf den heutigen Tag erfüllt haben. Da ist'S schon geweissagt, wie es sich erfüllt hat, daß mit dem religiösen lind sittlichen auch der nationale und materielle Verfall Israels Hand in Hand gehen, aber ebenso auch, daß bei alledem Israel durch seine Lehre immer noch Lebenskraft genug in sich bewahreil werde, um nicht vollständig unterzugehen, sondern sich an seinem Gott und an seiner Lehre wieder zu erheben. (Lev. 26. Deut. 30). Es gelten diese Weissagungen auch als messianische (vergl. Maim. H. Mel. I I. Commeut. zur Mischn. Sanh. 10), lind es läßt sich nicht leugnen, daß darin die Summe aller messiauischeu Hoffnungen zusammengetragen ist: „Nothwendige Forterhaltung Israels um seiner Lehre willen, Israels Verfall durch Abfall davon, aber Rückkehr zu derselben und dadurch bessere Zeiten, ivo höhere Sittlichkeit und der ewige Segen Gottes Israel beglücken wird." Von der universellen Verbreitung des Judenthums ist freilich in jenen ersteil Zeiteil der Offenbarungsidee noch nicht die Rede, weil es vorerst daranf ankam, den Glaubensbaum in Israels Boden feste Wurzel fassen zu lassen, bevor er seinen Schatten über die ganze Erde ausdehnen und alle Völker unter ihm zu wohnen eiuladeu könne. Und wenn hier das vorgebliche Hauptcharakteristikon: „die Persönlichkeit des Messias oder gar seine Davidische Herkunft" fehlt, so geht eben hieraus hervor, daß dies nicht als die Hauptseite des Messianismus hervorzukehreu sei. Die Besprechung der übrigen messianischen Stellen in den Mosaischen Büchern wie iil der Heiligen Schrift überhaupt behalten wir uns vor, wie auch die Entwickelung des Messianismus in der nachbiblischen Zeit. Wir wählen hier nur noch eine der vorzüglich messianischeu Stellen aus dem ersten Jesaias heraus, lim daran zu zeigen, wie untergeordnet selbst bei den (vorerilianischen) Propheten in ihrer Darstellung des Messiasglaubens die „Persönlichkeit und Davidische Abstammung" des Messias ist. Jesaias lebte zur Zeit, als der religiöse und politische Verfall Israels bereits seinen Anfang genommen und in der Trennung der Reiche bereits seinen ersten Ausdruck gewonnen hatte. Er beginnt darum von vornherein mit Mahnreden darüber, die er svwol an das Volk wie die Könige richtet. In seinen Weissagungen besserer Zeiten zum Ausdruck seiner messianischen Ideen wendet er sich deshalb auch sowol an die Könige wie das Volk, die er gemeinsam zur Rückkehr auf bessere Wege ermahnt, indem er das Ideal eines guten Volks und Königs aufstellt und denen eben die erhofften Zustände vollkommenen Glücks und Segens prophezeiet. Ein auffallender Unterschied macht sich hierin zwischen dem ersten und zweiten Jesaias geltend. Da der erstere zur Zeit lebte, in welcher das israelitische Reich und die Davidische Dynastie noch bestand, lind ihm an der Erhaltung dieser gelegen ist, kann er den König nicht umgehen, ohne jedoch daß er denselben in dem Sinne darstellt, wie man gewöhnlich die Persönlichkeit des Messias mit nothwendiger Davidischer Abstammung auffaßt. Der zweite JesaiaS dagegen lebte zur Zeit, in welcher die Selbständigkeit Israels bereits verloren und die Davidische Dynastie untergegaugen war. Er spricht darum nicht von einem Messias, sondern nur von messianischen Zeiten. Die Ideen eines persönlichen und Davidischen Mes-