Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 52 (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417814--569-2418409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

52 Jllustr. Monatsh. sür die ges. ebenfalls wegen des sittlichen und religiösen Verfalls und der infolge seines Reichthums und feiner Ueppigkcit aufgehäuften Sünden und Laster von Gott Untergang und Verlust seiner nationalen Selbständigkeit und ähnlich wie Israel Bekrieg»,ig durch Assur und siebzigjährige Gefangenschaft angedroht wird. Aber durch Sittlichkeit und Frömmigkeit wird es erlöst und zu seinem früher,, Reichthun, und Wohlstände wieder zurückkchren. Wir sehen also: die Bewahrung des Rationellen thut dem Universalismus der Idee keinen Abbruch. Es läßt sich auch nicht leugnen, das; Völker ebenso gut ihre Individualität und Eigenthümlichkcit haben, die für sie wie für das Ganze von Nothwendigkeit ist, und deren Bewahrung bei einem ganzen Volke ebenso gnt zum vollständigen Glücke gehört, wie bei einzelnen Personen. Gott hat sie anch in der Natur die Besonderheiten geschaffen und gerade durch diese Mannichfaltigkeit das Schöne zn erzielen gewußt, welches überall Abwechselung in der Einheit ist. Anders aber ist es im Christenthun,. Wir wissen, das; dieses in ei» Urchristenthum, wie es ursprünglich und anfänglich in Palästina bestand, und ein historisches Christenthun,, wie cs sich in der Geschichte factisch gebildet hat, geschieden werden muß. Das Urchristcnthum der jüdischen Partei in Palästina hielt auch an dem jüdischen Begriff der Messiasidee fest; darum beginnt auch Matthäus mit der Genealogie Jesu zum Nachweis seiner Davidischen Herkunft. Infolge der Paulinischcn Nebcrtragung der neuen Lehre auf die Heidenvölkcr wurde das Christenthum durch die Vermischung mit den religiösen Elementen dieser Völker wesentlich „ingestaltet. Die heidnische» Religionen waren Naturreligioncn, ihre Götter Naturgötter. Die Naturkräfte liegen in ewigen, Kampfe miteinander, wobei immer eine zeitweise unterliegt, stirbt und später wieder auflebt. Dieser Umstand machte den Hcidenvölkern gegenüber auf der einen Seite die Vergöttlichung Jesu und auf der andern dessen Tod und Wiederauferstehung „othwendig. Dies gab auch Interessen des Judenthums. die eine Veranlassung, in diesem 5,3. Kapitel des Jesaias den Tod Jesu vorgezcichnet und geweissagt zu finden. — Die andere Veranlassung zu dieser Umdeutung des besagten Kapitels auf den Opfertod Jesu gab das zweite heidnische Element, welches in die neue Lehre eindrang: die in, Widerspruch mit dem Judenthuui vorgcnommene falsche Auffassung der Opferidee. Während nämlich die mosaischen Opfer nur eine symbolische Bedeutung haben, ist es eine rein heidnische Auffassung, dem Opfer eine stellvertretende Bedeutung unterznschieben, welches den verdienten Tod für den Sünder zu leiden habe und die erzürnte Gottheit durch das unentbehrliche Blut versöhne. Abgesehen davon, daß hiernach alle andern Opfer außer den, Sündenopfer überflüssig würden und die unblutigen Opfer unerklärt blieben, begreift mau nach dieser typische» Auffassung der Opfer, wonach eben JesuS das wahre Opfer sein soll und alle andern Opfer in ihm aufgehen und ihre Endschaft erreichen, die Wiederholung der Opfer seitens des sündhaften Menschen also unnöthig geworden sind, die Weissagung der Propheten auf die Wiederherstellung der sistirten Opfer durch die erhoffte Erlösung nicht. Gegen diese Darstellung Jesu als Opferlamm — und Priester mußte nun seine Bedeutung als König in den Hintergrund treten, abgesehen von dem Widerspruch, in ivelchen inan sich dadurch zur jüdischen Anschauung von, Messias setzte. Ja, die Bedeutung als „König" im Messiasbegriff erscheint selbst von, christlichen Standpunkt als eine nebensächliche, da in dein Evangelium der späteren Periode: „Lukas" die Davidische Abstammung zum Nachweis seiner Göttlichkeit dahin abgeändert erscheint, daß inan sie in, Widerspruch mit jüdischen Anschauungen auf die weibliche Linie übertrug, und im Evangelium „Johannes" von der Davidischen Abstammung vollständig abstrahirte. In dieser veräi,derlei, Auffassung der alttestamentarischen Opferidee wurzelt ebenfalls die Umdeutung des 53. Kapitels in, Jesaias auf die Person des durch seine Leiden und seinen Tod sühnenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.