Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 51 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Messiasglaube. 51 ist nach jüdischer Anschauung diese concrete materialistische Auffassung der Messiasidee als eines 111 ->2 rnAn erklärlich, da das Erwachen des Messiasglaubens gerade in den Zeiten des Exils sowol in dem politischen und dynastischen wie religiösen Verfall Israels seinen Grund hat. Der Bestand des Judenthums und die Wiedererhebung des Volks ist zwar in der allgemeinen Wahrheit und Freiheit seiner Religion, in der ihr innewohnenden Kraft geistiger und sittlicher Erhebung begründet, aber der Verfall, hervorgerufen durch die Unsittlichkeit des Volks und das schlechte Regiment der Könige, machte zunächst auch die Erlösung des Volks von der sittlichen und religiösen Wiedererhebung seiner selbst und seiner Könige abhängig. Dies machte, sozusagen, den Begriff eines persönlichen Messias nothwendig, und zwar eines aus Davidischem Geschlecht, da das Zehnstämmereich seine Beziehungen zum Judenthume aufgegeben hatte und darum auch spurlos vom Schailplatze der Geschichte verschwunden ist, das Reich Juda aber nach diesem unter Davidischem Scepter fortdauerte. Es gewann daher für das Königshaus die Davidische Dynastie dieselbe Bedeutung wie der Stamm Juda für das Volk. Man benannte die Nachkommen des israelitischen Volks „Juden" und erhoffte für das Haus „David", das rechtmäßige Herrscherhaus, zunächst die Wiedervereinigung aller Stämme unter sein Scepter und dann in einem Davidischen Nachkommen die Wiederauflebung der untergegangenen Dynastie und Wiedererhebung des Volks. Wenn man aber auch die Wiederherstellung der untergegangenen Selbständigkeit des jüdischen Staats in engeren Zusammenhang mit der Messiasidee bringen und darum den Begriff eines „persönlichen Messias von Davidischer Herkunft" festhalten zu müssen glaubt, so steht das nicht im Widerspruch mit den Grundideen des Judenthums, welches von den Erdenverhältnissen des Menschen ausgeht und diese als die nothwendige materielle Unterlage betrachtet, welche die Religion als das geistige Element zu beleben und zu veredeln hat. Das Judenthum trennt nicht Staat und Kirche, sondern will und erstrebt vielmehr die principielle Durchdringung des Staatlichen (Weltlichen) und Kirchlichen. Die politischnationale oder materielle und allgemein-ideale oder geistige Auffassung der Messiasidee würde sich also hiernach nicht einmal widersprechen, sondern nach den Principien des Judenthums wesentlich ergänzen. Nur würde natürlich dadurch der Begriff des nin wiederum zu einer Idee hypostasirt werden. Denn die Messiasidee darf ihre universelle Bedeutung nicht verlieren, wenn wir auch den Humanismus nicht so weit ausdehneu, daß mit der universalen Verbrüderung aller Menschen alle individuellen Unterschiede der 'Nationen aufgehoben und verwischt werden müßten. Ein solcher Humanismus, welcher alle Sonderheiten in das Allgemeine auflöst und jenen vor diesem gar kein Recht der Existenz zukommen läßt, ist überhaupt eine moderne Erfindung und eine im Spiritualismus des Christenthums wurzelnde Idee, welche, von allen Verhältnissen der Wirklichkeit abstrahirend, weder Realität hat, noch je gewinnen kann. Denn das Allgemeine eristirt nur im Besonder». Israel baut sich in diesem aus und kommt außer diesem gar nicht vor. Falsch ist es nur, wenn das Besondere sich vor dem Allgemeinen stets als ein solches behauptet und das Allgemeine gar nicht zur Verwirklichung kommen läßt. Darum darf selbst in der idealen Auffassung des Messiasbegriffs die politisch-nationale Seite des Judenthums als das individuell-weltliche Element neben dem allgemeingeistigen zum Ausdruck kommen, wie ja selbst auch das individuell-volksthümliche ebenso gut sein Recht hat als individuell-persönliche. Es fällt dadurch in keiner Weise der Schein eines ausschließenden Particularismus auf das Judenthum. Es läßt sich vielmehr aus den Propheten selbst Nachweisen, daß auch den andern nicht-israelitischen Völkern ihre nationale Selbständigkeit gleich Israel gewahrt wird. So Jes. 23 in der Weissagung auf Tyrus, dem 4*