Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 50 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417814--567-2418407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5» Jllustr. Monatsh. für die ges. Wille Gottes durch ihn vollführt werden. 1 l: Ob seines Mähens und Duldens wird er es so zur Befriedigung schauen, durch seine Erkenntnis; wird mein tugendhafter Knecht viele zur Tugend führen und ihre Sünden auf sich nehmen. Darum gebe ich ihm vieles zum.Antheil und theile Mächtige ihm als Beute zu dafür, daß er sein Leben dem Tode preisgegebcn und zu Sündern ist gezählt worden und die Sünden vieler getragen hat, der für Frevler sich strafen ließ. Wir fassen zunächst die natürliche Erklärung dieses Kapitels ins Auge, und da wird der erste Blick jedem Unbefangenen lehren, daß auf eine einzelne Persönlichkeit der Inhalt nicht ohne Zwang zu deuten ist. Ebenso wenig hat die jüdische Deutung auf Chiskijah, Jesajah, Jirmejah, noch auf einen andern frommen Dulder, Propheten oder Messias, einen ungezwungenen Sinn und Zusammenhang. Unter dein duldenden Knecht Gottes ist vielmehr das Volk Israel zu verstehen, wie an so vielen andern Stellen der Heiligen Schrift und besonders unsers Propheten, z. B. 49, 3: „Mein Knecht bist du, Israel, dessen ich mich rühme;" 44, 1. u. 2.: „Nun höre, Jakob, mein Knecht, Israel, welches ich erwählt: Fürchte dich nicht, inein Knecht Jakob!" und 21: „Gedenke dessen, Jakob und Israel, daß du mein Knecht bist. Ich habe dich mir zum Knecht gebildet, Israel, vergiß mich nicht." Und selbst für das leidende, duldende Israel und die ihm verheißene Erlösung und Erhebung finden sich analoge Stellen, z. B. 49, 7: „So spricht Gott, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu der verachteten Seele, dem Verabscheuten der Völker, dem Knecht der Herrscher: Könige werden es sehen und sich erheben" u. s. w. 50, 6: „Meinen Rücken gab ich den Schlagenden und meine Wange den Raufenden preis, ich verbarg inein Angesicht nicht vor der Schmähung und Verachtung. Aber Gott, der Herr, wird mir helfen" u. s. w. Es ist also hier von der Erlösung die Rede, welche Israel verheißen ist, von seinen Duldungen und Leiden, wovon ja der zweite Theil des Jesaias übervoll ist. Interessen des Judenthnms. Nur erweitert sich hier der Blick des Propheten, und er begründet gleichsam die speciell erwartete und geweissagte Erlösung aus babylonischem Druck durck) die allgemeine Erhebung, welche in seiner welthistorischen Bestimmung liegt, wie er auch hierdurch nicht blos die Leiden des Volkes als nothwendig und unausbleiblich erklärt, sondern dieses auch hierdurch tröstet und zum Fortdulden und Ausharren ermuthigt. Wo hätte es auch je jemand gegeben, der für eine Idee, der er sich hingegeben, nicht sollte kämpfen, dulden und leiden müssen? Der Sieg der wahren Idee, wie sie zumal Israel von Gott und seiner Religion aufgegeben, ist auch gewiß, aber nicht dem Einzelnen, sondern nur der Gesammtheit zu prophezeien. Israels Kämpfe, Duldungen und Leiden haben so viele spätere Jahrhunderte noch fortgedauert und sind noch nicht zu Ende; aber seine messianischen Hoffnungen sind darum nicht weniger begründet. Die Geschichte des israelitischen Volks weist auch, wie die geweissagten Duldungen und Leiden, so auch den Fortschritt der religiösen Idee in der allmählichen Realisirung der messianischen Hoffnungen und Verheißungen zur Bewahrheitung der Aussprüche dieses Kapitels nach. Der Prophet denkt sich die Völker, wie sie in späterer Zukunft zur Erkenntniß ihres Jrrthums und ihrer Verblendung gekommen sein werden, durch welche sie in Sünden gelebt, und in der sie Israel so verfolgt und unterdrückt haben. Wir haben bereits angegeben, daß die „Persönlichkeit" des Messias nnd die Beziehungen desselben zur „Davidischen" Dynastie (nin sowol im Judenthum wie Christenthum mit den politischen Verhältnissen Israels im Zusammenhang stehen. Der zweite Jesaias, welcher den Messiasbegriff idealistisch auffaßt, entbehrt darum durchweg dieser Vorstellung des Messias als eines „persönlichen" und „Davidischen" Nachkömmlings. Ihm ist „Gott" der Erlöser Israels l-r», 49, 7). So schon 43, 3: Winp „Ich der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, bin dein Erlöser", und so durchweg. Dennoch