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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 49

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 49 (sequence 54)
Language
German
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Der Messiasglaube. 49 Fortentwickelung. Und dein Talmud folgen in gleicher Weise alle rabbinischen Schriften von Autorität. Um nur aus Einem Beispiel darzuthun, inwieweit diese geschichtliche Fortentwickelung der allgemeinen Weltzustände mit Mosaismus und Judenthum Zusammenhängen und somit die messianische Erlösung Israels auf die der andern Volker wirkt, führen wir das juridische Recht an. In unserer modernen Welt fußt dasselbe noch auf dem Corpus juris der Römer, also auf heidnischen Rechtsanschauungen. Wenn das mosaische Recht auch autiquirt ist und ignorirt wird, nicht die Formen, aber die Ideen desselben müssen sich Bahn brechen. Was nämlich das heidnische und so auch noch das moderne Recht kennzeichnet, ist die Festhaltung des starren jus, des kalten Rechts, wonach, was schon der alte römische Advocat und Rechtslehrer Cicero erkannte, „das höchste (juridische) Recht oft zum höchsten (moralischen) Unrecht werden könne". Das jus schließt hiernach die Billigkeit, die Liebe aus. Das mosaische Recht schließt dagegen diese Principien nicht aus, sondern läßt sich von diesen durchdringen. Wir erinnern an das Gesetz über die milde Handhabung des Pfandrechts (Ex. 22, 25; Deut. 24,10). Das jüdische uvion (jus) gipfelt in der npiL, wenn das Recht von Liebe und Billigkeit durchtränkt ist. Es kann hier unsere (Absicht nicht sein, eine genaue und vollständige Geschichte von der Entwickelung des Messiasglaubens zu geben. Wir besprechen hier vielmehr nur einige einschlägige Stellen der Heiligen Schrift, welche für die Deutung desselben überhaupt und namentlich für die Annahme eines „persönlichen" Messias und dessen „Davidischer" Abstammung von besonderer Wichtigkeit sind. Wir wählen zunächst Jes. 52, 13 fg. und schicken zum deutlichem Verständniß die Uebersetzung dieser Stelle voraus: Kap. 52,13 fg. Sieh', mein Knecht wird Glück haben, wird erhöht und erhoben und sehr hochgestellt werden. 14 u. 15: Wie sich über dich viele entsetzten, — so entstellt ist nämlich sein Hilberg's Jllustrixte Monatshefte. II, 1. — Oktober 1 Ansehen und seine Gestalt gegen die eines andern Mannes und sonstiger Menschenkinder —: so wird er viele Völker auffahren machen, und Könige werden vor Erstaunen über ihn verstummen, wenn sie das, was ihnen nicht erzählt worden, gesehen, und was sie nicht vernommen haben, gewahrt haben werden. Kap. 53,1: Wer hätte denn auch Glauben geschenkt dem, was wir vernommen? An wem hat sich nämlich die Allmacht Gottes noch so offenbart? 2: Als junges Reis wuchs er vor ihm auf, als Wurzel aus dürrem Boden; er hatte weder Gestalt noch Schönheit, wir mochten ihn nicht sehen, er hatte kein Ansehen und wir keine Lust an ihm. 3: Er war verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann der Schmerzen und vertraut mit Leiden, wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, verachtet, und so auch haben wir ihn nicht geachtet. 4 u. 5: Jndeß unser Leiden hat er getragen und unsere Schmerzen sich aufgeladen. Wir hielten ihn für geplagt, von Gott geschlagen und gedemüthigt; und er ward nur durch unsere Schuld verwundet, durch unsere Versündigung so gedrückt; die Züchtigung zu dieser Besserung kam auf ihn, durch seine Beulen wurden wir geheilt. 6 : Denn wir alle irrten ja wie Schafe und gingen jeglicher seinen eigenen Weg, Lind Gott ließ ihn büßen unser aller Schuld. 7: Er ward bedrängt, aber er war demüthig und öffnete nicht seinen Mund, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, wie ein L>chaf, das vor seinen Scherern verstummt; so öffnete er nicht seinen Mund. 8: Durch Druck und Strafgerichte ward er hingerafft, rind niemand gedenkt seines Daseins, denn er wurde geschieden aus dem Lande des Lebens, für die Sünde unsers Volks traf ihn die Strafe. 9: Und man bestimmte bei Bösewichtern sein Grab und bei den Frevlern seine Gruft — dafür, daß keine Gewaltthat er geübt und kein Falsch in seinem Munde. 10: Gott aber wollte ihn schlagen und leiden lassen. Denn wenn seine Seele sich zum Schuldopfer hingäbe, so würde er Nachkommen schauen und lange leben und der 65. 4

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