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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 48

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 48 (sequence 53)
Language
German
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48 Illustr. Monatsh. für die fles. jtehung des Begriffs vom „persönlichen"! Messias nicht immer genau bewußt ist.i Wir haben nachgewiesen, daß die Idee eines „persönlichen" Messias und die Verknüpfung derselben mit einein „Sohn David's" nicht ursprünglich ist. Sie bat nicht von vornherein in der Messiasidee gelegen, sondern ist innerhalb der Nationalgeschichte Israels aus zufälligen , vorübergehenden Zuständen hervorgegangen. Die Idee tauchte im babylonischen Eril auf, und die Erlösung aus demselben hat ftattgefunden weder unter Mitwirkung der Davidischen Dynastie, nocb unter Wiederherstellung derselben, ja ohne daß dieselbe nur einmal versucht worden wäre. Man denkt vielfach bei dem Erscheinen des „persönlichen" Messias aus dem Hause David's gleichzeitig mit der politischen auch a» die Wiederherstellung der' alten religiös-gesetzlichen Zustände. Und doch ist es wahr, sowol daß das Äönigthum in Israel vom religiös-gesetzlichen Standpunkte keine principielle Nothwendigkeit war, wie auch daß selbst die mosaische (»Gesetzgebung keine stricte und vollkommene Durchführung all ihrer Forme» selbst im Heilige» Lande je hat erlangen können. Die mosaische Gesetzgebung liegt uns zwar in concrctcn Formen für bestimmte Verhältnisse vor; aber sie ist eben nur die Anwendung ihrer göttlichen Ideen auf jene Verhältnisse, von ewiger und unabänderlicher Bedeutung jedoch sind eben und sollen nur diese Ideen sein. To sind, um nur Ein Beispiel zu erwähne», bei der mosaischen Almosengesetzgebung nicht die Formen maßgebend, welche damals für das ackerbanl reibende Israel in dem Zehnten des Ertrags von den Früchten des Feldes, den „Ecken", der „Nachlese" u. s. w. vorgeschriebe» waren, sodaß die Pflicht der Almosenspende nur in dieser, und nicht in anderen Formen geübt werden könnte und sollte und der nichtackerbautreibcnde Israelit demnach zu allen Zeiten davon befreit wäre. Vielmehr haben wir überall die mosaischen Gesetzesforinen nur als die Rahmen zu betrachten, in welche die göttlichen Ideen eingefaßt sind, und danach, aberj , Antercsscn de-5 Judeiit-humS. lohne Abweichung von diesen, für die neuen Verhältnisse des staatlichen oder socialen Lebens die neuen GesetzeSsor men zu construiren. So verfuhr man beispielsweise bei Einrichtung unseres Gebetcultus mit Zugrundelegung des unausführbar gewordenen Opfercultus. Das Indenthmn sollte und konnte deshalb von jeher der fortschreitenden Entwickelung innerhalb der Geschichte des israelitischen Volks nicht entbehren und hat derselben nicht entbehrt, lind dadurch hat eS sich lebensfähig erhalten. Der Pharisäismus ist der Vertreter dieser fortschreitenden Entwicklung im Judeuthum, der SadducäismuS vertritt die todte Buchstabengläubigkeit und die starre Anhänglichkeit an die überlieferten und bestehenden Formen der moiaischen Gesetzgebung. Die Pbarisäer zerschlugen, wo es erforderlich war, die alten Formen, um den Geist zu erhalten,' der in ihnen lebte, und ließen diesen sich neue Formen schäften. In das Verhältnis;, welches die Sadducäer zur Bibel eiunahmen, traten später die .Earäer zum Talmud. Die Tadducäer gingen darum unter, die Karäer haben keine Lebensfähigkeit, wenn mau anders au deren Eristenz glauben will. Die Pharisäer allein vertreten das Judeuthum, habe» es uns überliefert und erhalten es mittels des Princips des sich geschichtlich entwickelnde» Fortschritts. Der heuchlerische Ruf, in welchen die Pharisäer durch das Neue Testament gebracht worden sind, beruht theils auf Misversländniß, theils auf vereinzelte» Wahrnehmungen und falschen Ueberlieferungen. Vereinzelte Heuchler galten als Entartungen und wurde» im Talmud selbst lSot. W, b) als solche bezeichnet. Mau misdcutet vielfach dieses Wesen des Pharisäismus und somit, wie das des IudenthmnS überhaupt, so auch insbesondere das des Messianismus. Der Talmud selbst drängt nicht den Begriff des „persönlichen" Messias hervor, sondern überweist das Erscheinen desselben, das Eintreten der Zeit und der Verhältnisse messianiscber Erlösung den, Willen und der Gnade 1 Gottes, d. b. eben der geschichtlichen

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