Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 43 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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Baron James Rothschild in Paris. 43 sichtig ihnen gegenüber ist, wenn nur etwas Stoff in ihnen ist und aus ihnen etwas zu machen ist; er ist nie umnuthig, wenn inan ihn um etwas befragt, und um die Sache besser zu verstehen, zu wiederholten malen ihn um seine Meinung befragt. Diese Eigenschaften haben sich natürlich im Leben und durch dasselbe iu dem Ehreumann ausgebildet, aber als Anlage waren sie wol in seiner glücklichen Natur vorhanden. Was aber die Leser dieser Blätter wol am meisten interessiren mag, Baron James ist immer und im Grunde seines Herzens Jude geblieben und hat nicht blos den Namen tragen wollen; ungleich hierin den meisten reichen Juden, und besonders vor 20—30 Jahren, hielt er es immer für eine seiner heiligsten Verpflichtungen, in seinem Leben, seinem Hause, seinen Brüdern allen ein gutes Beispiel geben zu müssen, und hat oft durch äußerlich nur geringfügige Zeichen wohlthuend auf die Gesammtheit gewirkt. Es war natürlich das eine sehr trübe Zeit, in der vor kaum einem Menschenalter ein Kaufmann sich nur zu irgendeinem bedeutenden Vermögen emporznschwingen brauchte, um, wenn nicht in seiner Person, so doch in seinen Kindern dem angestammten Glauben untreu zu werden; es waren das trübe Tage, in denen in den ineisten bedeutenden Städten ein jedes Wort, ein jeder Gebrauch verpönt und lächerlich gemacht wurde, wenn selbe nur in irgendeiner Beziehung zum Judenthum standen; und es bleibt dies das Verdienst Baron Rothschilds und seiner Familie, daß deren Erhebung, die doch auch in jene Zeit fiel, sie nicht auf jene traurige Bahn gleiten ließ. Sie waren und blieben das erste jüdische Haus, und Gott sei Dank! sie haben es nicht zu bereuen, treu geblieben zu sein, ihre Stellung hat dadurch nicht gelitten, und Ehre und Ruhm ist auch hier wieder am Ende dem zutheil geworden, der selbe verdieilte. Natürlich darf hier nicht der sanfte und kräftige Einstuß der Frau v. Rothschild übergangen werden, die, wie die übrigen weiblicheil Mitglieder der Familie, iil Erziehung der Kinder, sowie in den Beziehungen der großen Welt, keine Gelegenheit vorüber gehen ließen, um allem, was der Erhebung bedurfte, selbe zu verschaffen. Es verdient dies um so mehr bemerkt zu werden, als leider in Deutschland, dem Hauptlande jüdischer Bildung und Gesittung, und in früheren Zeiten aus Gründen, deren Untersuchung eben hier nicht an ihrem Platz wäre, bei Damen der. Grund der Entfermlug zuerst gelegt wurde und durch deren traurigen Einfluß in den meisten sogenannten großen Familien der Abfall eingeleitet, vorbereitet lind ausgesührt wurde. Baron James vergißt nie seinen Ursprung, man hat nie nöthig, ihm denselben zurückzurufen, lind als er vor kaum zwei Jahren auf seinem Prachtsitz in Ferneres, in dem er einige Zeit früher den Kaiser Napoleon empfangen und bewirthet hatte, die Großrabbiner von Frankreich ersucht hatte, die Schloßkapelle (ich spreche natürlich hier von der Shiiägvges den Tag nach den Festeil des Tischrimonats einzuweihen, so war das erste Wort, das er diesen Herren in Gegenwart seiner Kinder und Freunde erwiderte, „Dein Bruder möge in deiner Nähe leben können." Die hebräische Form des gemächlichen Spruches war dem jüngsten, doch schon siebzigjährigen Sohne des seligen Meyer Rothschild uoch so geläufig geblieben, daß sie ihm unmittelbar ins Gedächtniß kam und er ohne die mindeste Nachhülfe den richtigen Ton fand. Baron Rothschild empfängt, natürlich besonders Orientalen, mit einer hebräischen Phrase und erfüllt mit einem kleinen Anstrich von Eitelkeit, der den andern großen Bankiers wol auch zu wünschen wäre, bei Festen, in der Synagoge, am Tische die Würde eines des jüdischen Hausherrn und Familienvaters, sowie er auch ungemein aufmerksam und erkenntlich für alle Ehren ist, die man in dieser Beziehung seinen Kindern, welche selbe auch im höchsten Grade verdienen und zu würdigen im Stande sind, nur immerhin erweist. Gar oft, besonders in jener Zeit und in jenen Ländern, wo die Freiheit noch nicht durchgedrungen war, hat er es