Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 42 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417814--559-2418399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 Jllustr. Monatsh. für die ges. solange werdet ihr es auch haben", waren die einzigen Worte, die von Thränen aus den Augen gar mancher siebzigjähriger Greise begleitet waren. Einige stunden nachher kam der nun verstorbene Coste, der als Gründer eines früheren bedeutenden Journals «!s lemps» schon in der Julirevolution im Jahre 1830 eine bedeutende Rolle gespielt hatte und in der rue Olmntörum, nunmehrigen ruo cke In Vietoire, das Haus des ehemaligen Ersten Consuls besaß und bewohnte, auf das Bureau und sagte dem Baron, daß nun alle Männer gefallen, König, Minister aller Farben, nur Er allein wäre da von allem, das früher bestanden, er möge sich auf das Stadthaus (1100,1 de villo), das damals der provisorische Sitz der Regierung war, begeben, und alles werde sich gern um ihn scharen. „Ich danke Ihnen von Herzen", war seine Antwort, „der Lehnstuhl (kautöuilj ist mein Thron, da sitze ich seit 40 Jahren, und ich werde Gott und allen meinen Freunden danken, wenn sie mich da weiter sitzen lassen. Mehr verlange ich nicht." Mit diesen biedern und einfachen Worten entließ Baron James alle Plänemacher und ging geraden Schrittes mitten in jenen verwickelten Verhältnissen, die "jeden Tag neue Schwierigkeiten entstehen und verschwinden sahen, seilten Weg weiter. Baron James hatte richtig gescheit, verließ Paris auch nicht eine Minute, einige Tage später stand ihm sein treues Weib wieder zur Seite, und der praktische Schritt des erfahrenen Financiers hat sich vielleicht zu keiner Zeit kräftiger gezeigt und für das Allgemeine nützlicher bewährt als in diesen Tagen, wo alles den Muth verlor und die Ungewißheit der Ereignisse jedermann schüchtern und zittern machte, während James Rothschild behutsam aber fest unter Gottes Schutz sein Haus lenkte und günstigere Tage abwartete. Seine persönliche Heiterkeit, die nur einen Augenblick durch den Ernst der Ereignisse zurückgedrängt wurde, trat wieder hervor, und die Freundlichkeit, die eine der unterscheidendsten Eigenschaften des reichen Mannes ist, zeigte sich wieder wie ehedem. Baron Rothschild ist nie Interessen des Judenthums. mit Geschäften überhäuft, was die Franzosen aflairs nennen; wenigstens hat er nie die Miene davon; er hat immer Zeit, ein schönes Bild zu besichtigen, einen Kunstgegenstand, der ihm gefällt, sich anzuschaffen, eine Anekdote anzuhören, und hat jederzeit für alles Interesse, das seine Neugierde oder seine Wißbegier in Anspruch zu nehmen im Stande ist. In seinem Geschäftssaal in der ruo Uatt'itte, wo er init seinen Söhnen vom Morgen bis Abend regelmäßig weilt, und der mit keinem, selbst der andern Häuser Rothschild verglichen werden kann, drängen sich fortwährend Käufleute und Mäkler, Staatsmänner und große Damen, Künstler und Gelehrte, fremde Fürsten und einheimische Hülfsbedürftige; jeder hat seine Minute, und ini Lauf eines halben Jahrhunderts mag da gar manches Wort gesprochen, manche Unterhandlung gepflogen oder berathen worden sein, die vielleicht für den Lauf der irdischen Ereignisse nicht zu vernachlässigen iväre. Baron James hat ein ausgezeichnetes Gedächtniß; Männer, die er nur ein einziges mal zu sprechen Gelegenheit hatte und nach Jahren wieder zu sehen bekommt, werden gewöhnlich unmittelbar erkannt und als alte Bekannte empfangen; er liebt überhaupt die Menschen und die Welt und muß sehr leidend sein, um sich von ihr zu entfernen. Wenn Herr v.-Rothschild in eine Eisenbahn, deren Zug er auch manchmal versäumt, einsteigt, so bin ich überzeugt, daß er nach einer Viertelstunde die Verhältnisse seiner Reisegefährten sämmtlich kennt, mit dein einen oder dem andern durch Verwandte in Verbindung war, kurz, er bleibt nicht vereinzelt, steht nicht stolz und kalt den andern gegenüber, ohne sich auf den Friß treten zu lassen, was mair übrigens auch selten versucht. Ohne ein großer Stilist zu sein, hat er den richtigeil Takt, den Werth eines Werkes zu erkennen, und sehr oft lenkt er den Geist sehr fähiger Secretäre, jene Form zu finden, die ihm zusagt, und die gewöhnlich auch das ausdrückt, was er zu sagen wünscht. Man lernt viel in seiner Nähe, sowie er überhaupt junge Leute sehr gern hat, nach-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.