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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 41

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 41 (sequence 46)
Language
German
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Baron James Rothschild in Paris. machen, daß, solange jene nicht verhei-1 rächet gewesen sei, er wol für den älj teren Bruder habe gelten wollen, jetzt aber, wo dies schon und seit langer Zeit der Fall sei, wolle er sein Privilegium ansnehmen und bedeuten, daß er das jüngste Kind der Aeltern sei. Fm Alter von kaum l3 Jahren schiffte sich in einem Hafen der Nordsee auf einer kleinen Barke (es war die Zeit der Kontinentalsperre> der junge Alaun ein, um unter der Leitung seines altern, damals schon in England sich befindenden Bruders Nathan, in jene Handelswelt einzutreten, in der er sich bis zur höchsten Stufe erheben sollte. London, Manchester, Dünkirchen in Frankreich waren die Vorbereitnngsschuleu, bis der achtzehnjährige Gründer des Hauses, das nun seit G> Jahren den Namen „Gebrüder Rothschild" oder Rothschild t'rbros führt, dieses in Paris eröffnet«.'. Fm Jahre 1812 finde ich schon in den Archiven der jüdischen Gemeinde in Paris den jungen James Rothschild als den bedeutendsten Wohlthäter der Gemeinde und vom Consistorium jener Zeit den andern Mitgliedern als Muster bei Gelegenheit des Pesach-Festes empfohlen. Bis in jene frühe Zeit reicht also die persönliche Tradition des wohlwollenden Mannes, der nie seit jener Zeit die Lust, wohlzuthun, von der Freude, gute Geschäfte zu machen, zu trennen wußte. Im Monat Fnli des Jahres 1824 verheirathete sich Baron James mit der einzigen Tochter seines (nun seligen» Bruders Salomo», der Baronin Bettp, die sich der schwierigen Stellung, als Fremde in Paris einen Salon zu eröffnen, mit so vieler Umsicht und einem so ausgezeichneten Takt zu entledigen wußte, daß Staatsmänner und Gelehrte, große Damen so wie Künstler hierin einstimmig sind. Daß in ernsten wie in trüben Tagen sie rathend und tröstend ihrem Mann zur Seite stand, ist ein Verdienst, das sie mit allen Frauen jener ausgezeichneten Familie, die zu besitzen nacb dem Ausspruch eines bedeutenden Mannes, mit znm Glück des Hauses Rothschild gehört, sehr gern zu theilen bereit ist. Eine Toch- 4l ter, die seit 23 Jahren mit ihrem Cousin Baron Nathaniel verheirathet ist, und ein nicht unbedeutendes Künftlertalent sowol als Malerin als in der Musik besitzt, und vier Söhne, von denen der dritte leider im vorigen Fahre allgemein betrauert und beklagt im Alter von 2!> Jahren mit Zurücklassung einer allem Edelst und Guten zugewandten jungen Witwe und eines kleinen Doch terchens ans dem Leben schied, sind die Früchte dieser Ehe. Revolutionen und die in Frankreich so häufigen Veränderungen der Regierungssvsteme haben das Haupt des Hauses Rothschild mit Männern aller Gattung in Berübrung gebracht, sodaß nicht nur eine be deutende Menschenkenntnis», sondern ein gutes Her; dazu gehörte, um in allen jenen Verhältnissen jene Geistesruhe sich Ztl bewahren, die zu besitzen eilt nickt geringes Verdienst des welterfahrenen Mannes ist. „Baron James wird im Glück nie übermüthig und verzwei felt nicht in trüben Tagen" ist das Schönste und Wahrste, was man, ohne znm Schmeichler zu werden, aus den so reichen Alaun sagen kann. Als mitten in den schweren Tagen nach der Februarrevolution des Jahres 1848, als alles, was nur irgendeinen Namen hatte', die Flucht ergriffen hatte, der mit Sorgen belastete Mann aus dem Bonlovarck <ltw ltalimw erschien, war eine allgemeine Beruhigung aus allen Gesichtern zu lesen; Baron James hat Paris nicht verlassen, hieß es überall, das ist schön, er bewahrt sein Zutrauen; und die verschiedenen Gewalten, die täglich, beinahe stündlich damals in dem Gewühl entstanden und verschwanden, beeilten sich, Sicherheit und Schulz anzubieten und zu gewähren. Eine Scene, der ich beizuwohnen das Glück hatte, und die zu enthüllen, der würdige Mann mir wol vergeben wird, liefert ein Zeichen zugleich seines Gottver trauenS und seiner Klugheit. Zwei Tage nach der Februarrevolution, als in der Nacht vorher das Landhaus seines Bruders von einigen tollen Sansbolden in Asche gelegt war, versammelte er in seinem Schlafzimmer alle seine Beamte und die zahlreichen Angestellten seines Hauses; „solange ich ein Stück Brot habe,

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